Der Spekulant - eine Ballade -

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Aufstieg und Fall eines Spekulanten

Er war erfolgsverwöhnt, von aller Welt beneidet.
Was immer er begann, er macht's zu Geld.
Er gab sich jovial und war stets gut gekleidet.
Nur eines hat das Leben ihm verleidet:
Er wollte ständig mehr von dieser Welt.




Mehr Wertpapiere, Aktien, Dividende
und was im Portefeuille es sonst so gibt.
Sein Anlagevermögen füllte Bände.
Er zahlte drauf Gebühren ohne Ende.
Ein Grund, warum er bei den Anwälten beliebt.

Sein Schwarzgeld wuchs, erreichte rasch Millionen.
Drum brachte er's ins Ausland, in die Schweiz:
"Denn harte Arbeit soll sich ja auch lohnen.
Doch das Finanzamt muss man davor schonen.
Der Perspektive mangelt's nicht an Reiz!"

Schnell zählte er dann zu den Superreichen
und fand auch Aufnahme im "Who is Who".
Sein Spenderherz, das ließ sich schnell erweichen,
bei jeder Gala gab er ohnegleichen.
Denn sein Gewissen ließ ihm keine Ruh.

Dann, eines Freitagmorgens um halbachte,
er saß beim Frühstück, köpfte grad das Ei,
da man gewohnt das Wirtschaftsblatt ihm brachte
und er die neuen Kurse überdachte,
vernahm sein Umfeld plötzlich einen Schrei.

Denn über Nacht waren seine Banken pleite
und auch der Immobilienmarkt brach weg.
Die Vorstandsbosse suchten längst das Weite
mit ihren teuren Frauen an der Seite.
Die fühlten sich so wertlos ohne Scheck.

"Wie gut, dass ich viel Geld ins Ausland brachte!
Die Nummernkonten sind sehr gut bestückt.
Wir gehen außer Landes, aber sachte."
Und da er dabei ans Finanzamt dachte,
sah seine bange Frau ihn höchst beglückt.

Doch die beschlich so eine böse Ahnung:
"Ist dafür sicher auch noch Zeit genug???"
In dem Moment erscheint die Steuerfahndung,
erzwingt den Einlass und mit ihm die Ahndung
des kriminellen Akts: Finanzbetrug. - - -

Heut lebt er unerkannt und höchst bescheiden
in einer kleinen mitteldeutschen Stadt.
Kontakt zu Nachbarn sucht er zu vermeiden.
Er ist gesund, hat sonst auch nichts zu leiden,
weil das Finanzamt bei ihm nichts zu holen hat.

Die Miete, die gering, zahlt die Gemeinde.
Ja, beim Sozialamt kennt er sich nun aus!
Er hat zwar keinen Freund, doch auch nicht Feinde.
Nur neulich sah's so aus als ob er weinte,
denn seine Ehefrau zog plötzlich bei ihm aus.

Jetzt holt er sich sein Essen von der Tafel
und die Klamotten bei der Caritas.
Er dachte kurz an Freitod in der Havel,
doch mittlerweile hält man's für Geschwafel.
Sein Kneipenwirt sagt stets: Nu, lass doch das!"
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