Teil 5: Schluchten und Seen

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  Wir hatten ja schon befürchtet, die Schreibfeder für den letzten Bericht wieder in die gewohnten Hände abgeben zu müssen, doch nachdem uns so viel Fanpost erreicht hat, durften wir weiter machen. Hier ist er also: der letzte Reisebericht unserer diesjährigen Tour. Denn tatsächlich haben wir den Großteil der Tour bereits hinter uns gebracht und relaxen am schönen Bodensee. Doch fangen wir von vorne an:

Grand Canyon

Die Verdon-Schlucht war unser nächstes Ziel. Hier hat sich der Verdon ganz schmal durch senkrechte Felswände gegraben. Wir jonglierten oben entlang. Die Straßen wurden immer enger, oft kam nur ein Fahrzeug gleichzeitig durch. Wir machten uns mit unseren Seitenkoffern so schmal es ging und blickten neidisch auf die vielen Rafting-Boote, die sich im kühlen Nass austoben durften. Wir dagegen kamen ordentlich ins Schwitzen. Dann stoppten wir mit den Vorderrädern Richtung Lac der St. Croix, währenddessen in unserem Schatten ein leckeres Picknick mit super Ausblick stattfand.

Lila Pause

Einige Kilometer weiter durchströmte ein blumiger Duft unsere Luftfilter und wir sahen nur noch Lila und Gelb. Aha, wir waren in der Provence, wo sich Lavendel- und Sonnenblumenfelder abwechselten. Zwar ging es weiterhin rauf und runter, die Höhe bewegte sich aber maximal im dreistelligen Bereich und die Strassen ließen endlich mal wieder die höheren Gänge zu. Es wurde auch nicht mehr an jedem Passschild ein Fotostop eingelegt und so kamen wir gut voran. Am nächsten Tag fuhren wir dann über den Col de Larche nach Italien, hier über den Col de Lys und durch einige traditionelle italienische Bergdörfer. Motorräder begegneten uns nur selten. Wenn überhaupt, dann waren es meistens artverwandte Reiseenduros. Durchs Piemont und die Lombardei fuhren wir an diesem Tag bis zum Lago Maggiore. Der tolle Ausblick über den See ließ uns auf eine längere Erholungspause hoffen, denn wir waren schon ziemlich geschafft. Unser gewohntes Tagespensum von ca. 200 km war bei der Hitze eigentlich schon zu viel für uns. Durch die Hitze war der Asphalt teilweise so weich, dass sich unsere Seitenständer eingruben. Unsere Energiereserven waren schon seit Stunden aufgebraucht und wir hechelten einer Tankstelle entgegen. Unseren beiden oberen Hälften schien es nicht anders zu ergehen, denn ab hier bewegten wir uns allmählich nordwärts, in der Hoffnung auf etwas gemäßigtere Temperaturen.

Wetterschlag

Am San Bernardino-Pass kam es dann zu einer überraschenden und äußerst wirksamen Abkühlung. Während unten noch die Sonne flimmerte, zogen auf halber Höhe plötzlich dunkle Wochen auf und ließen nichts Gutes erahnen. Wir erschraken regelrecht, als mit lauten Plongs die ersten Hagelkörner auf unsere Verkleidung prasselten. Mit Mühe und Not erreichten wir die Passhöhe und fanden Unterschlupf, wo wir gemeinsam mit anderen gestrandeten, meist Fahrrädern und Wanderschuhen, den ersten Schauer abwarteten. Danach wurde es jedoch nicht besser. Es half nichts, wir mussten wieder runter. Die angestrebte Richtung war unpassierbar, also die 8 km wieder zurück. Die Schauer wurden immer heftiger, dicke Hagelkörner kamen runter. Blitz und Donner versetzten uns in Angst und Schrecken. Im Schleichtempo ging es die Kehren hinunter, das Wasser lief quer zur Fahrbahn, so dass unsere Reifen ihr Profil komplett ausnutzen mussten. Komplett durchnässt retteten wir uns ins Tal an eine Tankstelle. Dort warteten bereits einige Leidensgenossen, die gar nicht glauben konnten, dass bei diesem Wetter noch jemand auf dem Berg war. Doch wie sollte es weiter gehen? Das nächste Hotel befand sich zwar nur 11 km entfernt, dazwischen lagen aber 2000 unüberwindbare Höhenmeter. Wir hatten daher nichts dagegen, schneller gen Norden zu fahren. Wir verließen die Schweiz und ihre Toblerone-Kulisse, durchquerten Lichtenstein und fanden uns zu später Stunde in Überlingen am Bodensee wieder. Endlich geschafft. Hier parken wir direkt am See, beobachten Leute, ruhen uns aus und lassen die Erlebnisse der vergangenen zwei Wochen Revue passieren. Endlich Zeit, alles in Ruhe zu verarbeiten und zu relaxen. In ein paar Tagen werden wir uns allmählich wieder Richtung Heimat bewegen, wo wir uns auf ein Wiedersehen und gemeinsames Touren mit den Daheimgebliebenen freuen.
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