Sprayen in Borbeck - ganz legal

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Borbeck hat jetzt seine eigene Hall of Fame. Die Graffiti-Fläche an der Rückseite des Schloss Quelle Gebäudes ist für Sprayer freigegeben. Allerdings müssen sich Writer eine zeitlich befristete Erlaubnis einholen. Getragen wird das Projekt vom Jugendamt. (Foto: Winkler)
 

Am Samstag wurde in Borbeck die zehnte für Graffiti-Sprayer freigegebene Fläche in Essen eröffnet. Zehn bis fünfzehn Writer-Größen verschönerten dabei die Rückseite des Schloss-Quelle-Gebäudes am Radweg zum Borbecker Bahnhof. Bereits am Sonntag durften dann alle Interessierten ihr Können an der Dose unter Beweis stellen.

Erneut ist es gelungen, ein Areal für junge Künstlerinnen und Künstler mit der Spraydose zu finden, auf dem sich die Writer ohne Angst vor Strafen austoben dürfen.
Die Firma Schloss-Quelle Mellis hat an ihrem Gebäude schon seit längerem mit Schriftzügen, den sogenanntenTags, zu kämpfen. Nun ist es legal möglich, an der Rückwand des Schloss-Quelle-Gebäudes Richtung Bahnhof Borbeck seine Malerfähigkeiten auszuprobieren und zu erweitern.
Gerd Dubiel, Kulturbeauftragter des Jugendamtes, ist hoch erfreut über das Projekt: „Wir sind sehr froh, endlich auch im Großraum Borbeck über solch eine Möglichkeit zu verfügen.Damit können wir vielleicht auch Jugendliche zur Graffitikunst führen, die sonst aus Angst vor Strafverfolgung nicht den Weg zur Dose gefunden hätten. Dankbar sind wir hierfür der Schloss-Quelle, die mit dieser Idee auf uns zu kam und uns die Chance gegeben hat, dieses Anliegen zu realisieren.“

80 Meter "Riesenleinwand"

Die 80 Meter lange Wand, die voraussichtlich in etwa zwei Metern Höhe besprüht wird, ist für jeden Interessierten zugänglich. Vorher muss man sich allerdings unter essenhall.de eine zeitlich befristete Erlaubnis einholen und die Nutzungsbedingungen beachten. Die Wand steht dabei unter der Patenschaft der Essener Sprayer sowie der Schloss-Quelle. Beide „verwalten“ die Wand gemeinsam.
Ingo Ahlborn, selbst seit 25 Jahren Writer, betreut das Projekt mit: „Durch die Patenschaft, die die Szene übernimmt, kann hier auch das Verantwortungsgefühl gerade bei jungen Malern gestärkt werden. Somit steht auch ein pädagogischer Sinn hinter dem Projekt.“ Dabei gelte es auch, die seit Jahren stärker gewordene Disziplin in der Szene einzuhalten und ohne Konkurrenzdruck malen zu können. „So sind körperliche Auseinandersetzungen wegen einem übermalten Bild eine ganz starke Ausnahme“, ist sich Ahlborn sicher.
Dabei ist Graffiti eine schnelllebige Kunstform. Insbesondere an öffentlichen Freiflächen, den Hall of Fames, wie jetzt in Borbeck. So kann es durchaus vorkommen, dass man auf dem Hinweg zur Arbeit am Bahnhof Borbeck eine völlig andere Wand vorfindet als auf dem Nachhauseweg. Aber auch das macht Graffiti aus.

Freiluft-Galerie am Borbecker Radweg

Gerd Dubiel sieht auch den sozialen Aspekt als wichtige Komponente: „Denn an dieser Stelle ist es auch möglich, mit Radfahrern und Fußgängern in Kontakt zu treten. Man kann sich austauschen und gegenseitige Vorurteile abbauen, wozu man sonst kaum Gelegenheit bekommt.“ Außerdem werde die Vernetzung in der Szene dadurch weiter gestärkt. Im Juli wurden an der Hafenstraße die Brückenpfeiler im Rahmen der Aktion „Hafendampf“ von Graffitikünstlern umgestaltet. „Dazu kam fast alles aus der deutschen Writerszene, was Rang und Namen hat“, erinnert sich Dubiel.
Wer also selber Lust bekommen hat, seine zeichnerischen Fähigkeiten auf der großen Wand zu testen oder kostenlos in den Genuss einer Freiluftgalerie kommen möchte, ist am Schloss-Quelle-Gebäude am Borbecker Radweg genau an der richtigen Adresse.

Text: Sven Böttger
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