Kolumne 2

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Füße sind unser Leben. Hat nicht mal unsere Fußball-Nationalmannschaft in den 1970er Jahren ein ähnliches Lied gesungen? Es sei, wie dem sei - ich habe eine Fußphobie. Schweißfüße, Käsefüße, Schweinefüße - sie alle und noch viel mehr sind mir ein Horror. Ich kann selbst meine eigenen Füße nicht ansehen und trage selbst beim Schlafen, Duschen und Schwimmen Strümpfe. Muß ich dann die Strümpfe wechseln und die Fußregion abtrocknen, mache ich regelmäßig die Augen zu. Und der gelegentliche Gang zum Schuhhändler ist der regelrechte Albtraum.

Ich warte immer, bis es unumgänglich ist, weil nichts mehr von der Schuhsohle übrig ist. Der Gedanke, meine Füße in Schuhe zu schlüpfen, die unter Umständen schon jemand anders getragen hat, ist mir einfach unerträglich! Es dauert Stunden, bis ich den passenden Schuh gefunden habe.

Und dann das: Der Auftrag stammt vom örtlichen Kunstmuseum! Ich soll für eine Kunstpräsentation meine Idealvorstellung des perfekten Fußes künstlerisch gestalten - ganz egal, ob fotographisch, bildhauerisch, zeichnerisch, eventmäßig oder sonstwie. Ich habe lange Zeit überlegt, ob ich mich überhaupt beteiligen soll. Dann habe ich mich doch positiv entschieden. Vielleicht kann ich ja auf diese Art und Weise entphoebisieren.

Zuerst habe ich Feldstudien betrieben. Ich bin im Sommer an Strände, Baggerlöcher, Wiesen, öffentliche Brunnen und andere frei zugängliche Plätze gegangen und habe Füße jeglicher Form abgelichtet.

In einem zweiten Schritt setzte ich die gräßlichen Fußexemplare in eine Zeichnung um. Zum Glück sind die Blätter unbeschadet erhalten geblieben - ohne Kaffeeflecken, Fettreste und Hinterlassenschaften meines Würgereizes.

Die Auswahl derjenigen Zeichnungen, die ich dann in Plastiken und Bildhauerei umsetzte, ist mir nicht leicht gefallen. Ich habe sie dann aber nach längerem inneren Kampf getroffen. Um zu vermeinden, daß meine Hände tatsächlich mit Füßen in Verbindung kommen, habe ich eine neue Drucktechnik, nämlich den 3-D-Druck, genutzt. Foto und Zeichnung in das Fernkopiergerät, ein Exemplar an mich selbst geschickt und dann nicht zwei-, sondern dreidimensional ausgedruckt - und schon war mein Ausstellungsbeitrag fertig.
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