Lieken schließt Essener Werk

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„Umstrukturierungen“ hatte die Lieken AG bereits im Sommer angekündigt. Doch was nun folgte, war nicht nur für die Essener Belegschaft eine (böse) Überraschung: Das Werk in Essen-Borbeck wird komplett geschlossen.

Eigentlich will die Großbäckerei investieren, zum Beispiel in den Bau einer komplett neuen Produktionsstätte im Rhein-Main-Gebiet. Auch bestehende Werke, unter anderem in Brehna, Lünen und Lüdersdorf, sollen umgebaut und modernisiert werden. „Durch veränderte Marktbedingungen und neue Backwarenkonzepte im Handel sind diese Schritte für Lieken unerlässlich“, so Markus Biermann, Vorstand Vertrieb und Produktion der Lieken AG.
Doch irgendwo muss das Geld ja auch herkommen - und das bedeutet das Aus für die kleineren und älteren Standorte in Essen, Garrel, Stockstadt und Weißenhorn. Eine Analyse habe gezeigt, „dass die Werke den zukünftigen Marktanforderungen nicht entsprechen“, erläutert Alexander Bott, Vorstand Finanzen der Lieken AG. Innerhalb der nächsten drei Jahre wird dort die Produktion endgültig eingestellt.

„Wir haben die Mitarbeiter an den Standorten bereits persönlich informiert“, erklärt Biermann. Wohl eher überrumpelt, wie man den Reaktionen auf die offizielle Nachricht der Geschäftsführung im Rahmen einer außerordentlichen Betriebsversammlung zu Wochenbeginn entnehmen kann. Für den Betriebsrat und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in der Region Ruhrgebiet kam die Verkündung äußerst überraschend, von einem „Schlag ins Gesicht“ war die Rede. Auch die betriebswirtschaftlichen Gründe stellte Gewerkschafts-Geschäftsführerin Yvonne Sachtje sogleich in Frage, Mitarbeiter sprachen von Auslastung und Überstunden in jüngster Vergangenheit. Und Oberbürgermeister Reinhard Paß schloss sich an: „Obgleich die EWG-Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH zahlreiche Essener Unternehmen und auch Lieken regelmäßig betreut, lagen uns keine Hinweise zur möglichen Standortschließung vor. Vielmehr war der Lieken-Standort in Borbeck nach den uns vorliegenden Informationen gut aufgestellt.“ Er bedauere den möglichen Verlust von 185 Essener Arbeitsplätzen und den damit verbundenen Schicksalsschlägen.

Erst zum 1. Juni 2013 war die Lieken AG (Golden Toast, Urkorn) durch den Konzern Agrofert des tschechischen Unternehmers Andrej Babis als Nachfolger der italienischen Barilla-Gruppe übernommen worden. „Seitdem gab es Probleme“ hatte Gürel Akkaya noch im Mai gegenüber dem Borbeck Kurier geäußert. Damals war das Betriebsratsmitglied noch für Lohnerhöhungen auf die Straße gegangen. Jetzt steht er wohl vor ganz anderen Problemen.
„Im eigenen Interesse suchen wir nach sozialverträglichen Lösungen für die Mitarbeiter“, erklärt Markus Biermann. Darauf hoffen auch die Parteien. Thomas Mehlkopf-Cao, CDU-Sprecher in der Bezirksvertretung IV, sprach von einem „herben Rückschlag für Borbeck“.
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