„Nun siegt ´mal schön ...“ Bürgermeisterkandidatinnen stellten sich auf zweiter Podiumsdiskussion den Fragen der Bürger

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  Ennepetal: Industriemuseum |

Im September wird in Ennepetal gewählt und für die nächsten fünf Jahre ein neues Stadtoberhaupt ernannt. Zwei Kandidatinnen sind bisher bekannt und stellen sich in mehreren Etappen den Fragen interessierter Bürger.



Von Monika Schwarz

Eingeleitet wurde dieser interessante Abend von Professor Döpp, dem Verantwortlichen und engagierten Streiter für das Industriemuseum, in dessem oberen Stockwerk diese Podiumsdiskussion stattfand. Nach einer kurzen Einführung über diesen Veranstaltungsort wünschte er beiden Kandidatinnen für ihr Vorhaben viel Glück und endete mit einem leicht abgewandelten Zitat von Theodor Heuss mit: “Liebe Kandidatinnen, nun siegt ´mal schön!“

Anschließend sprach der 1. Vorsitzende des Heimatvereines - Theo Bicking - seine Begrüßungsworte und übergab die Veranstaltung an den bekannten Ennepetaler Gastronom und TV-Moderator Marc Schulte.

Beide Kandidatinnen erhielten zunächst die Gelegenheit, sich in einer jeweils fünfminütigen Rede dem Publikum vorzustellen. Sie verkündeten darin vor allem ihre persönlichen Gründe der Kandidatur und zeigten dem Publikum erste Visionen über IHR Ennepetal auf, bevor es sofort danach in die Diskussion gehen sollte, in der die Damen Fragen beantworteten, die zum einen die Bürger im Vorfeld über das Internet an den Heimatverein gesendet hatten, zum anderen auch von den Anwesenden gestellt wurden.

Anita Schöneberg

Das Eingangs-Statement von Anita Schöneberg zeigte, dass Sie sich weiterhin (wie schon all die Jahre vorher) für die Wünsche und Bedürfnisse der Ennepetaler Bürger einsetzen möchte. Eine menschengerechte und lebenswerte Stadt war ihr besonders wichtig. Obwohl sie schon jahrelange Erfahrung in und mit der Verwaltung der Stadt vorweisen kann, möchte sie diese insgesamt besser für die Bürger einsetzen. Zum Beispiel auch, indem sie neue Finanzierungswege durch interessante Länder-, Bund- und EU-Gelder nutzen möchte, die sie gerade zurzeit durch ihren Besuch bei der Europäischen Kommission in Brüssel kennen gelernt hatte. Klein- und mittelständische Unternehmen in unserem Raum könnten ebenfalls von überregionalen Programmen profitieren. Von der Kita bis zur Berufsausbildung (und darüber hinaus) soll Ennepetal für seine Bürger ein lebenswerter Raum sein und bleiben, so dass man auch später immer wieder gerne in seine Heimatstadt zurück kehren möchte. Als Bankkauffrau weiß sie, wie man mit Geld umgehen muss, so dass sie keine Angst vor großen Zahlen hat - auch nicht, wenn es darum geht die Verschuldung der Stadt in Angriff zu nehmen. Ihre Leidenschaft heißt Ennepetal und dessen Bürger. Das möchte sie als zukünftige Bürgermeisterin Ihnen zeigen.

Imke Heymann

Imke Heymann stellte sich selbst als junge, dynamische Frau vom Verwaltungsfach vor, die - im Gegensatz zu Frau Schöneberg - die Leitung der Stadt anstrebe. Sie ist bei Galeria Kaufhof für die Personal-Entwicklung verantwortlich und hat eine direkte Führungsverantwortung für etwa 150 Menschen. Seit drei Jahren lebt Frau Heymann in Ennepetal, ist mit dem CDU-Vorsitzenden Daniel Heymann verheiratet - und meint, dass es gut tun würde, wenn man auch 'mal von außen auf diese Stadt schauen würde. Der Bürgermeister habe nun mal als Hauptaufgabe die Verwaltung zu leiten - außerdem als Bindeglied zwischen Rat, Politik und den Bürgern zu fungieren. Auf diese Arbeit lege Frau Heymann großen Wert. Sie möchte, dass mehr auf Bürgerwünsche eingegangen wird, Ideen besser berücksichtigt und Brücken geschlagen werden. Sie wäre dadurch, dass sie eben "neu" in Ennepetal ist, in keinen Netzwerken verstrickt, und könne dadurch viel freier arbeiten. Sie möchte sich engagieren - und dafür würde sie auch gerne den bisher sicheren Job aufgeben. Viele Dinge könnten verändert werden. Das müsse kontrolliert und gegebenenfalls auch angegangen werden. Sie wäre bereit dazu.

