Heilkräuterwanderung der Naju wurde zur Indoorveranstaltung

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In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden sogenannte „Moxasticks“ aus getrocknetem Beifuß zur Behandlung von Rückenschmerzen über Akupunkturpunkte verwendet. Vivienne Dobrzinski entzündet einen Moxastick zu Demonstrationszwecken. Fotos: Debus-Gohl
 
Trotz des schlechten Wetters fand die Heilkräuterwanderung statt. Gelaufen wurde allerdings nicht. Das Wissen über die Pflanzen gab Vivienne Dobrinski in einem Vortrag weiter. Die Teilnehmer hörten zu und sahen sich die Pflanzenbeispiele genau an.

Die urwaldähnliche Landschaft des Pausmühlenbachtals erkunden, Heilkräuter zwischen den überhängenden und zusammengebrochenen Bäumen entdecken, den besonderen Duft des Waldes nach einer Regennacht einatmen – darauf mussten die Teilnehmer der Heilkräuter-Wanderung am Samstag leider verzichten.

Der Regen machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Das Natur und Jugendzentrum Voßgätters Mühle hatte zu einem botanischen Spaziergang durch das Pausmühlenbachtal eingeladen. Wissenswertes über die heimische Pflanzenwelt und die Verwendung der Gewächse am Wegesrand als Heilkräuter für die Hausapotheke oder als Kräuter- und Salatbeilage sollte Interessierten vermittelt werden.
Und die hatten sich trotz des Dauerregens eingefunden. So wurde die Exkursion kurzerhand in die Räume der Mühle verlegt. Der Wissensvermittlung tat das aber keinen Abbruch.

Indoor-Event

„Ich finde es schade, dass viel von dem alten Wissen über die Wirkung der Heilkräuter verloren geht", so Vivienne Dobrzinski, Biologin und seit kurzem zuständig für die Naturpädagogik in Voßgätters Mühle. "Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, wie wirksam selbstgesammelte Pflanzen sein können.“ Sie möchte ihr Wissen weitergeben und dazu beizutragen, dass man sich selbst in der „Waldapotheke“ versorgen kann.
Eine vielfältige Auswahl an frischen, noch regennassen Pflanzen, darunter Klettenlabkraut, Beinwell, Moschusmalve, Brennnessel, Schafgarbe und Brombeere ist auf dem Tisch zu bestaunen. Auch Hexenkraut aus der Familie der Nachtkerzengewächse ist dabei, das aber nicht als Heilpflanze dient, sondern eher als Ziergewächs im Garten.
Der heimische Wermut, besser bekannt in seiner verarbeiteten Form als Absinth, gehört schon seit der Antike wegen seines hohen Gehaltes an Bitterstoffen und ätherischen Ölen zu den Heil- und Gewürzkräutern.
Der gleichen Pflanzengattung aus der Familie der Korbblütler gehört auch der Beifuß an und von dieser krautigen, eher unscheinbaren Pflanze mit ihren gefiederten Laubblättern, weiß Dobrinski Spannendes zu erzählen."Früher dienten vor der Sommersonnenwende getragene Beifußgürtel dazu, alles Schlechte anzuziehen und zu sammeln. Beim Tanz um das Johannisfeuer wurden die Gürtel verbrannt und das Böse damit ausgetrieben."

Traditionell Chinesisch

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden sogenannte „Moxasticks“ aus getrocknetem Beifuß zur Behandlung von Rückenschmerzen über Akupunkturpunkte verwendet. Vivienne Dobrzinski entzündet einen Moxastick und der wohltuende Geruch des Beifußkrauts zieht durch den Raum.
Als Gewürz in der Küche gilt Beifuß als appetitanregend und verdauungsfördernd. "Er sollte aber, wegen seines Gehaltes an Thujon nur in kleineren Mengen, beispielweise in Eintöpfen, Suppen und zu Gänsebraten verwendet werden."
Vom Beinwell, mit seinen zarten, glockenförmigen, purpurroten, gelben oder weißen Blüten, wird die Wurzel zu Heilzwecken verwendet. "Wirksam bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen", weiß die Biologin. Äußerlich als Einreibung verwendet, entfaltet der Beinwell seine schmerzlindernde, entzündungshemmende und abschwellende Kraft.
„Ich hatte Probleme mit dem Arm und kein Arzt konnte mir helfen. Nachdem ich mir in einem Kräuterhaus Beinwell-Tinktur geholt und sie drei Tage eingerieben habe, waren die Schmerzen weg“, berichtet Wilhelm Wien, einer der Teilnehmer. Der schwarze Holunder, häufig an Wegesrändern oder im eigenen Garten anzutreffen, ist eine der in Mitteleuropa am weitesten verbreiteten Straucharten. "In der Volksmedizin wird hauptsächlich Holundersaft, der durch Abkochen der schwarzen Beeren hergestellt wird, eingesetzt. Durch den hohen Gehalt an Vitamin C und Anthocyanidinen wirkt der Saft entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend und ist das ideale Hausmittel bei leichten Erkältungen", erklärt die Referentin.

Nächste Exkursion am 20. August

Auch die bis zu 30 Zentimeter großen, weißen Blütenstände des Holunders finden ihre Verwendung. In der Küche beispielweise, als in Pfannkuchenteig gebackene „Hollerküchlein“. Und was wäre ein „Hugo“ ohne Holunderblütensirup?
Aber die Biologin mahnte: Beim Sammeln der Pflanzen ist einiges zu beachten. Wegen der weit verbreiteten Schadstoffbelastung der Böden, sollte man Industriegebiete meiden und nicht an viel befahrenen Straßen sammeln. „Am besten geeignet ist ein Landschaftsschutzgebiet, wobei natürlich darauf zu achten ist, dass man nur Pflanzen pflückt, die nicht unter Naturschutz stehen“, betont Vivienne Dobrzinski.
Wer sich für Heilkräuter und ihre Verwendung interessiert, sollte sich den 20. August 2016 notieren, da findet die nächste Heilkräuter-Exkursion statt – dann hoffentlich bei schönem Wetter.

Text: Doris Brändlein
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