Übung in Chiles luftiger Höhe

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Frank Luinenburg (links) übt das sichere Abseilen aus der Sternwarte mit Mitarbeitern der Feuerwehrbrigade. (Foto: Privat)
 

Die Luft in über 2.500 Meter Höhe wurde manches Mal schon ganz schön dünn. Das musste Frank Luinenburg vom Technischen Hilfswerk Emmerich knapp 14.000 Flugkilometer von der Heimat entfernt in der südlichen Hemisphäre in Chile bei seinem Auslandseinsatz feststellen. Dem Stadt Anzeiger berichtete er von dieser recht ungewöhnlichen Reise.


THW-Einsatzkräfte trainierten mit der Europäischen Organisation für astronomische Forschung das richtige Verhalten bei Erdbeben. Immer wieder erschüttern Erdstöße das südamerikanische Land. Erst vor kurzem wurde ein Beben mit der Stärke 6,7 auf der Richterskala gemessen. Da ist es im Ernstfall wichtig, in Notlagen schnell und richtig zu reagieren, Menschen zu retten und zu evakuieren, trainierte der Truppführer aus Emmerich dies mit den Männern der Feuerwehrbrigade. Allerdings handelt es sich dabei nicht um qualifiziertes Rettungspersonal, sondern um Wartungspersonal, die nebenbei in der Brigade tätig sind.
Frank Luinenburg, seit 1992 beim THW Emmerich, gehört zum erlauchten Kreis von 220 Einsatzkräften in Deutschland, die für Einsätze im Ausland qualifiziert sind. „Wer zur Schnellen Einsatz Einheit Bergung Ausland -SEEBA gehören möchte, muss zwei EU Lehrgänge sowie einen einwöchigen Lehrgang in Stuttgart ( EGA-Einsatz Grundlagen Ausland) überstehen. Als weitere Voraussetzung gilt das deutsche Sportabzeichen, ein schriftlicher (in englisch), mündlicher und praktischer Test aus dem Bereich Bergung, zum Teil in englisch. Zudem muss man an diversen (acht bis zehn Mal im Jahr) Ausbildungsveranstaltungen in ganz Deutschland sowie einmal im Jahr an einer einwöchigen Übung im Ausland teilnehmen, das ganze mit einen Jahr Probezeit.“
Wichtig ist, dass man immer über sämtliche Impfungen verfügt. Zuhause stehen zwei gepackte Rucksäcke, um im Ernstfall innerhalb von sechs Stunden in Frankfurt am Flughafen zu sein“, erzählte Frank Luinenburg. Der Emmericher THW-Mann ist seit fünf Jahren in der so genannten SEEBA-Einheit. Voraussetzung ist eine Führungsposition beim THW und Englisch als Fremdsprache zu beherrschen. In Emmerich zählt mittlerweile auch Jonas Brüggemann dazu.

Bei Fukushima auf der Liste

Vor drei Jahren stand er bei der Reaktorkatastrophe in Fukushima bereits auf der Einsatzliste, konnte aber letztendlich nicht mit. Nun also stand Chile auf dem Reiseplan. Für Frank Luinenburg der erste Einsatz in Südamerika. Mit dem Flieger ging es nach Santiago de Chile, von dort mit dem Flugzeug weiter nach Androvagasta und schließlich mit dem Taxi ans Reiseziel. Gut 36 Stunden war er unterwegs, ehe er in über 2.500 Meter Höhe mitten in der Wüste die Arbeit in der ESO-Einrichtung aufnehmen konnte. „Jeden Tag haben wir acht bis zehn Mitarbeiter der Brigade geschult, und das mehrmals am Tag. Nach den ersten Grundübungen wurde unter anderem auch die Rettung eines ins Seil gestürzten und bewusstlosen Mitarbeiters geprobt. Zudem sollten die eigenen Leute ihre Kollegen abseilen.“
Natürlich zählte auch die Bergung verschütteter Personen dazu. Höhepunkt war die Evakuierung eines Basislagers mit 150 Personen. Darüber hinaus informierten die THW-Kräfte den deutschen Botschafter in Chile und seine Mitarbeiter über das Thema Erdbebenvorsorge. Alle zwei Jahre werden die Mitarbeiter geschult. Bereits im Januar 2010 prüften SEEBA-Kräfte erstmals die ESO-Einrichtungen auf Erdbebensicherheit und sprachen Empfehlungen zur Optimierung von Ausrüstung und Vorsorgeplänen aus.
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