Regina Amoah bringt Spenden nach Ghana

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Menschentrauben bildeten sich um den geliehenen Bus von Regina Amoah. Die Bilder sind Screenshots aus Privatfotos, die Amoah hat drehen lassen.
 
Stück für Stück wurde die Spendenkleidung in Ghana verteilt. Manchmal musste das Team aufpassen, dass ihm nichts aus den Händen gerissen wurde.

Menschenmengen drängen sich um den Bus von Regina Amoah. Die Ghanaer warten gespannt auf die Spenden, die die Landsfrau ihnen aus ihrer neuen Heimat Deutschland mitgebracht hat.

Vor rund zwei Jahren stapelten sich die Kartons noch im Keller der Borbeckerin (wir berichteten: www.lokalkompass.de/241354). Wochenlang hatte die gebürtige Afrikanerin in Essen Kleidung, Spielzeug und Haushaltsgeräte gesammelt und versprochen, die Gaben persönlich dorthin zu bringen, wo man sie dringend brauche. Damit auch nichts verloren gehe oder von der Regierung unterschlagen würde. In diesem Jahr konnte sie ihr karitatives Vorhaben dann umsetzen. Nicht ohne Hürden.

Verein: New Wine Generation


Ganz ohne organisierte Unterstützung, allein mithilfe von Freunden und Familie stemmte sie das Spendenprojekt ihres kleinen Vereins „New Wine Generation“. Dafür musste sie auch ordentlich ins eigene Portemonnaie greifen. Allein 1.600 Euro kostete sie der - mühsam in zweitägiger Arbeit selbstbeladene - Seecontainer, der über Rotterdam/Niederlande nach Ghana schipperte. Rund drei Wochen war die 10.000 Kilogramm schwere Ladung unterwegs. Von den Formalitäten, die sie vor Ort erwarteten, um die Spenden ins Land zu bringen, mag sie gar nicht reden.

In ihrem Heimatdorf Nyameani/ Abrankese District machte sie zuerst Station. Schnell bildete sich eine Traube um ihr Fahrzeug, per Video dokumentierte sie, wie sich die Menschen um die Kleidung förmlich rissen. Stundenlang dauerte die Verteilung in insgesamt drei Dörfern.
Auch ein Krankenhaus suchte sie auf, versorgte die Stationen mit Wischmop und Reinigungsmitteln. „Ich habe sogar selbst die Unfallnotaufnahme geputzt“, berichtet sie. Der Film zeigt, wie heruntergekommen, verdreckt und vollkommen überfüllt das Krankenhaus ist. Dankbarkeit brachte ihr deshalb nicht nur die Leitung entgegen, auch die örtlichen Medien berichteten über die Aktion.

Gelder sitzen weniger locker als Sachspenden


„Es gehen viele Spenden nach Ghana, aber sie reichen trotzdem nie aus“, weiß Amoah um die große Bedürftigkeit in Afrika. Deshalb will sie auch weiter sammeln. Vor allem aus dem Krankenhaus hat sie eine lange Liste mitgebracht. Bettwäsche und Seife stehen da ganz oben, denn vor allem an Hygiene fehlt es. Dafür will sie zukünftig auch konkret Hotels und Altenheime ansprechen. Was dort aussortiert wird, könnte in Ghana noch gut eingesetzt werden, ist sich die Essenerin sicher.
Schwieriger sei es jedoch, an Geld zu gelangen, um ihre Reise, einen weiteren Container und alle übrigen Kosten zu finanzieren. Um das zu verdienen, kämpft sie zum Beispiel um Genehmigungen für den mobilen Verkauf von selbstgemachten Hefebällchen.

Und noch ein Wunsch ist bisher unerfüllt geblieben: Mit gebrauchten Nähmaschinen wollte sie Arbeitsplätze für Frauen in Ghana schaffen, um auch nachhaltig zu helfen. Dafür reichte die Zeit jedoch nicht aus. Aber sie will so schnell wie möglich in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren. Am liebsten wieder mit ganz viel Gepäck.
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