Runder Tisch, runde Sache! Dellwiger Kümmerer pflegen Willkommenskultur

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Willkommen in Dellwig (v.l.): Michael Tamm, Gruppenlotse „Männer“, Margarete Tamm, Gruppenlotsin „Sprachkurse“, Hendrik Löcken, Gruppenlotse „Jugendliche“, Catrin Fiswick, Gruppenlotsin „Frauenbegegnung“, Mark Krüger, Schulleiter Kraienbruchschule, Moderatorin Anna Bartmann-Hill, Medina Mesenovic, Leitung Zeltdorf Levinstraße, sowie Karl-Heinz Krieger, evangelische Kirche Samoastraße, planen zahlreiche Angebote für die Neuankömmlinge. Foto: AMü

Willkommenskultur pflegen und Anker für die Flüchtlinge des Zeltdorfs an der Levinstraße sein will der Runde Tisch Dellwig. Jede Menge Ideen zur Integration der Neuankömmlinge sammelte die Runde auf ihrer dritten Sitzung am Dienstag, erst vergangene Woche luden die Mitglieder Frauen und Kinder aus dem Zeltdorf zu einem Willkommensfest in die Gemeinde St. Michael ein.

„Ich kann bis heute nicht fassen, wie schön das war“, schildert Catrin Fiswick, Lotsin der Gruppe „Frauenbegegnung“, ihre eindrücklichen Erlebnisse vom Treffen am letzten Samstag. Mit dem Willkommensfest nahm der Runde Tisch Dellwig offiziell seine Arbeit auf, rund 90 Frauen und Kinder aus dem Zeltdorf Levinstraße folgten der Einladung ins Gemeindeheim St. Michael.
„Wir wurden sofort von den Kindern in Beschlag genommen“, lächelt Gruppenlotsin Fiswick. Für die Kurzen hatte die Katholische Junge Gemeinde Bewegungsspiele auf der Wiese vorbereitet, die Kleinsten beschäftigten sich beispielsweise mit Bilderbüchern. „Die Kinder hatten viel Spaß, die Damen hatten viel Spaß“, freut sich Fiswick.
Zusätzlich wollten die Mitglieder ausloten, wie viel Interesse an Näh-, Strick- oder Tanzkursen besteht. In typisch deutscher Manier war ein Flipchart mit Strichliste und Tabellen vorbereitet, nur: „Am Ende hatte ich für jedes Angebot sechs Frauen, sechs Kinder stehen“, schmunzelt Anna Bartmann-Hill, Moderatorin Runder Tisch Dellwig, über die nicht gerade geordnete Begeisterung der Besucher. Kein Zweifel, das Interesse ist da!

Sorgenkind Levinstraße

Das Zeltdorf an der Levinstraße war lange Sorgenkind der Stadt Essen, selbst Ordnungsdezernent Christian Kromberg ließ öffentlich seine Bauchschmerzen angesichts der Standortwahl durchblicken: Als problematisch eingestuft wurden unter anderem Bewässerung, Zuwegung und Platz. Gleichzeitig machte die Bürgerinitiative „Dellwiger Frieden“ in der Bezirksvertretung IV und auf mehreren Demonstrationen auf sich aufmerksam.
Von der aufgeheizten Stimmung im Stadtteil nicht beirren ließen sich die Mitglieder des Runden Tischs Dellwig. Das erste offizielle Treffen stieg schon am 16. März in der Friedenskirche in Dellwig, damals organiserte das Gremium bereits die Gruppen Frauen, Männer, Kinder, Jugendliche und Sprachförderung. Die tatsächliche Zuweisung ins Dorf startete am 9. Mai, zwischenzeitlich war die Einrichtung mit knapp 380 Flüchtlingen fast voll.

Runder Tisch, runde Sache!

Konkrete Planungen zur Integration der Neuankömmlinge in Bezirk, Stadt und Land waren deshalb Thema der dritten Sitzung des Runden Tischs am vergangenen Dienstag: „Wer würde was übernehmen?“ Der Runde Tisch umfasst inzwischen mehr als 130 Mitglieder, neben zahlreichen Ehrenamtlichen sind Vertreter von Gemeinden, Schulen und Kindergärten sowie AWO, Caritas und anderer Träger aus dem Stadtteil an Bord. „Wenn so unterschiedliche Menschen zusammen sind, kommen unglaublich viele Ideen und Vorschläge“, weiß Moderatorin Bartmann-Hill.
Und die gibt's tatsächlich zuhauf: Längst zum guten Ton gehören Sportangebote – allen voran Fußball – für große und kleine Männer, bei einer Hörprobe von Beyoncé bewies auch die Damenwelt mit einer spontanen Tanzeinlage ihre Affinität für Bewegung. Musikalisch wird's Dank des Bläserkreises Schilfstraße, acht Flüchtlinge könnten in Trompete, Posaune oder Tuba blasen. Besonders außergewöhnlich ist aber die Idee einer Ehrenamtlichen, die Experimente mit den Flüchtligen plant. Achtung! „Mit“, nicht „an“! Im Rahmen des Projekts „Physik für Flüchtlinge“ werden Materialien von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und der Georg-August-Universität Göttingen bereitgestellt, das spielerische Experimentieren ist nicht nur schöne Abwechslung zum Alltag.

Organisatorisches ...

Nicht zu kurz kamen organisatorische Fragen: Wann ist mit der Einschulung zu rechnen? Wer kümmert sich während der Sprachkurse um die Kinder? Haben die Flüchtlinge Lust auf Public Viewing, welche Mannschaften wollen sie sehen? Auch die Fluktuation stellt eine Schwierigkeit dar, so wurden beispielsweise gerade erst 30 besonders Schutzbedürftige nach Heidhausen verlegt.
Die nächste Sitzung des Runden Tischs Dellwig ist bisher noch nicht terminiert, kontaktieren kann man die Ehrenamtlichen per E-Mail an rtd2016@t-online.de sowie auf der Facebookseite des Runden Tischs Dellwig.
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