Mein erstes Mal bei der Blutspende

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Augen zu und durch! Blutspende in Borbeck. Foto: Winkler
 
Blutproben kommen in die Untersuchung, der Rest wird gespendet. Foto: Winkler

Ich bin so etwas wie ein Paradebeispiel oder der Musterfall: jung, kerngesund, normalgewichtig, Nichtraucher, ich ernähre mich ausgewogen, treibe Sport, mein Blutdruck ist bei 120:80, meine Temperatur liegt um die 37 Grad. Einer Blutspende steht also nichts im Wege. Außer: Ich gehe einfach nicht hin.

Wahrhaftig: In den über zehn Jahren, während derer ich mittlerweile spendeberechtigt gewesen bin, habe ich es nicht ein einziges Mal geschafft, diesen Schritt zu gehen. Erst machte der Kreislauf Probleme, später wurde ich von der Volkskrankheit Schlendrian erfasst und überließ stets lieber anderen den Vortritt. Jetzt aber ist der Punkt gekommen, wo ich mir endlich einmal die Zeit nehme und Charakter zeige. Schließlich weiß ja jedes Kind, wie simpel aber vor allem wichtig Blutspenden doch eigentlich ist. Oder? In direkter Nachbarschaft, in den Räumlichkeiten des Mädchengymnasiums Borbeck, bietet sich mir sogleich Gelegenheit, es herauszufinden.

Trinken und noch mehr trinken

Doch bereits bei der Anmeldung scheinen die Sterne auf „Umdrehen“ zu stehen. „Der Computer nimmt Sie nicht auf“, grinst die freundliche Empfangsdame. Wegschicken möchte sie mich dennoch nicht. „Ich hole Hilfe, derweil können Sie ruhig noch etwas trinken, haben Sie sicherlich noch nicht ausreichend.“ Womit sie Recht hat, auf rund eineinhalb Liter habe ich es bisher - es ist vier Uhr am Nachmittag - gebracht, was schon reichlich für mich ist, zwei hätten es aber mindestens sein sollen. Also schütte ich erst einmal ein Glas Wasser ein. Zum Wohle.
Wenige Minuten arbeite ich mich durch den Krankheitskatalog. Hepatitis-Erkrankungen? Keine. Nicht einmal Allergien. Auch Tabletten nehme ich keine ein. Kritische Auslandsreisen ? Nicht in jüngster Zeit. So leiste ich meine drei Unterschriften und begebe mich zu Station Zwei, wo mithilfe eines kleines Piksers ins rechte Ohrläppchen der Hämoglobinwert bestimmt wird. Und nebenbei meine Temperatur gemessen. Check, weiter zum vertraulichen Arztgespräch. Mein Blutdruck ist vorbildlich, meine Selbstauskünfte des Fragebogens okay. Zum Dank meiner Spende erhalte ich sogar noch einen schmucken Bleistift. Kann man in meinem Job sogar gebrauchen.

Das Blut fließt nicht

Dann endlich komme ich auf die Liege. „Alles in Ordnung?“, klaro, die Nachfrage von Claudia Kammel war die letzte Gelegenheit, einen Rückzieher zu machen, bevor sie die Nadel ansetzt. Doch schon bei der schwierigen Suche nach der Ader deutet sich an, dass sich der Idealkandidat zu einer Pleite entwickelt. Der Moment des Einstichs ist unangenehm, aber zu ertragen, und nach wenigen Minuten wird schon wieder abgebrochen. „Das Blut läuft nicht, die Ader ist zu zart“, erklärt Kammel. Erst 150 Milliliter habe ich gespendet, die verbleibende Zeit, denn mehr als eine Viertelstunde darf die Prozedur nicht dauern, würde für die 500 nicht ausreichen. „Das kann schon mal passieren“, tröstet Entnahmedienstleitung Hildegard Korwes die enttäuschte Patientin, „Einfach in zwei Monaten wieder kommen und noch mal probieren.“ Das werde ich, denke ich, als ich ins Brötchen beiße, das neben Würstchen, Waffeln und mehr als Stärkung auf alle Spender wartet. Meinen Spendeausweis bekomme ich ja dennoch, plus meines Untersuchungsergebnisses (getestet wird auf HIV, Hepatitis, Syphilis etc.).

Spendentermine, auch in Borbeck, gibt´s aktuell unter www.blutspendedienst-west.de oder 0800/1194911 .
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