Interview mit Thomas Kufen: Wer ist der Mann der Essens neuer OB werden möchte?

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Der Treffpunkt ist bewusst gewählt. 15 Uhr, Stadion Essen. Er ist pünktlich, mehr als das. Lieber ein paar Minuten zu früh als zu spät. „Gehen wir bei dem schönen Wetter raus?“, will Thomas Kufen wissen und erwartet bereits im nächsten Atemzug eine Antwort auf die Frage „Aufzug oder Treppen?“. Die Treppen natürlich. Das ist ganz in seinem Sinne. Der Mann, der seinen Hut in den Ring im Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters geworfen hat, sprüht vor Tatendrang. Und vor Ideen.

41 Jahre alt ist der Borbecker - nicht mehr feucht hinter den Ohren, aber noch lange kein „Best Ager“. Aber als Verwaltungschef der neuntgrößten Stadt der Republik? Ist 41 zu jung für einen Oberbürgermeister? „Nein, keineswegs“, winkt der Kandidat der Christdemokraten ab. „Wichtig ist doch, dass man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, dass man etwas verändern möchte.“
Etwas verändern, das wollte der Borbecker schon früh. 1988 trat der Sohn eines mittelständischen Unternehmers in die junge Union Borbeck ein. Familiär vorbelastet war er nicht. „Im Gegenteil, aus meiner Familie war niemand politisch aktiv.“

Kegelabend und Schulpolitik


Seine erste politische Erfahrung? „Die, dass es bei der JU in Borbeck so etwas wie Organisation nicht gab.“ Kufen ließ sich nicht zweimal bitten, fing mit dem Aufbau an, organisierte Veranstaltungen. „Die erste war ein Kegelabend bei Gimken“, erinnert sich der CDU-Kandidat schmunzelnd zurück. Doch der Parteinachwuchs konnte auch ernst. „Gleich im Anschluss haben wir was zum Thema Schulpolitik gemacht“, erzählt der ehemalige Schülersprecher.
Mit der Fachoberschulreife in der Tasche verließ der Borbecker die Realschule, begann eine Ausbildung im elterlichen Autohaus. Anders als der Bruder, der als KFZ-Mechaniker ebenfalls im Familienbetrieb lernte, allerdings im kaufmännischen Bereich. „Das stand von Anfang an fest. Ich habe zwei linke Hände.“

Sprosse für Sprosse auf der politischen Karriereleiter


Sein politisches Engagement behielt Kufen bei. Und der kaufmännische Angestellte nimmt die Sprossen der parteiinternen Karriereleiter in erstaunlichem Tempo: Vorsitzender der Jungen Union Ruhrgebiet, Mitglied der Bezirksvertretung IV, des Rates der Stadt Essen, Vorsitzender der CDU Borbeck und der CDU-Fraktion, die Liste der Aufgaben und Ämter ist lang.
Im zarten Alter von 26 Jahren zog der Borbecker als JU-Vertreter in den nordrhein-westfälischen Landtag ein (2000 bis 2005), schaffte es bis in den Fraktionsvorstand der Landtagsfraktion. Anschließend berief ihn der damalige Ministerpräsident zum Integrationsbeauftragten seiner Regierung. Das hat geprägt.

"Menschen im Ruhrgebiet sind tolerant, aber nicht naiv"

Bis heute ist Integration ein Thema, zu dem er etwas zu sagen hat. „Wir könnten schon weiter sein“, räumt er ein. Doch gerade im Ruhrgebiet werde Integration an vielen Stellen bereits gelebt. Erfolgreich - und ohne viel darüber zu reden. „Weil wir offen und tolerant sind. Tolerant und nicht naiv.“
2012 zog Kufen über Landeslistenplatz 11 der CDU erneut in den Landtag ein. Zurück von der großen Düsseldorfer Bühne ins heimische Essen? Ein Problem hat Kufen damit nicht, im Gegenteil: „Essen ist meine Stadt, hier bin ich geboren, aufgewachsen, hier lebe ich und hier bin ich seit vielen Jahren politisch aktiv.“
Mit 99,4 Prozent der Stimmen haben die Mitglieder des Parteitags den Borbecker zum Oberbürgermeisterkandidaten gewählt. Ein überwältigendes Ergebnis. Vorschusslorbeeren? „Das denke ich nicht. Vielleicht meint die Partei, ich mache das gut.“

"Grüß-Gott-August hat ausgedient"

Gut machen will er „das“ in jedem Fall. Eine Menge gerade rücken in seiner Stadt. Oberbürgermeister seien heute als Krisenmanager gefragt, „der Grüß-Gott-August“ habe ausgedient.
Doch große Sprünge sind nicht möglich. Die Haushaltslage der Stadt biete so gut wie keinen Spielraum. Da ist Kufen Realist. „Aber sie darf nicht jede Kreativität unterdrücken.“
Neue Umgangsformen will er im Rathaus etablieren, alle Entscheidungsträger an einen Tisch bringen - regelmäßig. Hört sich gut an. Strukturen verändern, aufbrechen, nicht zuletzt bei den Stadt-Töchtern. Auch dafür wird er Unterstützer finden.
„Wir haben eine starke und robuste Wirtschaft. Aber die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt geht an Essen vorbei.“ Ansätze sieht Kufen viele. Mehr Industriearbeitsplätze, mehr Flächen, Ausbau der eigenen Stärken. Und ein OB als 1. Wirtschaftsförderer.

"Sport muss ich nicht unbedingt selbst macher"

Es gibt jede Menge zu tun, für denjenigen, der die Oberbürgermeister-Wahl im September für sich entscheidet. „Es werden nicht weniger Termine werden“, gibt sich Kufen realistisch, sollte er das Rennen machen. Zeit für Besuche bei Rot-Weiss Essen oder beim FC Kray, für Reisen, Theater- oder Ballettabende? „Das wird noch enger.“ Worauf könnte er am ehesten verzichten? „Auf den Sport“, lacht er. Laufschuhe gab´s bereits zu Weihnachten. „Die waren auch schon mal draußen. Aber Sport muss ich nicht unbedingt selbst machen. Da bin ich wohl eher so etwas wie ein Couch-Potato.“
Beim Sport, beim Fußball, schaut er also lieber zu als selbst vor den Ball zu treten. Dennoch weiß er, wovon er spricht. Die Parallele zwischen Fußball und Politik? Für Kufen liegt sie auf der Hand. „Essen ist nur in der Regionalliga. Und unsere Mannschaft spielt oft nicht den schönsten Fußball. Aber die Fans erwarten, dass die Spieler sich auf dem Rasen die Buxe dreckig machen. Das gilt auch für die Politik.“
Man hört es, der Mann ist längst im Wahlkampfmodus. Und er setzt auf die Bürger seiner Stadt. „Ich möchte, dass die Essener am Wahltag eine Person wählen, Ideen und Konzeptefür ihre Stadt. Und nicht das Kreuz an der Stelle machen, wo sie es schon immer gemacht haben.“

Am Ende entscheiden die Bürger

Die Aufgabe, um die er sich bewirbt, ist keine leichte. „Sie ist gewaltig“, findet er selbst. „Und überall ist Arbeit. Arbeit, die getan werden muss.“
Kufen traut sich das zu. Seine Partei auch. Diesen Rückschluss lässt das Votum zu. Das letzte Wort haben die Bürger. Noch hat der Borbecker Zeit, den Menschen in Essen sich selbst und seine Ideen für die Stadt vorzustellen. Überzeugungsarbeit.

Fotos: Winfried Winkler
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