Mit 85 Jahren noch in der Werkstatt

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Alfons Thesing in seiner kleinen Werkstatt. In Händen hält er das Paar „Meisterschuhe“. Seine Tochter Elisabteth Wolbring zeigt stolz den Diamantenen Meisterbrief. Foto: Jörg Terbrüggen

Es scheint so, als sei hier die Zeit stehen geblieben. In der Werkstatt von Schuhmachermeister Alfons Thesing in der Hühnerstraße hat sich in den letzten Jahrezehnten nichts verändert. „Sie ist noch genauso, wie ich sie zum ersten Mal vorgefunden habe“, strahlte der 85-Jährige.

Und das liegt immerhin schon mehr als 55 Jahre zurück. Damals war der frisch gebackene Schuhmachermeister eher zufällig nach Emmerich gekommen. Der Schuhhändler seines Lehrmeisters fungierte dabei mehr oder weniger als Liebesgott Amor. Die Frau des damaligen Inhabers suchte nämlich einen passenden Mann für ihre Tochter. „Da kenne ich jemanden“, bemerkte der Händler. Und so kam es, dass Alfons Thesing schon kurze Zeit später auf seinem Motorrad saß und nach Emmerich fuhr.
Es sollte nicht seine letzte Fahrt gewesen sein. Denn der Funke der Liebe sprang schnell über, Alfons Thesing zog im Oktober 1959 nach Emmerich und heiratete die Tochter des Hauses im Juni 1960. Thesing fing sofort als Schuhmachermeister in dem Betrieb an. Mit 16 Jahren hatte er seine Lehre im Schuhhaus Kramer in Ahaus im Münsterland gemacht, legte dort auch seine Gesellen- und Meisterprüfung ab. Das Paar Schuhe hat er heute noch. „Wir mussten damals einen Lederschuh ganz machen und den anderen bis zum Rahmen einstechen“, erinnerte sich die Schuhmachermeister. Seit nunmehr 60 Jahren trägt er diesen Titel und erhielt dafür von der Innung den Diamantenen Meisterbrief überreicht.

Möglichst noch lange arbeiten

Später übernahm Alfons Thesing das Geschäft von seiner Schwiegermutter und führte es mit seiner Frau fort. Vor 20 Jahren ist auch seine Tochter Elisabeth Wolbring ins Geschäft eingestiegen. „Sie hat im Kindergarten schon gesagt, dass wenn sie einmal groß ist, sie der Mama helfen will“, strahlte der stolze Vater. Tatsächlich ließ sie ihren Worten dann auch Taten folgen.
Und noch heute sitzt Alfons Thesing hinten in der kleinen Werkstatt und erledigt die anfallenden Schuhreparaturen. „Ich hoffe, dass das noch lange so geht. Es ist doch schön noch gebraucht zu werden“, so der rüstige Schuhmachermeister. Neben seinem Beruf gehört die ganze Liebe der Kolpingfamilie. In der dortigen Wandergruppe ist er seit 34 Jahren der „Leithammel“.
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