DJK macht es vor: Integration wird im Fußball gelebt

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Dirk Wenningkamp von der DJK Hüthum-Borghees kümmert sich um die Asylanten, die in Hüthum Fußball spielen. Foto: Jörg Terbrüggen
 

Der Fußball schreibt doch die schönsten Geschichten. Dabei geht es nicht immer nur um Tore, Punkte oder Meisterschaft. Manches Mal sind es eben auch die kleinen Dinge, die abseits des Platzes geschehen, die für mehr Aufmerksamkeit sorgen, als das vielumjubelte Tor gegen den Erzrivalen. In dieser nun folgenden Geschichte geht es um weit mehr, um Menschlichkeit, um Integration.

Der kleine Junge, der etwas verschüchtert in seinem Dortmund-Trikot vor der Umkleidekabine steht, ist eine der Hauptfiguren dieser Geschichte. 13 Jahre alt ist er und hat gerade seine Anmeldebescheinigung in der Hand. Er wird bald für die DJK Hüthum auflaufen. Ob im Tor oder auf dem Feld, das weiß Trainer Dirk Wenningkamp noch nicht.
„Er ist erst seit drei Wochen beim Training und macht auf beiden Positionen eine gute Figur.“ Kein Wunder, eifert er doch seinen großen Vorbildern von Real Madrid Iker Casillas und Cristiano Ronaldo nach. Mohammad ist sein Name und er kommt aus Afghanistan. Seit vier Monaten erst lebt er in Deutschland, weit weg von seiner Heimat. Doch hier auf dem Dorf fühlt er sich wohl, hat Spaß am Fußball und auch schon Freunde im Verein gefunden.

In die DJK-Familie aufgenommen

Mohammad ist nicht der einzige Kicker, der seine Heimat verlassen hat. Idemudia und Imiefo kommen aus Nigeria, sind erst seit ein paar Monaten in Deutschland. Im blauen Trikot mit Hose und Stutzen fallen sie gar nicht so sehr auf, dennoch sind beide Asylanten. Der eine ist schon 32, lebt mit seiner Familie in Deutschland, der andere ist gerade einmal 20. Beide fühlen sich recht wohl bei der DJK, verständigt wird sich auf Englisch. Und das klappt recht gut. Der Fußball führt sie hier alle zusammen, egal woher sie stammen. Die DJK-Familie hat sie aufgenommen, herzlich und ohne Bedenken. Hans Gerd von Ophuysen brachte den Stein ins Rollen. Kannte er doch in seiner Nachbarschaft ein paar Asylbewerber, die gerne Fußball spielen wollten. „Da hat er sie mit in den Verein gebracht“, erinnert sich Wenningkamp.

Fußball verbindet

Aus dem einmaligen Erlebnis wurde schnell mehr, denn Fußball verbindet eben. Später kamen noch weitere hinzu. Mittlerweile sind sieben von ihnen bereits Mitglied im Verein. „Es wäre doch schade, wenn sie bei uns nicht spielen dürften, nur weil sie keinen Job haben“, so der Trainer. Kurzerhand gab es den Beschluss, die Asylbewerber kostenlos mitkicken zu lassen. Trikot, Hose und Stutzen stellte der Verein. „Anfangs haben einige noch in Jeans mitgespielt.“ Der Spaß steht hier an vorderster Stelle, obwohl der ein oder andere in seinem Heimatland bereits der runden Lederkugel im Verein oder auf der Straße hinterher jagte. „Ich finde das wichtig, dass sie hier bei uns spielen dürfen. Sie gehören einfach dazu“, sagt Dirk Wenningkamp. Und so stehen sie an diesem Donnerstagabend auf dem Platz, die Ghebres und Meharis, die Idemudias und Imiefos.
Es ist egal, ob sie aus Nigeria oder Eritrea kommen. Und es ist egal, ob sie Asyl suchend sind oder nicht. Der Spaß am Fußball lässt sie hier Woche für Woche zusammen kommen. Und dass der Ball ins Eckige muss, das versteht schließlich jeder. Hier wird Integration gelebt, während anderswo Brandanschläge auf Asylbewerber-Unterkünfte verübt werden.
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Luca-Udo Kersjes aus Emmerich am Rhein | 10.04.2015 | 17:30  
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