"Die Germania-Brotfabrik in Hamborn und der Widerstandskreis um August Kordahs"

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Duisburg: Bahnhof Hamborn | Eine Ausstellung zum Gedenken an 100 Jahre Brotfabrik "Germania" und den Widerstandskreis gegen das NS-Regime wird am 17. Oktober 2013 im Bahnhof Hamborn, Markgrafenstraße 130, um 18.30 Uhr eröffnet. Oberbürgermeister Sören Link und Schirmherr der Ausstellung wird die Ausstellung eröffnen. Alt-Oberbürgermeister und Ehrenbürger der Stadt Duisburg, Josef Krings, wird eine Gedenkrede zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus halten.

Die Ausstellung wird zur Eröffnung im großen Wartesaal und im angrenzenden Restaurant "Fish & more" zu sehen sein. Ab Freitag den 18. Oktober 2013 wird die Ausstellung bis zum 11. November 2013 in der Zeit von 12.00 bis 20.00 Uhr im Restaurant zu sehen sein.

In der Ausstellung werden erstmalig aus dem Nachlass von August Kordahs Dokumente, wie Fotos und Ausweise, sowie Schriftverkehr ausgestellt. Weitere Ausstellungsstücke sind Glasfenster, eine Waage und eine Uhr aus der ehemaligen Brotfabrik Germania.

Zum Inhalt der Ausstellung:

Im Jahr 1913 wurde die Brotfabrik "Germania" in unmittelbarer Nähe des Hamborner Bahnhofs in Betrieb genommen. Rund zwei Jahrzehnte nach ihrer Gründung sollte die Brotfabrik unter ihrem neuen Eigentümer August Kordahs (Kordass) das Zentrum der wohl bedeutendsten Widerstandsbewegung gegen das NS-Regime im gesamten Rheinland werden.

Nach der Machtübernahme im Januar 1933 folgte im März das sogenannte "Ermächtigungsgesetz", welches das recht, Gesetze zu erlassen dauerhaft auf die Reichsregierung transferierte. Im Mai wurden die Gewerkschaften aufgelöst und im Juni erfolgte das Verbot der SPD sowie die erzwungene Selbstauflösung der anderen Parteien. Ab Sommer 1933 formierte sich der Widerstand, der in Duisburg maßgeblich von Hermann Runge (1948/49 Mitglied des Parlamentarischen Rates), Sebastian Dani (später Bürgermeister und Stadtdirektor in Bonn) und der Ruhrorter Lehrerin und Frauenrechtlerin Johanna Niederhellmann organisiert wurde. Man fasste den Entschluss, aus der Brotfabrik "Germania" eine Zentrale des organisierten Widerstands zu machen. Von hier sollte ein regelrechtes Verteilernetz aufgebaut werden. Der Inhaber August Kordahs (SPD- und Reichsbannermitglied), stellte zu diesem Zweck ehemalige Partei- und Gewerkschaftsmitglieder als Brotfahrer ein. Diese verteilten neben dem Brot illegale Flugschriften, die über den Terror der Nationalsozialisten aufklärten und Nachrichtenblätter der Prager Exilorganisation SOPADE im Rheinland, am Niederrhein sowie in weiten Teilen des Ruhrgebiets. 1935 wurde die Widerstandsgruppe durch die Gestapo enttarnt. Es kam zu regelrechten Verhaftungswellen (z.B. in Aachen, Düsseldorf, Kamp-Lintfort, Mönchen-Gladbach, Moers. Rund 600 Personen wurden inhaftiert). 167 Brotfahrer wurde der Prozess gemacht. Für viele bedeutete dies Schutzhaft, Folter und Konzentrationslager.

Für das leibliche Wohl ist selbstverständlich auch gesorgt.
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3 Kommentare
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Imke Schüring aus Wesel | 15.10.2013 | 10:15  
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Paul Scharrenbroich aus Monheim am Rhein | 15.10.2013 | 10:48  
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Jürgen Trabert aus Duisburg | 15.10.2013 | 11:25  
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