4,5 Milliarden für die „größte Kloake Europas“ - der Emscher-Umbau

Dieses kleine Loch kostet rund 20 Millionen Euro“, erläuterte Dr. Jochen Stemplewski (links, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft anlässlich der Vertragsunterzeichnung mit Dr. Matthias Kollatz-Ahnen (Vizepräsident Europäische Investitionsbank), dessen Haus den Umbau anteilig mit 450-Millionen Euro finanziert. Fotos: Kappi

„Die Finanzierung des Emscher-Umbaus ist für lange Zeit in trockenen Tüchern“, freute sich Dr. Jochen Stemplewski. Vor der eindrucksvollen Kulisse eines Pumpwerkes unterzeichnete der Vorstandsvorsitzende der Emschergenossenschaft den Vertrag über ein Darlehen in Höhe von 450 Millionen Euro bei einer Laufzeit von bis zu 45 Jahren.

Modernstes Abwassersystem der Welt

„Eine Million Euro an jedem Arbeitstag, zehn Jahre lang“, beschreibt Dr. Jochen Stemplewski die Dimension dessen, was sich da zwischen Dortmund und Dinslaken tut: Mit einer Gesamtinvestition von 4,5 Milliarden Euro entsteht bis zum Jahr 2020 ein 51 Kilometer langes, geschlossenes Kanalsystem und die Emscher soll als sauberer Fluss auferstehen. Parallel zur Emscher wird dazu der Kanal bis zu 40 Meter tief verlegt. Der Vorstandsvorsitzende der Emschergenossenschaft beschreibt das so: „Das modernste Abwassersystem der Welt entsteht hier und ein für europäische Maßstäbe herausragendes Projekt.“
Als Partner zur Finanzierung fand der Verband die Europäische Investitionsbank, die in den EU-Mitgliedsstaaten Investitionen finanziert, die den Zielen der Europäischen Union entsprechen, wie Umweltschutz oder nachhaltige Energieversorgung.

Mittel vom Kapitalmarkt

Unser Institut will die Infrastruktur in den Mitgliedsstaaten voranbringen“, erläutert Dr. Matthias Kollatz-Ahnen, Vizepräsident der Bank, das Engagement seines Hauses: „Große Tickets, wie wir Banker es ausdrücken, und lange Laufzeiten sind bei Finanzierungen häufig ein Problem. Daher bieten wir unseren Partnern diese mit festen Zinssätzen am unteren und Laufzeiten am oberen Ende der Möglichkeiten. Die Mittel hierfür werden am Kapitalmarkt aufgenommen. Vorteil für die Kommunen ist, dass sie investieren können, ohne horrende Kosten auf die Bürger umlegen zu müssen.“ Da der neue Kanal eine Lebensdauer von 100 Jahren erreicht, sei dies kein Problem. Entsprechend der Baufortschritte können nun die Mittel jährlich abgerufen werden.
Der Banker blickt etwas skeptisch auf das gigantische Loch, das sich da vor ihm auftut und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: „Wir haben in Duisburg den größten Binnenhafen Europas finanziert, jetzt finanzieren wir die größte Kloake Europas.“

Hintergrund:

Seit 1992 plant und baut die Emschergenossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau. Die Genossenschaft wurde 1899 als erster Wasserwirtschaftsverband in Deutschland gegründet mit den Aufgaben Abwasser entsorgung und -reinigung, Unterhaltung der Emscher und Hochwasserschutz.
Die Europäische Investitionsbank wurde 1958 gegründet, als Institution für langfristige Finanzierungen, die den Zielen der EU entsprechen. Sitz des Institutes ist Luxemburg. Seit der Gründung wurden fast 860 Milliarden Euro für Vorhaben in Mitgliedsstaaten, Kandidaten- und Partnerländern bereitgestellt.
Im Rahmen des Emscher-Umbaus werden in Gelsenkirchen, Essen und Oberhausen Pumpwerke erbaut, um Höhenunterscheide zu überwinden und für das nötige Gefälle zu sorgen.
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3 Kommentare zum Beitrag
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Clarissa Strömer aus Essen-Nord am 26.07.2011 um 23:29 Uhr  
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