Mein Praktikum (7) ... ein Tag im Reisebüro

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Essen: TUI Reisecenter |

Einmal über den Atlantischen Ozean, dann ab in die Kajüte und per Schiff die Karibik durchkreuzen. Gebucht. Was wäre das für ein Weihnachtsgeschenk geworden. Leider tritt statt meiner das Ehepaar mir gegenüber am Schreibtisch die Reise an.



Verzicht und zerplatzte Träume, sollen das etwa meine neuen Arbeitsgrundlagen sein? „Nein, nein“, holt mich Reiseverkäuferin Jacqueline Pusch zurück auf deutschen Boden. „Für den Kunden ein passendes Urlausziel zu finden, zu den bestmöglichen Konditionen, das ist einfach immer wieder eine Freude“, schwärmt sie von ihrem Job. „Wir erfüllen schließlich permanent Wünsche und machen Menschen glücklich. Wer kann das schon von seinem Beruf behaupten?“ Und genau mit dieser Einstellung kann mein Tag im Reisebüro beginnen.

„Ich zeig Ihnen mal den Keller“, geht es mit Rosemarie Recht, ein Urgestein der Borbecker Filiale, hinab in die Katakomben des TUI ReiseCenters am Germaniaplatz. Hier lagern alte, aktuelle und neue Kataloge in Metallregalen. „Das ist Altpapier!“, zeigt die Reise-Fachfrau auf einen großen Stapel. Heißt: Gehört in die Blaue Tonne im Hinterhof getragen. „Auszubildende haben wir ja derzeit nicht“, lacht die Auftraggeberin, während ich beherzt zupacke. Nachdem die Altlasten entsorgt sind, gilt es, ein gescheites Sortiersystem für die Kataloge der Winter- und Sommersaison sowie diverser Sonderthemen samt aller Preislisten zu schaffen. Schweißtreibend ist die Aufgabe nicht, aber ein wenig aus der Puste gerate ich schon. „Wir brechen hier auch ab, das Übrige erledigen wir kommende Woche“, bin ich prompt erlöst.

„Die meisten Leute glauben gar nicht, dass auch körperliche Arbeit zu unserem Beruf gehört“, weiß Büroleiterin Melanie Bialke. Stimmt, auch ich bin mit der Annahme aufgeschlagen, dass man zwischen den Beratungsgesprächen Cocktails schlürft und Nägel feilt. Würde zu dem Borbecker Hühnerhaufen - neben Vollzeitkraft Bialke arbeiten drei Damen in Teilzeit, welche die Chefin mit liebevollen Kosenamen belegt statt sie als „Mitarbeiter“ zu bezeichnen - auch passen. Aber nur oberflächlich betrachtet. Denn: Das Quartett ist eine richtig dufte Truppe, was sich mit einer hohen Quote an Stammkundschaft - nicht ungewöhnlich für den an sich treuen Borbecker - auszahlt. Da ist auch Platz für Aktionen abseits des Geschäfts, wie die der Weihnachtspäckchen-Sammlung für bedürftige Menschen. „100 haben wir uns vorgenommen dieses Jahr.“

Apropos Zahlen, was hat es eigentlich mit der 83,7 auf sich, die auf Bialkes Schreibtisch prankt? „Das ist unser jüngst erreichtes Testlauf-Ergebnis“, verrät die Leiterin stolz über die Prozente. Siehe an, auch das ist keine Mär, zumindest die TUI fingiert regelmäßig Reisewünsche und Kunden, um Stärken und Schwächen der Mitarbeiter aufzuzeigen. „Gut gegangen“, könnte man sagen.
Die meiste Zeit verbringen die Reiseverkäuferinnen natürlich schon am PC - und unterscheiden sich damit nicht so sehr von meiner regulären Tätigkeit in der Redaktion. Hier zeigen sie mir, wie ich Traumziele und Rabatte finde, Buchungen erstelle, Begrüßungsschreiben für Gäste an Hotels schicke und vieles mehr. Auch Schulungen zu Neuerungen auf dem Reisemarkt laufen mittlerweile online. Für erste eigene Aufträge ist mein Tag leider zu kurz, auch wenn ich mit Maus und Tastatur firm bin. Es fehlt mir einfach das Fachwissen.

Urlaubsreif bin ich nach meinem Praktikum jetzt nicht. Wobei ... Dieses Meeresrauschen im Ohr und das Gefühl von Sand zwischen den Zehen sprechen doch definitiv für eine Rückkehr.
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