Endlich wieder in der Schule

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Endlich wieder in der Schule
Ja, du hast richtig gehört. Dies‘ ist die Überschrift zu meiner Kurzgeschichte, die ich für einen Wettbewerb schreibe. Ich sehe jetzt genau dein Gesicht vor mir. Die Nase ist gerümpft und die Augen starren ungläubig auf diese Worte. Sie fragen sich, wer mit dieser Überschrift allen Ernstes die Hoffnung hegt, einen Kurzgeschichten- Wettbewerb gewinnen zu können. Keine Sorge, die Geschichte handelt nicht vom Strebertum. Damit könnte man wohl auch nur schwerlich punkten. Es geht darum dir nur kurz zu erzählen, wieviel Glück ich damals hatte.
In der Vergangenheit suchte ich als frischgebackene Heilpädagogin ein neues Berufsfeld. Das alleine klingt ja noch nicht sehr spannend. Doch das wurde es aber sehr schnell, als ich feststellen musste, dass dieser Beruf noch vollkommen unbekannt war und mich somit keiner suchte, beziehungsweise auch niemand Interesse hatte, mich einzustellen. Na Bingo, dachte ich. Wie mache ich nun den Leuten klar, dass sie mich brauchen? Meine Gehirnzellen rotieren. Eines wusste ich sehr schnell, nämlich, dass ich auf keinen Fall Lust hatte, jeder Bewerbung einen langen Aufsatz beizufügen, in dem ich meine Berufsinhalte erklären würde. Die bessere Idee war: Selbst ist die Frau! Mit meinem klaren Ziel im Hinterkopf einmal eine Vorschulklasse in einer Grundschule leiten zu wollen, schmiedete ich einen Plan, denn ich wollte nicht länger die Kinder in den Klassen auf mich warten lassen. So bat ich also telefonisch um eine „Audienz“ bei der zuständigen Schulamtsdirektorin. Entgegen jeder Erwartung bot man mir in der Tat einen baldigen Termin an. Das war die Chance. Gut gewappnet trat ich mit meinem Bewerbungspäckchen unter dem Arm pünktlich an. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte für mich die Bezeichnung Direktorin immer einen sehr strengen Beigeschmack, doch diese Person, die mir dort hinter dem Schreibtisch entgegenblickte, sprengte mein Vorurteil in Sekunden. Schnell kam ich mit der hochsympathischen Dame in ein sehr intensives Gespräch. Du kannst dir nicht vorstellen, in welch anschaulicher Form ich ihr darlegte, warum genau ich die richtige Person für die Kinder in den Vorschulklassen sei. Ich zog wirklich alle vertretbaren Register. Doch am Ende des Gespräches stand leider doch das starre Vorschriftengerüst zwischen uns. Dies besagte, dass die Stellen ausschließlich mit den „bekannten“ Sozialpädagogen besetzt würden. Wie sagt man so schön: „Wat de Buer nich kennt, dat brüch he nich“ Du weißt sicherlich wie ich das meine?! Doch so schnell wollte ich mich nicht geschlagen geben .Immer schön am Ball bleiben, dann erzielt man auch irgendwann einen Treffer. Ich dachte oft an die Kinder und die vielen Ideen, die ich mit ihnen zusammen umsetzen wollte. So kam es, dass ich es in den nächsten 4-5 Monaten noch 2x mit immer neuen Argumenten, dass diese Stelle doch meine sein musste, bis vor ihren Schreibtisch schaffte. Irgendwie müssen Vorschriften doch auch mal flexibel und erneuerbar sein; so war zumindest meine Vorstellung. Doch sie boten mir weiter hartnäckig die Stirn.
Und dann war er da. Nein, nicht der Traummann, sondern der Sonntag, den ich nie vergessen werde. Nach dem Gottesdienst kam der Schulleiter der nahegelegenen Grundschule auf mich zu. Durch berufliche Schnittstellen waren wir uns bekannt und er sagte: „Frau Florin sie haben doch vor Kurzem noch eine zweite Ausbildung gemacht. Könnten sie damit auch eine Vorschulklasse leiten?“ Nicht nur ich, sondern auch mein Herz blieb stehen. „Ja natürlich könnte ich das.“ Ich spürte, wie alles in mir auf höchste Empfangsbereitschaft gefahren wurde. „Ja wissen sie, wir brauchen nämlich nach den Ferien dringend eine Schwangerschaftsvertretung. Da wäre es doch schön. wenn sie kommen könnten.“ Wie bei einem Vulkan sprudelte aus mir die Information, dass die Schulamtsdirektorin und ich uns bereits kennen. „Na dann werde ich mal in der nächsten Woche mit ihr reden.“ Noch nie war ich so dankbar für die intensiven Kontakte zu den Grundschulen, die ich während meiner Erziehertätigkeit stets gepflegt hatte. Schlagartig hatte ich den mir vertrauten Geruch des Schulgebäudes in der Nase, denn auch ich bin vor langer Zeit als kleiner Stöpsel jeden Tag manchmal mehr und manchmal weniger freiwillig zu dieser Schule gelaufen. Von diesen Erinnerungen und den vielversprechenden Worten des Schulleiters entzückt, schwebte ich wie auf Wolke 7 nach Hause. Der liebe Gott hat eben doch immer mal wieder seine Finger mit im Spiel.
Eine Woche später wurde ich während meiner Arbeitszeit im Kindergarten an das Telefon gerufen. Gut, dass ich bereits saß, als ich das Gespräch annahm. Eine mir sehr wohlbekannte, weibliche Stimme sagte, dass ich in Kürze nun doch die Leitung einer Vorschulklasse übernehmen könnte, nämlich die des Schulleiters, der mir am Sonntag wie ein Engel erschienen war. Wie soll ich sagen; der Ball war im Tor und das ach so starre Vorschriftengerüst hatte wohl doch ein kleines Schlupfloch. Der Hörer fiel zurück in die Gabel. Eine Millisekunde sammelte ich mich und tat dann einen Schrei, der die ganze Einrichtung wissen ließ, dass da etwas Gewaltiges passiert sein musste. Wie so oft schon hatte sich bewiesen: „Gut Ding braucht Weile“ „Steter Tropfen höhlt den Stein“ oder „Was lange währt wird endlich gut“ Wie wahr sind doch diese Sprüche. Aus dem Kindergarten zog ich aus und in die Schule zog ich ein und das nicht nur mit meinem gesamten Materialfundus, sonders vor allem mit meinem ganzen Herzen. Was ein Glück für mich! Endlich wieder in der Schule!
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