Die Fragestunde

Danach ging es sofort in die Diskussion, in der von von den beiden Kandidatinnen Fragen aus dem Publikum sowie durch das soziale Netzwerk "Facebook" oder per Website des Heimatvereines gestellte Fragen beantwortet wurden.
Die Themen, die sodann durch die Fragen der Besucher und Internetnutzer angesprochen wurden, waren nicht neu: Flächennutzungsplan, Haus Ennepetal, Fußgängerzone, Hundespielwiese, Industriebrache, Stärkung der Ortsteile, Verschuldung - und natürlich ihre jeweiligen Visionen, wie Ennepetal in zehn Jahren aussehen könnte.

Nachdem Imke Heymann sich für eine Überprüfung des Flächennutzungsplans aussprach, sagte Anita Schöneberg ganz energisch, dass dieser Plan nun schon lange beschlossen ist - und für alle Beteiligten die Sicherheit da sein müsse, dass er auch fix sei. Schließlich müssen sich die Betroffenen sicher sein, wie es in den nächsten Jahren (und der Flächennutzungsplan sei für zwanzig Jahre ausgelegt) planungstechnisch weiter geht.

Prickelnd wurde es, nachdem Herr Haas von der FDP Anita Schöneberg direkt fragte, wie sie denn regieren würde, wenn doch alle anderen Parteien Imke Heymann unterstützten.
Ihre Antwort: „Wenn Ennepetal Eines nicht gebrauchen kann, dann ist es eine Blockade-Politik durch parteipolitische Querelen. Da Sie immer behaupten, das Beste für Ennepetal zu wollen, gehe ich davon aus, dass wir auch in Zukunft zum Wohle Ennepetals zusammen arbeiten werden. Egal, ob ich jetzt Bürgermeisterin werde - oder nicht. Es kann nicht angehen, dass die Stadt Ennepetal und ihre Bürger darunter leiden sollen, wenn Sie nicht unterscheiden können, was wichtiger ist - Ihre Partei oder die Zukunft Ennepetals. Blockade-Politik werden wir nicht zulassen.“

Zum Thema "Haus Ennepetal" kam die strikte Aussage von Kandidatin Heymann, dass man wirklich darüber nachdenken müsse, das Haus Ennepetal abzureißen. Das Gebäude. Die Einrichtungen und Angebote darin wären davon nicht betroffen (kurzes Nachdenken von mir: "Wie kann ein Gebäude abgerissen werden, ohne die betroffenen Einrichtungen womöglich über Jahre woanders unterzubringen?"). Diese ziemlich hart klingende Äußerung verschreckte daher auch einige Anwesende, zum Beispiel eine Zuhörerin von der AWO.
Anita Schöneberg versicherte - wie schon im Haus Ennepetal auf der Handwerksmesse -, dass auch dieses Gebäude nicht in Frage stehe. 2012 wurden zwar über 600.000 Euro hineingesteckt, ein Jahr später aber "nur" noch ca. 350.000 Euro. Die Erneuerung einer speziellen Beschichtung für die für Regen und Grünbelag anfälligen Bauteile sei schon getestet worden und könnte relativ schnell realisiert werden. Keine Stadt im Umkreis habe so ein zentrales Gebäude, wo sich so viele Gruppen (Mehrgenerationenhaus, Theater, Jugendzentrum, Messen und Ausstellungen) zusammen finden können. Dies sei ein viel zu gutes Alleinstellungsmerkmal im Südkreis, als dass man es einfach vernichten dürfe. Trotz alledem wäre es ihr ein Anliegen, noch viele weitere Veranstaltungen (zum Beispiel die, die zur Zeit im Gymnasium stattfinden) ins Haus Ennepetal zu bringen. Gespräche mit der Kulturgemeinde Ennepetal wären darüber schon gelaufen und auch weiterhin in Vorbereitung.

