mit der MS AMADEA unterwegs, Teil 2

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die AMADEA, unser Traumschiff
 
lavaspuckender Stromboli in tiefer Dunkelheit
 
im Speisesaal mit unserem Oberkellner Rodel im Hintergrund
Travel wird offensichtlich auch langsam älter. Jedenfalls, zu unserer Freude, verschlief er die ersten Tage an Bord, und ließ uns ziemlich in Ruhe.

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Die erste Nacht an Bord war wie immer gewöhnungsbedürftig, das schmale Bett, das kleine Kopfkissen, die Helligkeit unter der Türe hindurch. Am nächsten Morgen fühlten wir uns beide wie gerädert. Aber solche Kleinigkeiten wie Rücken, Schlaflosigkeit, oder Schulter können einem echten Seebären nicht die gute Laune vermiesen. Hauptsache: wieder Schiffsplanken unter den Füßen und frischen Seewind in der Nase.
Bei unserem Kabinensteward erbaten wir uns zwei weitere Kopfkissen und dann nichts wie runter ins „Vier Jahreszeiten“, wo wir von Rodel und seinen Jungs wieder schamlos verwöhnt wurden.

Es war ein Seetag. Nachts war die AMADEA oberhalb von Korsika durchs Ligurische Meer geschippert, jetzt bei strahlender Sonne kreuzten wir durchs Tyrrhenische Meer auf Sizilien zu. Am liebsten hätte ich mich gleich oben auf dem Sonnendeck auf einer Liege von dem fantastischen Frühstück erholt. Aber vor der Kür stand erst noch die Pflicht. In der Atlantik-Lounge hielt Thomas
seinen Diavortrag über die bevorstehenden Landausflüge oder Landgangsmöglichkeiten überhaupt.
Wir kannten ihn ja schon bestens von der letzten Reise. Thomas ist einfach Kult. Man muss ihn erlebt haben, um es zu verstehen.
Mitten im Vortrag klingelte ein Handy. Es klingelte. Und klingelte. Penetrant und aufdringlich. Und derjenige welche kriegte es nicht gebacken, das Ding zu stoppen. „Soll ich rangehen?“ fragte Thomas freundlich durchs Mikrofon. Endlich schaffte es der Handybesitzer, das Gebimmel zu killen und fing an zu telefonieren. „Bestell schöne Grüße von mir“, rief Thomas. Und dann: „Oder besser, ich telefonier gleich selber.“
Endlich verstand der Mann und stolperte die Stufen hoch durch die Lounge zum Ausgang. Das Handy am roten Ohr. Der ganze Saal lachte.

Ich verbrachte bis zum späten Nachmittag viel Zeit oben auf Deck 11 in der warmen Sonne. Einfach nur schön. Unendlicher, blauer Himmel über mir, rundum schwarzes Wasser mit der hell schäumenden Heckwelle und Ruhe. Wie hatte ich mich darauf gefreut!
Abends war gleich Willkommen-Captains Dinner angesagt. Aufmarsch der neuen Passagiere, um dem Kapitän und dem Kreuzfahrtdirektor das Pfötchen zu schütteln und ein ganz zwangloses Foto mit den Beiden für kaum nennenswertes Geld machen zu lassen.
Das mussten wir Vier nicht mehr haben. Also schlugen wir einen Bogen und suchten uns gleich einen guten Platz in der Atlantik-Lounge für den Sektempfang und Vorstellung der Oberhäupter.
Das Gala-Menü anschließend war wieder exzellent.

