Polystyrol - die Feuergefahr lauert an unseren Hausfassaden

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Sie wohnt in unmittelbarer Nähe einer Schule. Es sind Schulferien, ein schöner Sommerabend geht zu Ende. Da nimmt sie Brandgeruch wahr. Und schon sieht sie die Ursache: Die Fassade eines Schulgebäudes steht in Flammen. Beherzt greift sie zum Telefon und alarmiert die Feuerwehr. Es dauert nicht lang, bis diese vor Ort ist. Inzwischen schlagen die Flammen schon bis übers Flachdach, aber der Feuerwehr gelingt es, das Feuer zu löschen, bevor es sich nach rechts und links und womöglich ins Gebäude ausbreiten kann. Zurück bleibt eine zum Teil völlig zerstörte Fassade.

Tage später steht in der Tageszeitung eine kurze Notiz über den Brand. Die Polizei vermutet Brandstiftung, die Ermittlungen seien aufgenommen.

Warum ist mir dieser Brand hier im LK einen Beitrag wert?

Seit Jahren pumpen die Kommunen Millionen Euro in die Brandschutzmaßnahmen ihrer Schulen und anderer kommunaler Gebäude. Der damalige Brand am Düsseldorfer Flughafen war ein Weckruf für die Brandgefahren in öffentlichen Gebäuden: Brandschutztüren, Einbau nur schwer entflammbaren Materials, Fluchtwege, Außentreppen u.v.m., worauf seit vielen Jahren schon größter Wert gelegt wird.

Parallel dazu stehen Energiesparmaßnahmen hoch im Kurs. Eine besondere Maßnahmen: Die Wärmedämmung. Unzählige ältere Gebäude verfügen inzwischen über eine nachträgliche Wärmedämmung. Styroporplatten an der Außenfassade senken die Energiekosten. Dieser Trend ist auch an nichtöffentlichen Gebäuden festzustellen.

Eine tolle Sache, sollte man denken. Aber was wird denn da verbaut? Polystyrol heißt das Material, hergestellt auf der Basis von - Erdöl. Erdöl? Ein Produkt also der petrochemischen Industrie. Aber Erdöl ist doch ein Brennstoff. Und das ist die Crux: Unsere Häuser werden millionenfach mit entflammbarem Material eingehüllt. An vielen Gebäuden endet die Styroporschicht gar über dem Erdboden, die Putzschicht ist recht dünn und kann leicht abgekratzt werden.

Schulhöfe sind in den Nachmittags- und Abendstunden beliebte Aufenthaltsorte von Jugendlichen, zumal nur noch selten ein Hausmeister auf dem Schulgelände wohnt. Zerschlagene Glasflaschen, Zigarettenstummel, verschmierte Fassaden zeugen von jungen Menschen, die mit ihrer Zeit nichts Besseres anfangen können als an den Schulgebäuden rumzulungern. Und dann kommen sie auf die Idee, an den Styroporplatten rumzukratzen. Ganze Löcher kratzen sie bis aufs Mauerwerk aus. Und dann scheint es keines großen Schrittes mehr zu bedürfen, mit einem Feuerzeug daran rumzuspielen. Und irgendwann ...

Versuche haben die Gefahr der Polystyroldämmung längst nachgewiesen. Auch eingebaute Brandriegel bieten kaum Sicherheit. Darüber hinaus setzt ein Brand hochgiftige Dioxine frei. Der Brandschutz hat die Fassaden anscheinend vergessen.

Übrig bleibt ein Dilemma.
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3 Kommentare
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Jochen Czekalla aus Duisburg | 12.07.2015 | 12:16  
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Dirk Schlenke aus Duisburg | 13.07.2015 | 09:29  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 13.07.2015 | 15:33  
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