Gedenken und Matinee

Etty Hillesum wurde in Auschwitz-Birkenau ermordet. | Foto: Jüdisches Museum Amsterdam
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Was mag diese Frau nur in den quälenden Stunden gedacht haben? Was hat sie in der schrecklichen Zeit im Konzentrationslager erlebt? Etty Hillesum, die 1914 in Middelburg das Licht der Welt erblickte, hat all dies in ihren Briefen niedergeschrieben. 1943 wurde die Jüdin in Auschwitz-Birkenau ermordet. Barbara Riedel kennt diese Briefe, hat sie ins Deutsche übersetzt. Nun wirdmet die Bürgeraktion Pro Kultur Etty Hillesum am 28. Januar im Schlösschen Borghees eine Matinee.

Barbara Riedel kennt all diese Briefe der jungen Jüdin. "Als man mich von der Universität Gent fragte, ob ich die Briefe übersetzten könnte, viel mir vor allem ein Spruch von Etty Hillesum auf. Der lautete: Gott, wenn du uns nicht helfen kannst, dann müssen wir dir helfen. Da bin ich erst einmal hellhörig geworden. Und da ich Briefe liebe, selbst gerne schreibe, habe ich die Übersetzung übernommen." Barbara Riedel kommt gebürtig aus Bayern und arbeitete von 1968 bis 1977 am Förderzentrum in Emmerich. Nun lebt sie in Zevenaar, gehört aber der Bürgeraktion Pro Kultur an.
Vor zwei Jahren gab es einen ersten Kontakt zu Irene Möllenbeck, der Vorsitzenden von Pro Kultur. Im Laufe der Zeit entwickelte sich dann die Idee zu dieser Matinee. "Etty Hillesum? Wer ist das denn mögen sich viele fragen. Anne Franck ist da jedem wohl eher bekannt", bemerkte Mölenbeck. Sie sei quasi eine Schicksalsschwester von Anne Frank, deren Tagebücher schon 1947 die Welt eroberten. "Dies erklärt auch, warum Etty so lange fast unbekannt blieb." Barbara Riedel durfte nun einen Einblick in das Leben von Etty bekommen haben: 168 Seiten hat sie in vier Monaten übersetzt. "Ich hatte Ischias und nach der Übersetzung war ich erleuchtet und geheilt", schmunzelte sie.
Das Gesamtwerk ihrer Tagebücher umfasst 988 Seiten. Am 28. Januar beginnt die Matinee um 11.30 Uhr mit Musik von Florian Lesemann. Nach der Begrüßung durch Irene Möllenbeck widmet sich Hildegard Pütz der Biografie von Etty Hillesum. Es folgen Lesungen von Silke Eicher und Susanne Böhm in deutscher Sprache sowie von Tineke van der Rande in niederländischer Sprache. Barbara Riedel bringt dann noch den Brückenschlag zum Bild "Geistige Mitte" von Hildegard Pütz zum Ausdruck.
Einen Tag vorher, also am 27. Januar, findet um 11 Uhr auf dem städtischen Friedhof eine gemeinsame Gedenkfeier der Stadt und Pro Kultur für die Opfer des Nationalsozialismus am Gedenkstein statt. Daran sind Schüler der Gesamtschule, der Realschule, des Gymnasiums und des Förderzentrums beteiligt. Schüler der Städtischen Gesamtschule werden dabei die Bedeutung des Stacheldrahtes erläutern, die später in Erinnerung an die Befreiung des KZ Auschwitz durchtrennt werden. Zum Abschluss legen alle einen Kieselstein auf dem Gedenkstein ab. Dieser jüdische Brauch wird von Schülern des Förderzentrums erklärt.

Etty Hillesum wurde in Auschwitz-Birkenau ermordet. | Foto: Jüdisches Museum Amsterdam
Barbara Riedel, Irene Möllenbeck und Michael Rosendaal haben die Matinee konzipiert. Foto: Jörg Terbrüggen
Autor:

Jörg Terbrüggen aus Emmerich am Rhein

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