Batz, Bauhaus, Borbeck: Am Sonntag Führung durch die Alte Cuesterey

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Eleonore Drese hat schon im April damit begonnen, die Organisation der Ausstellung organisatorisch zu planen. Eine logistische Meisterleistung. Fotos (2): Brändlein
 
Sigrid Engels und Heribert Kröll sind auf Aufsichten in der Alten Cuesterey mit dabei, machen es wie die anderen Helfer überhaupt erst möglich, dass die sechswöchige Präsentation in Borbeck gezeigt werden kann.

Der Künstler Paul Klee begleitet mich schon seit meiner Jugend – nicht persönlich natürlich, sondern in Form seiner brillanten Arbeiten. Und diese auch leider nicht im Original, sondern als Kunstdrucke, deren klare Farb- und Formensprache mich noch heute begeistert. Mit entsprechenden Erwartungen mache ich mich auf den Weg in die Alte Cuesterey in Borbeck. Dort läuft seit knapp vier Wochen die Ausstellung "Eugen Batz - Aquarelle, Fotografien, Gemälde". Und genau die möchte ich mir heute ansehen.

Eine Auswahl von rund 60 Arbeiten aus dem Gesamtwerk, das sich im Besitz der Sparda Bank West befindet Gesamtwerks (wir berichteten), hat für sechs Wochen einen würdigen Rahmen in der Alten Cuesterey gefunden. Der Velberter Künstler Eugen Batz begann 1929 sein Studium am Bauhaus Dessau, wo auch die Fotografie eine wichtige Rolle spielte, er besuchte Formen- und Farbenlehreklassen bei Paul Klee und Wassily Kandinsky, bevor er 1931 seinem Lehrer nach Düsseldorf folgte und Meisterschüler von Paul Klee an der Düsseldorfer Kunstakademie wurde.

Logistische Herausforderung

Beim Betreten des Kulturzentrums werde ich herzlich von den beiden „Aufsichten“ begrüßt und merke schon im unteren Ausstellungsraum, dass sich die ausgewählten Bilder in der speziellen Atmosphäre der Cuesterey wohlfühlen.
Eleonore Drese, die gute Seele des Kultur-Historischen-Vereins, hat schon im April damit angefangen, die Aufsichten für die ausnahmsweise über sechs Wochen laufende Ausstellung zu organisieren. Eine logistische Herausforderung, die nur durch das Engagement zahlreicher Mitglieder des KHV gestemmt werden konnte, unter ihnen auch Sigrid Engels und Heribert Kröll, die beide schon mehrere Male dafür sorgten, dass interessierte Besucher das außergewöhnliche Werk des Künstlers bestaunen konnten.
Aquarelle machen zahlenmäßig den umfangreichsten Teil des Gesamtwerkes von Eugen Batz aus und circa 30 davon hat Kuratorin Katja Stolarow für die aktuelle Ausstellung ausgesucht.

Etwas länger verweilen

Reisen in ferne Länder dienten Batz als Inspirationsquelle für seine Arbeiten. Bei der Serie der geometrischen Stadtansichten wird man deutlich an Batz' Lehrer Paul Klee erinnert. Die klare Formgestaltung des Bauhauses hat ihren Eindruck hinterlassen. Die von südlichen Landschaften inspirierten Aquarelle zeigen aber auch halbabstrakte und figürliche Motive, in denen die freie Linie dominiert.
In der oberen Etage wird mir dann erst bewusst, wie vielseitig und experimentell Batz gearbeitet hat. Die Aquarelle auf Zeitungspapier schlagen mich in ihren Bann. Überschriften und grafische Aufteilung inspirierten ihn sowohl formal als auch inhaltlich zum Bildthema. Die durchscheinenden Satzfragmente nehmen Bezug zum politischen Tagesgeschehen und verbinden sich mit den Motiven zu einer deutlichen Aussage.
Ganz anders die intuitiv entstandenen, informellen Kompositionen, in denen Raum, Linie und Fläche gleichwertig behandelt werden. Batz selbst sagt: „Ich male ungegenständlich und gegenständlich, aber wie ein Bild entsteht und warum, weiß ich nicht. Vollkommen spontan beginne ich es, und im Endeffekt kommen ganz andere Dinge dabei heraus, als die, die ich anfangs noch erwartet habe.“
Ein Ölgemälde auf Leinwand zieht meine Blicke besonders auf sich. "Mit scharfem Grün" ist der Titel der informellen Komposition von 1958. Die fast monochrome Arbeit leuchtet aus ihrem dunklen Rahmen in unterschiedlichen Grüntönen, beim Betrachten strahlt sie aber eine Ruhe aus, die mich dazu bringt, etwas länger vor ihr zu verweilen.
Die Experimentierfreudigkeit des 1986 verstorbenen Künstlers zeigt sich auch in den Schwarz-Weiß-Fotografien. Als Fotograf am Bauhaus in Dessau ausgebildet, interessierten ihn von Anfang an Strukturen. Das wird auf dem 1930 entstandenen Foto "Experiment mit Stahlblech" deutlich. Mit den Motiven, die Batz auf zahlreichen Reisen sammelt, wie zum Beispiel das 1972 entstandene "Fischer aus Ischia Ponte", kann er ab den 1960er-Jahren der subjektiven Fotografie zugerechnet werden.

Erwartungen nicht enttäuscht?

Erwartungen haben ja manchmal die unangenehme Eigenschaft, enttäuscht zu werden – davon sind meine aber meilenweit entfernt. Eugen Batz hat während seiner Schaffenszeit seinen ganz eigenen, unverkennbaren Stil entwickelt und sein Wechseln zwischen Bauhaus und Informell, zwischen Abstraktion und Figuration zeigt mir auf beeindruckende Weise seine Liebe für die Kunst.

Führung

Die Eugen Batz-Ausstellung in der Alten Cuesterey, am Weidkamp 10, in Borbeck läuft noch bis 30. Oktober. Eine Führung durch die Ausstellung findet am kommenden Sonntag, 23. Oktober, 15 Uhr statt. Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag jeweils von 15 bis 18 Uhr.

Text: Doris Brändlein
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