Mit leichtem Gepäck (2): Peking (Běijīng) - Chinas Metropole zwischen Mao und McDonalds

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Der Tian’anmen - Platz des himmlischen Friedens - in Peking ist mit 440.000 Quadratmetern der größte Platz der Welt und fasst bis zu eine Million Menschen. 1989 wurde er zur blutigen Kulisse, als die Regierung die chinesische Demokratiebewegung zerschmetterte. Fotos: Peter Dettmer
 
Straßenkinder sammeln in aufgeschnittenen Blechkanistern leere Plastikflaschen, die von den Touristen achtlos weggeworfen wurden. Trotz der Boom-Jahre der chinesischen Wirtschaft, lebt noch immer ein großer Teil der Bevölkerung in bitterer Armut.
Peking: Běijīng |

2008 fanden in Peking die Olympischen Sommerspiele statt, 2022 sollen die Winterspiele folgen und anlässlich derartiger Großereignisse präsentiert die chinesische Staatsführung ihre Hauptstadt gerne als weltoffene Metropole. Statt der Monumente von Mao prägen die Markenzeichen von McDonalds und Coca Cola das Stadtbild. Neue Autobahnen entstehen ebenso schnell, wie Paläste aus Glas und Beton aus dem Boden schießen, die in ihren Dimensionen keinen internationalen Vergleich scheuen müssen. Doch der frische Glanz von 'New Běijīng' kann nicht verdecken, dass der Alltag großer Teile der Bevölkerung nach wie vor von bitterer Armut geprägt ist.

Aus Chinas Hauptstadt werden die Armen verdrängt

"Reich zu sein, ist erstrebenswert", dieses Motto prägte der ehemalige Parteichef Deng Xiaoping. Als wolle sie sich dieses Ziel zu Eigen machen, präsentiert sich die 21 Millionen Einwohner-Hauptstadt als rieisige Dauerbaustelle. Neue, immer gigantischer dimensionierte Hochhäuser und Schnellstraßen verdrängen ganze Stadtviertel aus einfachen kleinen Häusern und Wellblechhütten. Deren Bewohner werden - wenn überhaupt - mit einer mageren Entschädigung aus der Hauptstadt vertrieben. Keine der luxuriösen Wohnungen in den Neubaugebieten werden sie sich jemals leisten können. Viele leben ohnehin weit unterhalb der Armutsgrenze, ernähren sich durch Betteln, das Sammeln von Plastikflaschen und den Verkauf von Getränken an den Touristenattraktionen. Für sie ist kein Platz mehr in 'New Běijīng'.

Unter strenger Beobachtung

Wer in die Volksrepublik einreisen möchte, um beruflich aus dem Reich der Mitte zu berichten, muss ein Journalisten-Visum beantragen und Flug- sowie Hotelbuchung nachweisen. Medienvertreter stehen unter den wachen Augen des Staatsapparates wie zu DDR-Zeiten. Die Volkspolizei ist immer und überall präsent und beim vollständig durchwühlten Gepäck machen sich die Mitarbeiter des Flughafens gar nicht erst die Mühe, die Koffer wieder zu schließen, oder deren Durchsuchung zu verbergen. Kollegen, die sich heißen Eisen, wie dem Thema Menschrechte widmen, müssen noch ganz andere Repressalien erdulden. Eine Situation, die sich in den vergangenen Jahren eher noch verschäft hat.

Tourismus dient in China als wichtige Devisenquelle

Vor allem Amerikaner, Japaner und Koreaner wählen China als Reiseziel, europäische Touristen scheuen die fast zwölfstündige Flugzeit ebenso, wie die Hitze in Verbindung mit einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit. Ohnehin liegt Peking häufig unter einer gigantischen Glocke, in der die Abgase einen unangenehmen, feucht-warmen Nebel bilden. Eine Entwicklung, die der Tourismusbranche des Landes schwer zu schaffen macht. Auch beim Aufenthalt im Nobel-Hotel sollten Reisende nicht ihrer Gewohnheit verfallen, dass Wasser aus der Leitung zu trinken. Da sind sehr böse Nebenwirkungen garantiert. Selbst zum Zähneputzen sei das Wasser aus den Trinkflaschen empfohlen, die überall in der Stadt für wenige Cent verkauft werden.

