Brezelkönig: Marlon hat's wieder getan!

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Da war das aktuelle Backwerk noch heil: Marlon, der Brezelkönig der Jahre 2016 und 2015, zeigt es Julia, seiner Königin aus dem vergangenen Jahr. Fotos: Debus-Gohl
 
Wer die Brezel gekonnt abschlagen will, muss über Kraft und viel Fingerfertigkeit verfügen.

Die alte Tradition des Brezelschlagens war wieder einer der Höhepunkte beim Straßenfest der Siedlergemeinschaft Essen-Gerschede 1932 e.V. Beim Festumzug, der vom Spielmannszug „In Treue fest“ begleitet wird, genießt es Marlon Möllmann, Brezelkönig 2015, mit seiner Brezelkönigin Julia Budimir im Cabrio mitzufahren. „Ich werde natürlich auch in diesem Jahr beim Brezelschlagen mitmachen und möchte wieder König werden", sagt er und sortiert sich ein in die Reihe der Kinder, die schon bereit stehen.

Niemand kennt so ganz genau den Ursprung des Vergnügens, aber als man in der Siedlung an der Triftstrasse und dem Stratmanns Hang 1935 damit angefangen hat, ging das auf eine Initiative von kinderreichen Familien zurück, die ihren Kindern ein Fest bieten und mit den Nachbarn zusammen ein paar fröhliche Stunden verbringen wollten. Beim Bäcker wurde eine große Brezel bestellt und mit einer Draht-Verschalung auf einem Brett befestigt. Das machte man mit Hilfe eines Seils an einem Kirschbaumast fest. Derjenige, der den letzten Krümel des Backwerks abschlug, war für ein Jahr Brezelkönig und durfte seine Königin auswählen.
An der Technik hat sich bis heute nicht viel geändert, sieht man einmal davon ab, dass das Brezelbrett heute an einem Holzgalgen aufgehängt wird. Jedes Kind darf dreimal mit einem Axtstiel auf die Brezel schlagen und einige tun das mit vollem Körpereinsatz, andere sind eher zaghaft.

Eckenbeck holte einst den Titel

Wolfgang Glade, 1. Vorsitzender der Siedlergemeinschaft, feuert mit seinem Megaphon die Teilnehmer an – und jetzt dürfen auch die Papas und Mamas auf die Brezel schlagen. Und dann ruft er auch noch „Omma“ Jutta zur Hilfe. Jutta Eckenbach ergreift gerne den Holzknüppel, um den Kindern zu helfen, war sie doch selbst auch schon Brezelkönigin.
„Als kleines Kind durfte ich beim Brezelschlagen nicht mitmachen“, erinnert sich die Politikerin, die für die CDU im Bundestag sitzt, „damals durften Mädchen überhaupt nicht teilnehmen. Aber heute hat sich auch hier die Gleichberechtigung durchgesetzt", meint sie augenzwinkernd.
Eckenbach, die in der Siedlergemeinschaft seit ihrer Geburt ihr Zuhause hat, lebt seit 1970 wieder in ihrem Elternhaus in der Triftstrasse. „Wir haben zeitweise mit vier Generationen unter einem Dach gewohnt, deshalb ist mir auch heute Familie noch sehr wichtig“, erzählt sie. „Der Zusammenhalt innerhalb der Siedlung hat sich nicht verändert, auch die vielen neu zugezogenen Familien mit ihren Kindern sind fast alle Vereinsmitglieder und engagieren sich.“
Das bestätigt auch Alexandra Möllmann, die mit ihrer Familie seit neun Jahren in der Siedlung lebt. „Ich kann mir nicht vorstellen wieder hier wegzuziehen, das ist so eine tolle Gemeinschaft", sagt sie und freut sich mit ihrem Sohn Marlon, der das geschafft hat, was bis heute nur wenigen Menschen gelungen ist: Er ist das zweite Mal hintereinander Brezelkönig. Stolz zieht er das leuchtend rote T-Shirt mit der Aufschrift "Brezelkönig 2016" über, schaut sich um und wählt in diesem Jahr Carina Goworek zu seiner neuen Königin. Die beiden kennen sich gut, spielen sie doch regelmäßig Fußball zusammen.

Tradition erhalten

Auch Wolfgang Glade, Pfarrer und Superintendent im Ruhestand, freut sich und ist sehr zufrieden mit dem ehrenamtlichen Engagement der Vereinsmitglieder. „Auch durch die jüngeren Vorstandsmitglieder versuchen wir, viel von der Tradition zu erhalten. Bei den zahlreichen Aktivitäten, wie Geburtstagsbesuche, Senioren- und Handarbeitskreis, Adventsfeier, Nikolausbesuche und Glühweintreffen (wir berichteten) engagieren sich die Mitglieder, und der Zusammenhalt in der Siedlung ist schon außergewöhnlich." Wer die Brezel gekonnt abschlagen will, muss über Kraft und viel Fingerfertigkeit verfügen.

Text: Doris Brändlein
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