Candyshop mit großem Spaßfaktor - Behinderte Künstler zeigen Arbeiten in der Alten Cuesterey in Borbeck

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Vernissage der Candyshop-Ausstellung in der Alten Cuesterey: vorne v.l.: Annette Grosch, Alexandra Bauer; hinten v.l.: Katrin Schlagner, Frank Wudzinski und Christian Gringel freuen sich über das Interesse an ihren Arbeiten. (Foto: Debus-Gohl)
 
Frank präsentiert eine seine Arbeiten, die zu Gemeinschaftswerken werden, indem sie von anderen Künstler nach coloriert werden. (Foto: Debus-Gohl)

Große Freude, Lachen, Fröhlichkeit, Stolz und Erstaunen – Emotionen, die bei der Eröffnung einer Kunstausstellung eher seltener anzutreffen sind. Nicht so am vergangenen Samstag in der Alten Cuesterey. Den Künstlerinnen und Künstlern, verantwortlich für knapp 30 ausgestellte Arbeiten, war die Freude und Aufregung über die Präsentation ihrer Werke deutlich anzumerken.

Auch Hausherr Jürgen Becker, 1. Vorsitzender des Kultur-Historischen- Vereins Borbeck, ist sichtlich beeindruckt von der Qualität der Arbeiten. „Es ist unglaublich, welche Schönheit viele der gezeigten Exponate ausstrahlen“, bemerkt er in seiner Begrüßungsrede. Seit 2001 gibt es die Kunstwerkstatt im Diakoniewerk Essen. Ihr Ziel war immer, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen mit Behinderung sich frei von Leistungsansprüchen und Förderzielen künstlerisch ausdrücken können.
Anabel Jujol, freischaffende Künstlerin und seit drei Jahren Leiterin der Kunstwerkstatt, ist als Kunstmotor für fünf Einrichtungen der Behindertenhilfe zuständig. „Dies ist kein therapeutisch-pädagogisches Angebot“, erklärt sie, „sondern ein Angebot, Kunst zu machen, sich auszudrücken, Spaß zu haben, mit Farben und Formen zu experimentieren, wobei einige Teilnehmer eine ganz eigene Form- und Farbensprache entwickeln.“
So auch Frank, der sein Repertoire gefunden hat. Seine Lieblingsthemen sind Straßenbahnen und Rolltreppen, die er auf Leinwand vorzeichnet. Zur Vollendung des Werkes kommt es dann durch eine Besonderheit, die sonst in der Kunstszene eher unüblich ist: Künstlerkollegen kolorieren seine Arbeit. So entstehen oft vielschichtige Gemeinschaftsarbeiten, die für sich sprechen.
Monika Hoppen, Besucherin der Ausstellung, ist immer wieder über die Ergebnisse des wöchentlichen Angebotes der Kunstwerkstatt überrascht. „Ich habe selbst zwei kleine Werke zu Hause, habe manche der Bilder entstehen sehen. Den Kontakt nach draußen und die Wertschätzung, die den Künstlern bei einer Ausstellung entgegengebracht wird, finde ich wichtig und sehr schön“, freut sie sich.
Was beim Betrachten der teils groß-, teils kleinformatigen, farbenfrohen oder monochromen Arbeiten aus den Gebieten Malerei, Fotografie, Zeichnung, Collage und Objekt sehr schnell deutlich wird, ist, dass das Bedürfnis sich künstlerisch auszudrücken, jedem Menschen innewohnt – egal ob er eine Behinderung hat oder nicht.

RAHMENPROGRAMM UND TERMINE:
 Sonntag, 14. Mai 2017 und 21. Mai 2017, 16 Uhr: Vortrag: Kunst und Inklusion im "Candyshop". Anabel Jujol, Künstlerin und Leiterin gibt einen Einblick in Konzept und Arbeitsprozesse mit Erfahrungen und Geschichten aus der Kunstwerkstatt
 Mittwoch, 17. Mai 2017, 18 bis 20 Uhr und Samstag, 27. Mai 2017, 16 bis 18 Uhr: Workshop mit Anabel Jujol und Künstlerinnen und Künstlern der Kunstwerkstatt. Freies Malen und Collagieren mit Acryl auf Papier und Leinwand. Schwerpunkt Kooperation und Gemeinschaftsarbeiten. Anmeldung erwünscht: anabeljujol@gmx.de
 Freitag, 26. Mai 2017, 17 Uhr: Lesung "Schön schräg" mit dem Essener Schauspieler Markus Rührer. Verrückte, skurrile und nachdenkliche Geschichten, Gedichte und Anekdoten rund um die Kunst
 Der Eintritt ist frei

Text: Doris Brändlein; Fotos: Renate Debus-Gohl
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