Phantomdebatte Fachkräftemangel

Das Thema Fachkräftemangel ist umstritten. Die Unternehmen hätten selbst Schuld, sagen die einen. Andere bestreiten, dass es das Problem überhaupt gibt.
In 15 Jahren wird es 6,5 Millionen Erwerbstätige weniger in Deutschland geben, lautet eine Prognose, auf die sich die Bundesregierung beruft. Doch die Experten sind sich noch uneins darüber, ob das Problem des Fachkräftemangels überhaupt besteht. Allein im EN-Kreis erwartet man angeblich 4000 offene Stellen, die es gilt mit Fachkräften neu zu besetzen.

Die Wirtschaft brummt und die Bundesagentur für Arbeit meldet einen Beschäftigtenrekord nach dem anderen. Doch die Generation der 14- bis 34-Jährigen spürt davon immer weniger. Auch im Jahr 2012 geht der Aufschwung an ihnen vorbei. Jeder dritte von ihnen arbeitet zurzeit in einem unsicheren Beschäftigungsverhältnis (gößtenteils befristet oder über Leiharbeit). Die IG Metall hat zum dritten Mal hintereinander junge Menschen nach ihrer beruflichen Lage, ihren Erwartungen und Hoffnung befragt. Die Ergebnisse dieser Befragung sind ernüchternd. Auch zwei Jahre nach der schlimmsten Wirtschaftskrise hat sich die Situation für die unter 35-Jährigen weiter verschlechtert. Fast ein Drittel der jungen Menschen arbeitet zurzeit in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. Im Vergleich zum Krisenjahr nahm der Anteil dieser unsicheren Jobs in dieser Altersgruppe sogar noch einmal um vier Prozentpunkte zu. In der Gruppe der über 35-Jährigen sinkt der Anteil der prekär Beschäftigten.


Nicht nur Leiharbeit und Befristungen haben in der Gruppe der Jungen Generation zugenommen. Die große Mehrheit junger Menschen empfindet diese Lage auch als psychisch belastend. Und: Sie empfinden die Gesellschaft als immer weniger sozial gerecht, ihr Einkommen als nicht ausreichend und ihre Arbeitsbedingungen als belastend. Für Detlef Wetzel, den Zweiten Vorsitzenden der IG Metall, zeigen die Ergebnisse, dass die junge Generation benachteiligt wird. Er stellte am 5. Juli 2012 in Berlin fest: "Wer jetzt immer noch keinen Handlungsbedarf sieht, ist auf dem Holzweg." Für Wetzel ist auch die Diskussion um den Fachkräftemangel wie eine Debatte um potemkimsche Dörfer. Statt den Fachkräftemangel zu beklagen und junge Menschen mit Leiharbeit, Befristungen oder sogar Praktikas hinzuhalten, sollten Unternehmen ihre Fähigkeiten nutzen und ihnen einen sicheren Arbeitsplatz geben. Denn tatsächlich arbeiten etwa 23 Prozent aller Erwerbstätigen im Niederiglohnsektor, viele von ihnen sind jünger als 35 Jahre und sie haben größtenteils eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen Hochschulabschluss. Viele dieser jungen Menschen sind hoch motiviert. Wenn die Politik nicht bald einschreitet, wird ein Großteil dieser Generation abgehängt. Das gefährdet auch die soziale Sicherheit der Gesellschaft. Und es könnte unsere sozialen Sicherungssystemen schneller ruinieren als der demografische Wandel, warnt Wetzel.

Wetzel sieht die Ergebnisse als eine Bestätigung der Arbeit der IG Metall. Die IG Metall kümmert sich seit langem um die Probleme der jungen Generation. Mit dem Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie hat sie bereits einiges erreicht. Die unbefristete Übernahme, Mitsprache bei Leiharbeit und mehr Geld für Leihbeschäftigte. Mit ihrer Kampagne "Arbeit sicher und fair" geht sie weiter in diese Richtung. Dabei geht es um neue Regeln auf dem Arbeitsmarkt, die es Menschen ermöglichen eine Arbeit zu finden, die ihrer Qualifikation entspricht, von der sie leben können und die ihnen eine Zukunft bietet.
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5 Kommentare zum Beitrag
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Karl-Heinz Stimper aus Essen-West am 09.07.2012 um 17:15 Uhr  
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Siegfried Räbiger aus Oberhausen am 09.07.2012 um 18:19 Uhr  
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Heinz Kraft aus Ennepetal am 26.07.2012 um 20:18 Uhr  
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Daniel Gräfe aus Ennepetal am 26.07.2012 um 20:28 Uhr  
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Daniel Gräfe aus Ennepetal am 30.07.2012 um 17:48 Uhr  
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