Gesamtschüler spielen mit Flüchtlingen

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Die Plakate in der Pausenhalle der Schule liefern konkrete Infos, wie und wo man sich engagieren kann. Fotos: Debus-Gohl
 
Alicja Wilczek (l.) und Marcel Przybylka präsentieren mit Lehramtsanwärterin Sabrina Schulz die erstellten Plakate. Fotos: Debus-Gohl

Stereotype abbauen, bei sich selbst und bei ihren Mitmenschen, das hat sich eine eine Gruppe von Schülern der Gesamtschule Essen-Borbeck auf ihre Fahrnen geschrieben. Und es ist ihnen auch gelungen. Durch ein soziales Projekt mit Flüchtlingen in der Unterkunft an der Tiegelstraße.

Von Rebecca Spielkamp

Drei Nachmittage nach der Schule haben sich die acht Schüler getroffen. Mit dem Thema Flüchtlinge haben sie sich vorab bereits in ihrem Sozialwissenschaftskurs beschäftigt.
Wie Asylsuchende in Deutschland leben und welche genauen Gründe sie zur Flucht aus ihrem Heimatland veranlasst haben, all das haben die Gesamtschüler recheriert.
Mit diesem Wissen wollen sie Stereotype abbauen, nicht nur ihre eigenen, sondern auch die ihrer Mitschüler. „Die meisten wissen nichts über die Menschen, die aus ihren Ländern fliehen müssen, und wollen auch nichts über sie wissen. Das ist der Fehler“ erklärt Marcel Przybylka. Er ist Teil der Schülergruppe, die das Projekt unter der angehenden Lehrerin Sabrina Schulz auf die Beine gestellt hat.
Um ihr recherchiertes Wissen weiter zu tragen, haben die Schüler Plakate mit Informationen angefertigt, die jetzt in der Pausenhalle der Schule aushängen.Darauf finden sich aber nicht nur allgemeine Informationen. Nachzulesen ist dort auch, wie man sich konkret engagieren kann. „Wir hoffen, damit unsere Mitschüler zu erreichen, gerade die jüngeren. Je eher Vorurteile abgebaut werden, desto besser“, erzählt Alicja Wilczek. Die Borbeckerin setzt sich mit diesem Projekt nicht zum ersten Mal sozial ein.

Die Recherche und die aushängenden Plakate sind nicht die einzigen Ergebnisse des Projektes. Die Schüler haben zudem einen Spieleabend im Flüchtlingsheim vorbereitet.
Verschiedene Spiele wie „Hang man“, bei dem man Wörter oder Sätze erraten muss, wurden in der Unterkunft an der Tiegelstraße gespielt.
Dadurch soll spielerisch Deutsch gelernt werden. In der Praxis hat das auch geklappt, wie Alicja Wilczek erklärt: „Die Menschen waren alle so aufmerksam. Egal welches Wort sie aufschnappen konnten, ob aus dem Gespräch oder aus dem Spiel, sie haben sich direkt alles übersetzen lassen und in ihre kleinen Vokabelhefte geschrieben.“
Und nicht nur die Spiele waren erfolgreich, auch Gespräche und Unterhaltungen waren trotz Sprachbarierre möglich. Ob auf Englisch, in gebrochenem Deutsch oder per Zeichensprache, die Kommunikation war kein Problem. „Die Sprachbarierre war ganz schnell durchbrochen. Und auch die persönliche, irgendwie. Man sieht sein Gegenüber nicht mehr als Flüchtling, sondern einfach als Menschen“ erinnert sich Marcel Przybylka.
Die Flüchtlinge haben durch das Treffen ihre Deutschkenntnisse verbessert. Aber auch die Schüler haben eine Menge gelernt. Und genau das war die Intention der Aktion. Lehramtsanwärterin Sabrina Schulz absolviert gerade ein Praxissemester an der Schule. Sie hat die Aktion „Flüchtlinge in Deutschland - Miteinander statt Nebeneinander“ als ein Studienprojekt ins Leben gerufen, drei Stunden in einem Sozialwissenschaftskurs übernommen und es in dieser Zeit vorgestellt.
Das Ganze fällt unter den Begriff „Service Lerning“ - die Jugendlichen sollen durch eigenes Engagement etwas dazu lernen. „Ich hätte selbst nicht gedacht, dass das Projekt so erfolgreich wird. Aber die Schüler haben tatsächlich durch sich selbst gelernt. Einige wollen diese Spieleabende jetzt regelmäßig besuchen, weil sie auf so viel positive Resonanz gestoßen sind“ erzählt die angehende Lehrerin.
Den Schülern ist es wichtig, dass es mehr solcher Aktionen gibt. Nicht nur in Schulen, sondern generell, damit das allgemeine Interesse am Kennenlernen und Miteinander wächst. Schrumpfen sollen dagegen die in den Köpfen verankerten Vorurteile. „Soziales Engagement wird oft auf „morgen“ oder auf „später“ verschoben. Das soll aufhören. Man sollte einfach mal was tun“, betont Alicja Wilczek. Dabei sind sie und ihre Mitschüler voran gegangen und die Gesamtschüler hoffen nun, dass viele ihrem Beispiel folgen werden.
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