30 Jahre Marathonlauf – Ein “heißer“ Erlebnisbericht von Wolfgang Ettwig

Wolfgang Ettwig: Zieleinlauf beim 4. Volksparklauf des OSC-Rheinhausen
Verfasst von Wolfgang Ettwig:

Nicht nur der „wir4Städtelauf“ feierte am 3.Oktober ein Jubiläum. Auch ich hatte etwas zu feiern: Mein Marathonjubiläum! Vor 30 Jahren lief ich in Frankfurt/Hoechst meinen ersten Marathon.

Beim „wir4 Städtelauf“ läuft man von Kamp-Lintfort über Rheinberg nach Moers und weiter über Neukirchen-Vluyn wieder zurück nach Kamp-Lintfort mit Zieleinlauf am Kloster Kamp. Man kann einzelne Etappen laufen oder in einer Staffel oder, wenn man so verrückt ist wie ich, alle 4 Etappen, die zusammen 42,105 km, also einen „Marathon“, ergeben.

Die Strecke fordert alles ab, da sie viele Steigungen in Form von Brückenüberführungen aufweist und man nicht einen Kilometer im Schatten läuft. Und die Landschaft ist herrlich!

An diesem Montagmorgen stand ich gegen 6.30 Uhr auf und machte mich trotz der heißen Witterungsvorhersagen auf nach Kamp-Lintfort, denn ich musste noch nachmelden.

Um 11.oo Uhr Start bei Alemania Kamp! Dann quälte ich mich mit den anderen Läufern den Kamper Berg hoch. Die Hitze war jetzt schon so enorm, dass ich mit Gehen und Laufen meinen Rhythmus suchen musste. Nach fast 10 km hatte ich ihn endlich gefunden.

Ankunft in Rheinberg nach 1 ½ Stunden, dann nach Moers zur Glück-Auf Kampfbahn. Gegenwind: super! Jetzt nach Neukirchen -Vluyn. Die Hitze steigt auf 25 Grad und mehr. Ich laufe allein, mir ist heiß, ich habe Durst und das OSC-Rheinhausen Trikot „drückt“.

Letztes Jahr bin ich in Neukirchen-Vluyn bei Kilometer 32 wegen zu großer Hitze ausgestiegen. Diesmal ist das kein Thema. Das OSC Trikot „drückt“.

Einige Marathonis sind bereits ausgestiegen, so laufe ich als Letzter und die Streckensicherung durch Reservisten, Polizei und die Betreuung durch den Rote Kreuz-Wagen gelten jetzt allein mir. Das erhöht den psychischen Druck und erfordert zusätzliche Kräfte. Ankunft in Neukirchen -Vluyn beim berüchtigten Kilometer 32 nach 4 Stunden. Der Rote Kreuzwagen fragt mich, ob ich weiterlaufen will, da das Ziel wohl nicht länger als 5 Stunden aufgehalten werde. Ich verneine und auch der Veranstalter sieht keinen Grund, mich nicht weiterlaufen zu lassen. Kilometer 36 - die Verpflegungsstände sind seit 6 Kilometern abgebaut und ich bitte Bauern auf Bauernhöfen in ihren Ställen, etwas trinken zu dürfen. Vor einem Privathaus bitte ich die Eigentümerin um ein Glas Wasser. -

Ein Polizeiwagen kommt mir und dem Fahrradbegleiter des Veranstalters entgegen und meint, er müsse die Straßensperrung am Eylerberg aufheben und ich dürfe eigentlich nicht weiterlaufen. Ich lasse mich auf keine Diskussion ein und auch meine Fahrradbegleitung lehnt ab. Der Veranstalter billigt das. Ich kämpfe weiter ohne Getränke und ohne Straßensicherung, bei Gegenverkehr den Eylerberg hoch. 1 ½ km vor dem Ziel fragt der Rote Kreuzwagen, ob ich nicht mitfahren will. Ich antworte gar nicht erst, laufe weiter. Kloster-Kamp – Terrassengarten! Zwei Rote Kreuz-Helfer sollen mich über die Stufen zum Ziel begleiten. Ich bin schneller und laufe jetzt Richtung Ziel. Die Zielbegrenzung ist bereits abgebaut, nur das Zieltransparent hängt noch! Nach etwas mehr als 5 ½ Stunden erreiche ich das Ziel . Ein kleines Mädchen reicht mir die Medaille - und ich? Ich bin trotz allem glücklich und habe die widrigen Umstände schon fast vergessen. Und das OSC Trikot - drückt nicht mehr. Langstreckenläufer sind komische Vögel, die nicht fliegen können.
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Wolfgang Schroeder aus Iserlohn-Letmathe am 16.10.2011 um 21:09 Uhr  
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