Nur zwei Klassen, doch MGB will Mädchengymnasium bleiben

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Mädchenförderung in Naturwissenschaft und Technik: Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Auch diesmal wieder sind die Borbecker Schülerinnen bei den RoboCupGermanOpen mit dabei. Fotos: Debus-Gohl
 
Schulleiterin Jutta Reimann - hier im Gespräch mit Autorin Doris Brändlein - hat eine Menge neuer Ideen für das Mädchengymnasium Borbeck.

Gründe für die zurückgegangenen Anmeldezahlen im Mädchengymnasium Borbeck mag es viele geben. Und auch das Nachdenken des Schuldezernenten der Stadt Essen darüber, ob man das Gymnasium auch für Jungen öffnen sollte, mag seine Berechtigung haben. Doch die Argumente für ein Weiterbestehen des einzigen städtischen Mädchengymnasiums in ganz NRW sind nicht von der Hand zu weisen.

„Mädchen können hier ruhiger, sorgfältiger und anders lernen und durch die spezielle Arbeitsweise ihre Potenziale besser entwickeln", weiß Schulleiterin Jutta Reimann. "Solange Frauen im Beruf noch weiter benachteiligt sind, möchten wir unseren Schülerinnen ein modernes Frauen- und Mädchenbild vermitteln. Auch eine Frauenquote kann nur erfüllt werden, wenn qualifizierte Frauen da sind.“ Und Projekte, die die Schülerinnen dahingehend unterstützen, gibt es im MGB jede Menge.

Anmeldezahlen rütteln wach

Business@School, Youthinkgreen, JUNIOR, MINT-Projekte und die Roberta-AG sind nur einige von ihnen. Dabei räumen die MGB-Schülerinnen regelmäßig kräfitg ab. So wie jetzt beim Qualifikationsturnier für den RoboCup 2017 in St. Augustin. Neun Schülerinnen der Jahrgangsstufen 7 bis 10 bilden das erfolgreiche Team „RoboLondon“, das dort die Teilnahme an der deutschen Meisterschaft RoboCupGermanOpen Anfang Mai in Magdeburg gesichert hat.
„Die Mädchenförderung in Naturwissenschaft und Technik ist ein besonderes Anliegen des Mädchengymnasiums und wir freuen uns, dass unsere Teams seit Jahren erfolgreich an diesem Wettbewerb teilnehmen“, betont Dr. Claudia Wolf, die für die Planung und Organisation der MINT Förderung an der letzten Essener Mädchenschule verantwortlich zeichnet, stolz.
Doch die Anmeldezahlen rütteln wach. Den Verantwortlichen ist klar: Um als reines Mädchengymnasium weiter bestehen zu können, erfordert es neue Ideen, Zusammenarbeit und auch Umdenken in vielen Bereichen. Doch für das Lehrerkollegium und die Schulleiterin steht eines definitiv fest: „Wir wollen ein Mädchengymnasium bleiben!“

Konzept wird weiterentwickelt

Deshalb wird fleißig am erweiterten Konzept gearbeitet. „Wir haben Arbeitsgruppen gebildet", verrät die Schulleiterin. Diese sollen die Neuerungen erarbeiten. "Dazu gehört zum Beispiel eine neue Förderkonzeption auch für die fünften und sechsten Klassen", erzählt Reimann. Eltern und Schülerinnen werden mit ins Boot geholt, um „auch berechtigte Kritikpunkte in der neuen Gesamtplanung zu berücksichtigen.“
Und noch eines haben sich die Verantwortlichen auf die Fahnen geschrieben. Die Vorteile "ihres" Gymnasiums sollen künftig noch deutlicher in den Vordergrund gerückt werden.
Dazu gehört ganz sicher ein funktionierender offener Ganztag. Auch daran wird gearbeitet. Moderner, verlässlicher und interessanter soll das Ganze strukturiert werden. Für die Mittagsaufsicht werden drei neue Laptops mit Lernprogrammen angeschafft. Die Schülerinnen können dann selbst aussuchen, in welchem Fach sie üben wollen.
In der vom Förderverein getragenen Mensa bereiten Mütter und Väter das Mittagessen frisch zu. Am MGB nehmen die Kids das Angebot gerne an. Zur Mittagszeit ist es anders als an vielen anderen Schulen richtig voll. Doch das Mädchengymnasium muss kämpfen. Im Schuljahr 2017/18 werden an der Fürstäbtissinstraße in jedem Fall zwei neue Klassen in das Abenteuer Gymnasium starten. Aber eben nur zwei. Und nur durch weitere Anmeldungen kommt man auf eine Schülerinnenzahl von 54 bis 56. "Damit entsprechen wir dann der gesetzlichen Vorgabe einer Klassenfrequenzstärke von 27", ist Reimann die Erleichtung darüber deutlich anzumerken.
50 Jahre alt wird das Borbecker Gymnasium in diesem Jahr. „Auch im Jubiläumsjahr werden wir dafür sorgen, dass die ruhige Lernatmosphäre ein wichtiger Kernpunkt unseres Unterrichtes bleibt. Auch wenn Mädchenförderung im Moment kein „In-Thema“ ist, bleibt es doch für uns eine Herzensangelegenheit.“

Text: Doris Brändlein
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