Foto oder Gemälde? Dieter Weber beweist Mut zur Verfremdung

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Es handelt sich um eine Pflanze, soviel steht fest. Doch auf den ersten Blick haben die auf Leinwand gezogenen Arbeiten Dieter Webers mit ihrer stilisierten Blütenpracht nur auf den zweiten Blick etwas mit Fotografie zu tun. (Foto: privat)
 
Volles Haus bei der Ausstellungseröffnung im Café Click. Bis zum 15. Dezember bleiben Webers Arbeiten in den Räumen an der Beethovenstraße am Isenbergplatz zu sehen. (Foto: privat)

Dass man im Alter seine Neugier verliert, den Mut fest getretene Pfade zu verlassen und Neues zu probieren, das ist ein Vorurteil. Und zwar eines, das so gar nicht der Realität entspricht. Bestes Beispiel: Dieter Weber.

Der 76-Jährige Borbecker ist Hobbyfotograf aus Leidenschaft. Er war aktiv bei den Borbecker Fotofreunden, hat 2004 die Gruppe fotogen gegründet, die sich regelmäßig alle 14 Tage in der Alten Cuesterey in Borbeck trifft. Zum Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten und zum Brainstorming, zur Entwicklung kreativer Ausstellungsideen und Projekte.

Seit 1975 ist Fotografie seine Leidenschaft


Dieter Weber ist ein Fotograf der alten Schule, einer der zu analogen Zeit stundenlang auf Motivsuche unterwegs war und anschließend noch einmal mindestens genauso lange im Labor über seinen Negativen und Abzügen getüftelt hat. Seit 1975 ist die Fotografie für den Borbecker mehr als ein Hobby.
Aber Weber wäre nicht Weber, wenn er sich nicht immer wieder auch neuen Techniken zuwenden würde. Auf den digitalen Zug ist er früh mit aufgesprungen. Und auch die Möglichkeiten, die die moderne Bildbearbeitung bietet, sieht er eher als Segen denn als Fluch. "Wir können die Grenzen der Fotografie weiter ziehen. Ich habe keine Lust mehr auf all die Dinge, die wir schon immer gemacht haben. Ob Mikro- oder Makrofotografie - eine Libelle bleibt eine Libelle."

"Sein Handwerk muss man verstehen"


Technisch muss man sein Handwerk verstehen, darüber möchte der 76-Jährige nicht diskutieren. Egal, ob Profi oder Hobbyfotograf. "Aber es macht doch Spaß, das Eingefahrene einmal hinter sich zu lassen, das künstlerische an einem Foto in den Mittelpunkt zu stellen und nicht allein seine technische Qualität."
Eine verblühte Hortensie im Hof seines Hauses hat ihn auf die Spur gebracht. "Von der eigentlichen Blüte war gar nicht mehr viel übrig. Nur so ein fragiles Gebilde, durchsichtig und hauchzart", erinnert sich Weber. Das Objekt der Begierde wurde vom Strauch geschnitten und kunstvoll in Szene gesetzt. "Ich habe mir aus drei Millimeter starken Platten ein Ministudio gebaut, mit Lassoband zusammengeklebt bot es mir die Möglichkeit, die Blüte völlig schattenfrei zu fotografieren."

Ausstellung im "Café Click"


Die Hortensienblüte, beziehungsweise das, was Dieter Weber aus dem Ursprungsfoto mit Hilfe verschiedener Bearbeitungsschritte am Computer gemacht hat, ist Teil einer Ausstellung mit dem Titel "unNatürlich". Noch bis zum 15. Dezember sind die 15 großformatigen und drei kleinen Arbeiten im Café Click an der Beethovenstraße 1 im Südviertel zu sehen. Die künstlerisch verfremdeten Naturfotografien sind echte Hingucker. Nicht nur aufgrund der gezeigten Motive. Auch die Hängung der auf Leinwand gezogenen Großdrucke - frei schwebend unter der Decke des Wintergartens - trägt maßgeblich dazu bei.
Nach Ende der Ausstellung im Café Click zieht die Ausstellung weiter: ins Café Kötter an der Rüttenscheider Straße.
Es handelt sich um eine Pflanze, soviel steht fest. Doch auf den ersten Blick haben die auf Leinwand gezogenen Arbeiten Dieter Webers mit ihrer stilisierten Blütenpracht nur auf den zweiten Blick etwas mit Fotografie zu tun.
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1 Kommentar
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Anastasia-Ana Tell aus Essen-Ruhr | 29.10.2016 | 23:08  
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