Namensgebung wird zu Konfessionskampf in der BV IV

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Stein des Anstoßes: Steuert die Gemeinschaftsgrundschule Bedingrade/Schönebeck Richtung Konfession? Foto: Herlinger

„Kann nicht!“ „Kann wohl!“ Hitzig und ohne Rücksicht auf Verluste diskutiert wurde am letzten Dienstag, 10. Mai, in der 15. Sitzung der Bezirksvertretung IV der Name der aus dem Verbund aufgelösten Gemeinschaftsgrundschule Bedingrade/Schönebeck. Während Gegner der Maßnahme auf die traditionell große Zahl konfessioneller Schulen im Bezirk zeigen, wittern Befürworter eine Rückkehr alter Ideologien.

„Es ist meine ehrenvolle Aufgabe, Bezirksbürgermeister Helmut Kehlbreier zum Geburtstag zu gratulieren“, freut sich Klaus-Dieter Pfahl, Vizebürgermeister in der Bezirksvertretung IV. „Nach dem Alter frage ich nicht!“ Gute Stimmung also im Schloß Borbeck, auf der 19 Punkte langen Tagesordnung hatten die Lokalpolitiker unter anderem eine mögliche Aufwertung der Schrottimmobilien an der Zinkstraße 10 bis 20 im Rahmen der Emscher-Renaturierung – der Borbeck Kurier berichtete. Die Vorlage wurde einstimmig beschlossen und tingelt jetzt vom Ausschuss für Stadtentwicklung und Stadtplanung in den Rat der Stadt Essen.
Ebenfalls Thema war die Einzelhändler-Dürre in Frintrop: Zwar versorgt ein mobiler Wagen aktuell die Anwohner, eigentlich sollte aber längst der Baubeginn für das neue Nahversorgungszentrum mit Vollsortimenter und Discounter gestartet sein: „Die Bürger sind da ziemlich ungeduldig, seit der letzte Lebensmittelhändler zugemacht hat“, weiß Ulrich Schulte-Wieschen, Fraktionsvorsitzender SPD in der BV IV.

Nicht nur Elternwille

Schnappatmung im Gremium besorgte dafür ein vermeintlich harmloser Tagesordnungspunkt: Aus der Gemeinschaftsgrundschule Bedingrade/Schönebeck sollte wie früher die Franziskusschule werden, die Eichendorffschule von nun an den Namen Eichendorffschule Schönebeck tragen. Obwohl die Papiere von Schulkonferenz und Schulausschuss abgesegnet wurden, gibt’s kein grünes Licht für die Maßnahme von der Mehrheitskoalition aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Einzelvertreterin Barbara Rienas. „Es geht nicht nur um den Elternwillen, sondern um die Bedeutung für den Stadtteil“, erläutert Grünenpolitiker Dr. Thomas Drewes die Blockade. „Für mich ist das wieder die alte Ideologie“, hält Vizebürgermeister Pfahl dagegen. „Ich sehne mich nach dem alten Schulnamen zurück!“
Eingeweihte überrascht die emotionale Debatte zum Thema nicht, denn die Geschichte der Franziskusschule geht zurück bis ins Jahr 2005. Damals wurde im Rahmen der zweiten Stufe der Schulentwicklungsplanung beschlossen, den Standort an der Bergheimer Straße 67 im August 2008 aufzulösen und stattdessen an gleicher Stelle die Gemeinschaftsgrundschule Bedingrade/Schönebeck ins Leben zu rufen. Traditionell überwiegen im Großraum Borbeck konfessionelle Schulen, die Maßnahme sollte hier ein Gleichgewicht schaffen. Praxisfern war dabei die Gründung einer Dependance für die Bergheimer Straße: Die ehemalige Grundschule Schönebeck – mehrere Kilometer entfernt an der Heißener Straße 49 – wurde zum Abzweig der Gemeinschaftsgrundschule. Diese seltsame Verbindung hielt lediglich sechs Jahre, schon 2014 wanderte die Dependance an der Heißener Straße von der Gemeinschaftsgrundschule Bedingrade/Schönebeck zur katholischen Eichendorffschule an der Heißener Straße 74. Genau diese Entwicklung sollte die jetzt vorgelegte Namensänderung berücksichtigen.

Bürger machen Theater

„Diejenigen, die jetzt ihre Kinder drin haben, wissen nicht einmal, dass sie früher Franziskusschule hieß“, argumentiert SPD-Fraktionschef Schulte-Wieschen. Zudem wolle man einen erneuten Marsch Richtung katholischer Grundschule verhindern. Stattdessen soll die Einrichtung an der Bergheimer Straße Grundschule Bedingrade heißen. „Ich bin mir sicher, dass die Bürger da Theater machen werden“, prophezeit Thomas Mehlkopf-Cao, Fraktionsvorsitzender CDU in der BV IV. „Da freue ich mich schon drauf!“ Der Beschluss der Bezirksvertretung IV ging direkt am nächsten Tag in den Schulausschuss, der neue Vorschlag wird nun wieder Thema der Schulkonferenz: „Die müssen sich dann entscheiden, wie sie sich verhalten“, erklärt Schulte-Wieschen.
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