Das Beste stand uns aber noch bevor: der berühmte Stromboli. Er ist der aktivste Vulkan Europas auf der gleichnamigen Insel. Er spuckt in unregelmäßigen Abständen, oft im Minutentakt, flüssige Lava aus, die entweder gleich wieder in den Krater zurück läuft oder aber in Bahnen hinunter ins Meer rollt. Weltweit ist der Stromboli einer der ganz wenigen daueraktiven Vulkane. (Diese Informationen habe ich der Bord-Info entnommen).
Gegen 22 Uhr sollten wir den Stromboli erreichen und backbord ganz langsam daran vorbeifahren, versprach der Kapitän.
Ganz nah? - Eine Glocke in unserem Gehirn schlug Alarm. Hatte das dieser Italiener mit der Schmalzlocke nicht auch gesagt, unmittelbar, bevor er den Pott auf einen Felsen aufgesetzt und zufällig als Erster ins Rettungsboot gefallen war? Aber unser Kapitän Flohr war ein ganz anderer Typ. Ein gestandener, erfahrener Kapitän, und wir vertrauten ihm.
Hedwig und Theo hatten einen großen Backbordbalkon. Sie luden uns ein. Also machten wir es uns mit ihnen und einer Flasche Rotwein dort bequem. Der Himmel war übersät mit Millionen Sternen, und die MS AMADEA glitt durch die warme Dunkelheit wie ein Fisch durchs Wasser.
Immer wieder standen wir auf und reckten den Hals. Es ging auf 22 Uhr. Langsam müssten wir doch etwas sehen können!
Und dann, nach einem leichten Schlenker, war der Stromboli direkt seitlich vor uns. Vier Lavaströme ergossen sich bergab ins Meer. Wie eine gespenstische Bergautobahn in schwarzer Nacht, vierspurig, voll von feuerroten Fahrzeugen, die sich jagen, überholen, umstürzen, fallen, drängen, ausweichen und dann ins Meer stürzen. Fantastisch, einfach fantastisch!
Ich versuchte, diesen Anblick mit der Canon festzuhalten, aber entweder war es zu dunkel, oder aber ich habe im Dunkeln die falsche Einstellung erwischt.
Ganz langsam, wie auf Zehenspitzen, schlich die AMADEA vorbei. In der Ferne blinkten die Lichter der nahen Küste und die blutroten Feuerströme verblassten.

Wir näherten uns der Straße von Messina. Aber es war spät, und wir wollten lieber in unser Bett.
Das Erlebnis mit dem Stromboli war ohnehin nicht mehr zu toppen.
So verschliefen wir, wie um halb eins der Lotse an Bord genommen wurde und das Schiff vor Anker gehen musste, weil es einen medizinischen Notfall an Bord gegeben hatte. Eine Frau musste an Land ins Hospital gebracht werden. So konnte die AMADEA erst mit Verspätung weiter fahren.
Auch der Samstag war wieder Seetag. Vormittags wurden wir mit einem speziellen Frühschoppen an Deck verwöhnt: Austern und viele andere Köstlichkeiten, Sekt und Doppelkorn. Aber ich blieb lieber auf meiner Liege oben auf dem Sonnendeck. Ich war noch pappsatt vom Frühstück. Und diese glibbrigen Dinger sind ohnehin nicht mein Ding. Mein lieber Mann dagegen ignorierte seinen auch noch vollen Bauch und schlabberte genüsslich Austern und leckere Salate.

Wir schipperten durchs sonnige Mittelmeer auf Griechenland zu. Morgen würden wir in Nauplia/ bzw Nafplio auf dem Peloponnes ankommen und zum ersten Mal an Land gehen. Im neunzehnten Jahrhundert war die Stadt zeitweise zweite Hauptstadt, 1833 hatte hier sogar der griechische König Otto von Bayern residiert.
Von dort aus wurden Busausflüge angeboten nach Mykene und Alt-Korinth oder zum Kanal von Korinth. Bestimmt sehr interessant, mal auf den vorklassischen Ruinen herum zu wandern, aber andererseits: die Zeit, die wir dann im Bus verbringen würden, konnten wir genauso gut nutzen, um uns Nauplia selber anzusehen. Wir beschlossen, genau das auch zu tun.

PS: das erste, offensichtlich ganz schwarze Foto ist einer meiner Versuche, den spuckenden Stromboli in pechschwarzer Finsternis aufzunehmen. Beim Anklicken kann man fast etwas erkennen....)))
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