Hexbachtal ist im Prüfverfahren für Flüchtlingsunterkünfte - Initiative gegründet

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Mit Plakaten und Traktoren fuhren die Schönebecker zur Ratssitzung am vergangenen Mittwoch auf. Ihr Ziel: Eine Bebauung des Hexbachtals - oder überhaupt eine entsprechende Flächenprüfung - zu verhindern. Das Verfahren aufhalten konnten sie vorerst aber nicht. Fotos: Markus Decker
 
Auch die Landwirte protestieren - wenn nötig mit ihren Traktoren - gegen die Bebauung des Hexbachtals. Dieser fuhr am Mittwoch bis vor den Ratssaal. Fotos: Markus Decker

Das Hexbachtal gehört zu den 15 potentiellen Flächen, die bis Mitte Januar hinsichtlich einer Bebauung für die Unterbringung von Flüchtlingen geprüft werden sollen. So hat es der Rat der Stadt Essen in dieser Woche beschlossen. Doch das wollen sich die Schönebecker nicht bieten lassen.

„Wenn wir es schaffen wollen, unser Hexbachtal zu retten, müssen wir Gas geben“, weiß Burkhard Fahnenbruch von der neugegründeten Bürgerinitiative Landschaftsschutzgebiet Hexbachtal. Bereits 1992 wurde diese erstmalig ins Leben gerufen, um das Stück Naturschutzgebiet im Drei-Städte-Eck Essen/Mülheim/Oberhausen als Naherholungsgebiet der Anwohner, wichtige Frischluftschleuse der Städte und Lebensraum für Tiere zu erhalten. Autobahnauffahrt, Umspannwerk, Gefängniskomplex und vieles mehr standen über die Jahre zur Diskussion.
„Es drängt sich der Gedanke auf, dass es hier eigentlich darum geht, an das von der Stadt so lange begehrte Bauland zu kommen“, vermuten die Initiatoren hinter den aktuellen Plänen tieferliegende politische Beweggründe. „Diesmal wird der Versuch auf dem Rücken der unschuldigen Asylsuchenden ausgetragen“, ist Robin Kirchner, eines der rund 600 Mitglieder der Facebook-Gruppe „Rettet das Hexbachtal“, überzeugt.
„Unser Protest richtet sich nicht gegen die Flüchtlinge, sondern wir kämpfen gegen jegliche Bebauung“, betont auch Bernd Quildies vom SPD-Ortsverband Schönebeck-Bedingrade. In einem ersten Schritt informierten die Sozialdemokraten in Kooperation mit der Bürgerinitiative in der nahegelegenen Gaststätte „Stammhaus Kaldenhoff“ über das Vorhaben im Bereich der landschaftsgeschützten Flächen an den Straßen Rötterhoven/Im Wulve/Im Fatloh. 22 Hektar Land gelte es zu bewahren und die Entstehung „eines ganz neuen Stadtteils“ nach dem Rückbau der Flüchtlingsunterkunft zu verhindern. Bis auf die Straße versammelten sich die Interessenten aus Schönebeck, Bedingrade, Frintrop und der Nachbarstadt Mülheim, bekundeten ihre Unterstützung in Unterschriften.
Regen Schriftverkehr unter anderem mit Ratsmitgliedern und dem Regionalverband Ruhr kündigten die Aktivisten an. Neben Demonstrationen mit Traktoren der betroffenen Landwirte und Plakaten sowie massiver Präsenz bei den Ratssitzungen am vergangenen Mittwoch und am 27. Januar - wenn „Fakten geschaffen“ werden sollen - seien weitere Info- und Unterschriftenaktionen sowie eine Online-Petition geplant. Weiterhin soll es nach dem Jahreswechsel eine Menschenkette als symbolischen Schutz der anvisierten Fläche geben. 300 bis 400 Menschen werden dazu erwartet.
„Ich bin überzeugt: Ein Großteil der Flächen fliegen raus“, äußerte sich der Schönebecker Ratsherr Klaus Diekmann (CDU) zum Verfahren. „Aber was sollen wir denn machen? Wir müssen doch Flächen prüfen und Unterkünfte schaffen, die Zeltdörfer sind doch keine Lösung“, rechtfertigte er die Position seiner Fraktion, die auch die übrigen Parteien mittragen. Zumal es sich auch nur um eine kleine Fläche im oberen Hexbachtal handele. „Ordentlich Tamtam machen, das müssen wir“, schallte ihm die Antwort aus den Reihen entgegen. Mit dem Gleispark Frintrop und dem ehemaligen Real-Gelände in Altendorf hatten die auch gleich Alternativvorschläge parat. Ungeprüft.
Die Unterschriftenlisten liegen aus unter anderem beim Reitstall Göken, Dümptener Bauernhof in der Beek und in der Grundschule Bedingrade/Schönebeck.
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