Die Idee einer Hundespielwiese wurde von beiden begrüßt, doch konnte von Frau Schöneberg darauf hingewiesen werden, dass im Rathaus darüber schon gesprochen wurde - und man sich vor nicht langer Zeit einig war, dass - wenn sich jemand fände, der so eine Hundespielwiese betreuen möchte - dieser sogar mit einigem Zuschuss aus der Stadtkasse rechnen könne. Es muss sich nur jemand melden und ein schlüssiges Konzept bringen.

Die Industriebrache zwischen Pennymarkt und Industriemuseum wurde von beiden nicht übermäßig registriert. Während Imke Heymann darauf hinwies, dass dies ja Privatgrund sei und viele Gespräche notwendig wären, meinte Anita Schöneberg, dass es insgesamt zwar eine gute Idee wäre, sie aber zu den "Visionen" gezählt werden müsse, weil zunächst Wichtigeres anstehe.
Kleines Schmankerl danach: Professor Döpp stellte ebenfalls sein Interesse an einem vernünftigen Platz hinter dem Industriemuseum in den Raum. Die Idee sei so gut, dass sie auf jedem Fall kurzfristig angegangen werden sollte - auch um das Industriemuseum in besserer Umgebung zeigen zu können, aber vor allen Dingen, weil die Ennepe der wichtigste Fluss in unserer Region wäre und dementsprechend unbedingt häufiger und besser den Bürgern zugänglich gemacht werden müsse.

Zum Thema "Ennepetal und Sie selbst in zehn Jahren" sagten zunächst beide, dass sie vor allen Dingen die Weiterentwicklung Ennepetals in den Vordergrund stellen wollen.
Anita Schöneberg betonte nochmals, dass es wichtig sei, Netzwerke zu bilden bzw. zu nutzen - auch um zum Beispiel "neue" Gelder von übergeordneten Stellen zu erhalten. Als "alte Ennepetalerin" sei das für sie schon dadurch einfacher, weil sie mit der Stadt und mit deren Menschen aufgewachsen sei. Als Mitarbeiterin der SIHK setze sie in allererster Linie auf einen „deutlichen Dialog“ mit den Unternehmen, um die Gewerbesteuer als wichtigste Einnahmequelle der Stadt und die Arbeitsplätze der Ennepetaler zu sichern.
Imke Heymann möchte in zehn Jahren sagen können, "Du hast es geschafft. Du hast es geschafft, Ennepetal nach vorne zu bringen und der Stadt einen guten Namen in der Region zu geben." Dafür möchte sie gerne Bürgermeisterin werden und freue sich auf die neue Aufgabe.

Zum Schluss bedankten sich Marc Schulte und der 1. Vorsitzende des Heimatvereines Theo Bicking für die aufschlussreiche Podiumsdiskussion und übergab den beiden Damen jeweils einen Strauß Blumen - und Marc Schulte ein Buch über Fachwerkhäuser in Ennepetal.

Fazit

Leider waren noch immer viel zu wenig Leute interessiert. Ungefähr 120 Bürger harrten in der zugegeben etwas kühleren Halle aus bis zuletzt, um auch wirklich Neues zu erfahren. Das konnte man vor allen Dingen, wenn man "zwischen den Zeilen las", manche Mimik und Gestik deuten konnte und manch kleinen Lapsus aufnahm oder eben nicht sehen wollte. Die Ennepetaler Bürger entscheiden. Es wäre schöner, wenn man wüsste, dass sie auch darüber nachdenken - und vor allen Dingen über die Auswirkungen, wenn sie NICHT zur Wahl gingen. Wer sich selbst Ennepetaler "schimpft", sollte sich so langsam ein Bild über die Kandidaten machen und den Termin der Wahl im Kalender rot anstreichen. Die Bürgermeisterwahl ist wichtig !!

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Übrigens:
Wenn sich noch Jemand dazu berufen fühlt sich in Ennepetal als weiteren Kandidaten aufstellen zu lassen, der kann die dazu gehörenden Richtlinien über diese Verlinkung aufrufen. Zeit bis zur Aufstellung haben Sie bis zum 27. Juli 2015, 18.00 Uhr (Ausschlussfrist).

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1 Kommentar
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Michael Güttler aus Sprockhövel-Haßlinghausen | 23.12.2015 | 20:24  
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