Ist der Diesel am Ende? Rückgang bei Autohändlern

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Die Feinstaubbelastung ist in einigen Städten in Deutschland zu hoch. Jetzt drohen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. Foto: Privat
 
Rettungsfahrzeuge der Feuerwehr sind übrigens von Fahrverboten ausgeschlossen. Sie haben eine Sondergenehmigung. Foto: Jörg Terbrüggen

Erst der Abgasskandal der Autoindustrie, nun drohende Fahrverbote in deutschen Großstädten. Es vergeht kaum noch ein Tag, an dem nicht neue Horrormeldungen für Dieselfahrer in den Medien erscheinen. Doch was sagen eigentlich die Autohändler? Und darf die Feuerwehr demnächst überhaupt noch ausrücken? Wir fragten einmal bei den Betroffenen nach.

Benedikt Tiggelbeck ist Chef des gleichnamigen Opelhauses in Rees. "Die Kunden sind alle verunsichert, weil keiner weiß, was Sache ist, welche Plaketten kommen." Das spürt der Händler auch bei der Nachfrage nach Dieselfahrzeugen. "Die ist schon zurück gegangen, wobei Vielfahrer eigentlich nicht an einem Diesel vorbei kommen." In Sachen Gebrauchtfahrzeuge ist es noch schwieriger, heutzutage einen Diesel an den Mann zu bringen. "Mit dem Problem sind wir noch lange nicht fertig." Fakt ist jedenfalls: Dieselfahrzeuge werden in Rees nur noch nach Bedarf geordert.
Beim Mazda Händler Schröer in Isselburg ist die Nachfrage ebenfalls rückläufig, obwohl hier auch noch neue Diesel verkauft werden. Heinrich Schröer: "Ich weiß nicht, wo das noch hinführen soll. Früher haben wir bei bestimmten Modellen von fünf Fahrzeugen vier mit Diesel bestellt, heute ist das umgekehrt." Seiner Meinung nach müssen schnell klare Verhältnisse her. Dennoch glaubt er, dass der Diesel noch eine Zukunft hat. "Ihn wird es auch in den nächsten Jahren noch geben." Toyota denkt da schon ganz anders. Der japanische Autohersteller gab unlängst bekannt, dass er keine neuen Dieselfahrzeuge mehr produzieren will.
Das sieht man bei Audi sicherlich anders. "Privatkunden sind im Bereich Gebrauchtwagen total verunsichert, sie tendieren mittlerweile eher zum Benziner. Firmenkunden fahren auch weiterhin den Diesel. Für Vielfahrer gibt es ehrlich gesagt keine Alternative, denn in Sachen Elektrofahrzeuge ist das Tankstellennetz noch nicht genug ausgebaut." Allerdings bemerkte Uwe Helmich auch, dass es ja nicht nur die Dieselfahrzeuge seien, die den Feinstaub rausblasen. Dem kann Andre Messing von VW in Rees nur zustimmen. "Wieviel Feinstaub stellt denn die Schifffahrt her, die ganzen Kreuzfahrtschiffe sind doch Dreckschleudern hoch drei. Aber das ist ja Urlaub, ebenso wie die Flugzeuge."
Die Nachfrage sei momentan sehr gering, die Verunsicherung dagegen extrem hoch. "Die Hersteller wehren sich ja auch gegen die Nachrüstung. Da haben wir hier im Handel kein Verständnis für." Für das Lager werden in Rees keine Dieselfahrzeuge mehr geordert. "Der Privatkunde steigt auf Benziner um, die Geschäftskunden hingegen bleiben beim Diesel." Auch Andre Messink glaubt an die Zukunft des Dieselfahrzeugs. "Der CO2-Ausstoß ist ärmer als bei einem Benziner", so Messink.
Und wie sieht es eigentlich bei der Feuerwehr aus? Im Bestand sind nur Dieselfahrzeuge. Müssen die jetzt künftig in der Halle bleiben wenn es irgendwo brennt? "Ein klares nein", so Martin Bettray, Stadtbrandinspektor beim Löschzug Emmerich der Freiwilligen Feuerwehr. "Es handelt sich hier um Sonderfahrzeuge, die davon nicht betroffen sind. Es wäre ja auch fatal, wenn ein Fahrzeug, das zehn Jahre alt ist, nicht mehr zum Einsatz fahren dürfte. Wir fahren auch ohne Plaketten." Und was ist mit den Kollegen? Kommen die notfalls nicht mehr zur Wache, wenn ihr Fahrzeug nicht der Euro 6-Norm entspricht? Martin Bettray: "Das ist eine gute Frage. Die Kollegen müssten sich eine Ausnahmegenehmigung geben lassen."
Neue Fahrzeuge müssen übrigens alle die Euro 6-Norm einhalten. "Dadurch geht uns in den Fahrzeugen allerdings einiges an Platz verloren, wo wir nichts mehr mitnehmen können. Eigentlich müssten wir mit den Fahrzeugen auch sehr viel fahren, um die Euro 6 einhalten zu können. Das funktioniert aber auf unseren meist kurzen Strecken nicht. Das trifft uns dann gleich doppelt: der Platz fehlt und es wirkt nicht. Das ist für die Feuerwehr völlig blödsinnig." Wer viel fährt, fährt meistens einen Diesel. Alternativen gibt es kaum. Foto: Privat
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