Vorsicht: Gästeführer sind geschäftstüchtig

„Wer in China die große Mauer nicht besucht hat, ist kein Held“, soll Staatsführer Mao einst gesagt haben. So bilden die großen historischen Attraktionen noch immer den Höhepunkt einer China-Rundreise. Um die zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie den Kaiserpalast, die Minggräber und die vielen Tempelanlagen zu erhalten, sind enorme Investitionen nötig. Deshalb öffnete sich das Land den westlichen Konzernen ebenso wie dem Tourismus. Die geschäftstüchtigen Organisatoren von Pauschalreisen vor Ort haben schnell gelernt, mit den Besuchern Geld zu verdienen. Nach einem allzu kurzen Ausflug schleppen die Reiseführer die ihnen anvertrauten ausländischen Gäste gerne gleich mehrmals täglich zu wechselnden Verkaufsveranstaltungen, von Naturheilpräparaten über Schmuck- bis zu Teppichhändlern. Ein Tipp dazu: Statt Zusatzkosten in ein 'Ausflugspaket' zu investieren, lieber vorher im Netz nach Bus- und U-Bahnverbindungen suchen und die Metropole in Eigenregie erkunden. Einziges Problem: So gut wie niemand versteht oder geschweige denn spricht hier irgendeine Fremdsprache.

Guten Appetit mit Kakerlaken und Küchenschaben

Nicht nur die extrem feuchte und heiße Witterung macht Besuchern zu schaffen, auch die Lebensart der Chinesen schreckt manchen vom Reiseziel ab. So dienen im Restaurant die farbenprächtigen tropischen Fische und Reptilien in Aquarien und Terrarien nicht wie bei uns der Dekoration, sondern bilden die Speisekarte. Durch ihre für westliche Geschmäcker ungewöhnliche Ernährung findet man in der riesigen Stadt kaum Tiere, die nicht als Mahlzeit dienen. Alles was sprichwörtlich kreucht und fleucht, kriecht und fliegt ist Essen. Wenn ein Kind auf dem Frischemarkt von einer mit Schokolade oder Honig überzogenen, großen Kakerlake oder Küchenschabe nascht, ist das nichts für empfindsame Gemüter. Oder wer 'Little Chicken' aus der Karte des Restaurants wählt, sollte keine Hühnchennuggets erwarten: Serviert werden von Blätterteig umhüllte und frittierte Embryos von Küken.

Fotos von Menschen mit 'goldenen Haaren'

Touristen mit blonden Haaren müssen nicht erschrecken, wenn sie plötzlich von den Bewohnern zu einem gemeinsamen Foto gedrängt werden. Trotz Reisefreiheit fehlen den meisten Bürgern schlicht die finanziellen Mittel für einen Auslandsurlaub. Und so sind die Menschen mit den 'goldenen Haaren' hier tatsächlich nach wie vor noch eine echte Attraktion.

Mehr Reisetipps auf der Lokalkompass-Themenseite: Mit leichtem Gepäck
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10 Kommentare
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Norbert Opfermann aus Düsseldorf | 26.03.2016 | 16:57  
Peter Dettmer aus Essen-Borbeck | 26.03.2016 | 17:06  
Roland Römer aus Hattingen | 26.03.2016 | 17:16  
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Drs. Pol. (NL) Monika Eskandani aus Essen-Süd | 26.03.2016 | 17:27  
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Joachim Bartz aus Hattingen | 26.03.2016 | 21:31  
Peter Dettmer aus Essen-Borbeck | 27.03.2016 | 09:44  
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Joachim Bartz aus Hattingen | 27.03.2016 | 10:05  
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Wolfgang Kill aus Gladbeck | 27.03.2016 | 10:42  
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Armin von Preetzmann aus Castrop-Rauxel | 27.03.2016 | 12:06  
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Beate Haack aus Emmerich am Rhein | 27.03.2016 | 14:42  
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