Kolumne "Blick ins Leben" von Heidi Prochaska

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Lächeln ohne Grund
Jeden Morgen überquere ich eine sehr befahrene Straße, um ins Büro zu kommen. Autos, LKWs und Busse quälen sich die Straße hinab Richtung Innenstadt oder den Berg hinauf zur Autobahn. Ich parke mein Auto am Randstreifen und muss mich entscheiden: laufe ich zur nächsten Fußgängerampel oder nehme ich den geraden Weg über die Straße.

Autokolonnen ziehen an mir vorbei ohne die Chance einer Lücke. Ich bin spät dran. Leicht angespannt und ungeduldig schaue ich eher mürrisch auf den Verkehr. Plötzlich erinnere ich mich an eine Übung, die ich schon vor vielen Jahren gelernt habe. Ich lächle. Ich ziehe die Mundwinkel nach oben und lächle, einfach so – ohne Grund.

Lächelnd schaue ich den ersten mir entgegenkommenden Autofahrer an. Keine Reaktion. Ich mache weiter. Der zweite lächelt zurück, zuckt hilflos mit den Schultern und signalisiert mir, er würde mich vorbeilassen, wenn das nachfolgende Auto nicht so eng hinter ihm fahren würde. Der dritte Autofahrer grinst mich breit an und hält. Sein Verhalten wird zum Vorbild für denjenigen auf der nächsten Spur.

Lächelnd und sichtlich gut gelaunt halte ich den Verkehr für wenige Sekunden an und überquere sicher die belebte Straße. Im Büro lächle ich die Kollegin an und meinen ersten Kunden.

Die Übung, an die ich mich erinnerte heißt Lächeltraining. Jeden Morgen stand ich vor dem Spiegel und lächelte mich drei Minuten an. Das Ziel war, die Mundwinkel Richtung Ohren zu ziehen, mich anzugrinsen und vielleicht auch einmal über mich selber zu lachen. Einfach so – ohne Grund.
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