Schichtwechsel: Neuer Bildband ist Herzenssache

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Achim Kubiak vor der malerischen Kulisse von Schloß Borbeck. Das historische Wasserschloss spielt auch in seinem neuen Bildband eine Rolle. Ganz zufällig war die Ortsauswahl also nicht. Foto: Brändlein

Prächtige Bildbände über „sein“ Ruhrgebiet hat er schon einige veröffentlicht. Immer zu bestimmten Themen wie 'Augenblicke am Rhein-Herne-Kanal' oder 'Begegnungen bei Nacht'. Diesmal sollte es ein ganz anderes Buch über das Revier werden. Und das ist Achim Kubiak, Grafiker, Fotograf und Autor, auf beeindruckende Weise gelungen.

Während Schulkollegen sich über eine Uhr oder Geld zu ihrer Kommunion gefreut haben, bekam Kubiak eine Kodak-Kamera und seitdem hat ihn die Faszination am Medium Fotografie nicht mehr losgelassen.
Ob beim Spaziergang mit Hund Double, beim Einkaufen oder auf der Fahrt zu einer Ausstellungseröffnung, die Kamera ist immer dabei. Und Mitfahrer haben sich schon längst daran gewöhnt, an ungewöhnlichen Stellen anzuhalten, wenn der Blick von Achim Kubiak auf ein Motiv fällt, das er unbedingt fotografieren muss.

Zu schade fürs Archiv

In über 50 Jahren haben sich unzählige Aufnahmen angesammelt, die sein Archiv füllen. Angefangen mit schwarz-weiß Bilderserien vom Leben in der Nachbarschaft, über Fotos von markanten Plätzen in den 53 Ruhrgebietsstädten bis zu Landschaftsaufnahmen zu jeder Tageszeit – das Einfangen des besonderen Augenblickes hat Kubiak perfektioniert. Und immer wieder sind da auch die oft spontan entstandenen Fotos von interessanten Menschen, denen er begegnet ist.
„Ich fand es zu schade, die Fotos im Archiv schlummern zu lassen und da ich bekennender Ruhrgebietler bin, war es eine Herzensangelegenheit für mich, diesen besonderen Blick auf meine Heimat zu veröffentlichen“, erzählt er. Das Funkeln seiner Augen verrät die Freude über sein neues Buch „Schichtwechsel“.
So spannt sich der fotografische Bogen von 1943 bis ins Jahr 2016. Das Buch mit vielen bisher unveröffentlichten Bildern und Momentaufnahmen erzählt vom Pott, als hier die Schlote noch ihren schwarzen Rauch in den Himmel bliesen, vom gelungenen Strukturwandel und der Industriekultur sowie von Menschen, die die Region zu dem gemacht haben, was sie heute ist: eine starke Region in Deutschland.

In Ausführung und Perspektive

Informative und auch emotionale Texte begleiten die sowohl in der Ausführung als auch in der Perspektive kunstvollen großformatigen Fotos. „Mir ist es wichtig, meine Aufnahmen aus einer anderen Perspektive zu machen, als die, die man schon dutzende Male gesehen hat“, betont Kubiak. Dabei spielen das Licht, das Wetter und die Jahreszeit eine große Rolle. Und so kommt es öfter vor, dass Kubiak drei- bis viermal zu einem Ort fährt, ehe er das Motiv im „Kasten“ hat. „Das Einzige, was ich an meinen Aufnahmen manchmal bearbeite, sind die Kontraste“, verrät er. Ansonsten ist es für ihn selbstverständlich, um Photoshop und Co einen großen Bogen zu machen.
Nimmt man den großformatigen Bildband in die Hand, erlebt man bei jedem Umschlagen der 270 Seiten eine Überraschung. Unzählige Ruhrgebiets-Wahrzeichen wechseln sich ab mit Landschaften, über die der Nebel zieht, mit Stätten der Industriekultur und mit Porträts von sieben Menschen, denen Achim Kubiak auf die eine oder andere Weise in seinem Leben begegnet ist.
Einer von ihnen ist Herbert Oettgen. Der Borbecker Künstler bedient sich bei seinen dreidimensionalen Bildern und Objekten einer klaren Form- und Farbensprache. Erinnerungen an die Zeit vor 60 Jahren werden beim Betrachten des Bildbandes wach und oft entdeckt man einen ganz neuen Blick auf gewohnte Ansichten.

Wörterbuch des Ruhrgebiets

Auch das kleine Wörterbuch mit Ruhrgebietsausdrücken von 'abstottern bis Zottel' wird nicht nur Leser aus dem Revier erfreuen. Wer sich auf den Bildband einlässt, wird erfahren wie unendlich vielseitig, spannend und faszinierend das Ruhrgebiet schon immer war und auch heute, nach dem Schichtwechsel, noch immer ist.

Text: Doris Brändlein
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