Flöhe als Stars beim Schlossparkfest

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Manege frei für die Mini-Artisten. Robert Birk ist Direktor des kleinsten Zirkus der Welt. (Foto: Debus-Gohl)
 
Kaum mit dem bloßen Auge zu erkennen. Floh Fridolin am Elfmeterpunkt. (Foto: Debus-Gohl)

"Herr Müller hatte einen Floh, der stach Herrn Müller irgendwo…". Während Herr Müller in dem Gedicht von Joachim Ringelnatz sogar zur Schere griff, um seinen lästigen Hausgenossen loszuwerden, tut Robert Birk alles dafür, dass es seinen Flöhen gut geht.

von Doris Brändlein 

Robert Birk ist Direktor des kleinsten Zirkusses der Welt – einem Flohzirkus. Der machte am Wochenende Halt beim Schlossparkfest in Borbeck und viele neugierige Besucher ließen sich von den erstaunlichen Fähigkeiten der bernsteinfarbenen Sechsbeiner begeistern.
Da gab es Augustine, die Starke, zu beobachten, die ein winziges Karussell dreht. Oder Fridolin, den Fußballer, der es immer wieder schafft, einen kleinen weißen Fußball ins Tor zu schießen. 140 Flöhe hatte Birk mitgebracht, 40 davon stecken in einem winzigen Geschirr aus lackiertem Kupferdraht und warten auf ihren Auftritt. Und der ist spektakulär.
Ein Floh wiegt ungefähr 0,2 Milligramm, kann aber eine kleine Kutsche ziehen, die über 30 Gramm schwer ist. Wollte ein Mensch die gleiche Leistung erbringen, müsste er einen beladenen Güterzug bewegen. Auch die Sprungkraft der Insekten ist enorm. Bis zu zwanzig Zentimeter hoch kann ein Floh springen. Auf den Menschen übertragen, wäre das ein Sprung über den Kölner Dom, der 157 Meter hoch ist.
Zurück zu Robert Birk. Wenn er mit seinen Flöhen unterwegs ist, regelmäßig auf dem Oktoberfest oder auch schon mal bei TV Total, nimmt er sich morgens und abends drei Stunden Zeit um sein Artisten zu füttern. Und da es seit dem Entstehen der Attraktion Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute keine Alternative gibt, die Blutsauger am Leben zu halten, setzt Birk die Flöhe auf seinen Arm und lässt sie Blut trinken. „Man muss die Tiere nur lange genug saugen lassen“, weiß er, „sobald sie altes Blut ausscheiden, sind sie satt und können wieder in ihr Holzkästchen zurück. Das lange Saugen verhindert dann auch den lästigen Juckreiz an der Bissstelle“, erzählt Birk.

Nachwuchs kommt vom Bauernhof

Da die Tiere eine Lebensdauer von maximal einem Jahr haben, muss sich der Zirkusdirektor immer wieder um Artisten-Nachwuchs kümmern. „Dazu gehe ich auf einen Bauernhof und kämme die Katzen. Dann werden sofort die weiblichen Tiere aussortiert. Nur die eignen sich zur 'Dressur', weil sie größer sind als die männlichen Flöhe“, verrät Birk.
Zuhause fängt dann das Beobachten an. Die Flöhe unterscheiden sich in Springer und Läufer und je nach ihren persönlichen Stärken kommen sie zum Einsatz.
Sandra Siepert aus Kupferdreh freut sich: „Ich habe 27 Jahre in Borbeck gelebt und bekomme von meiner Kollegin immer den Borbeck Kurier. Da habe ich von dem Flohzirkus gelesen und wollte das unbedingt sehen“. Ihre Freunde Petra und Walter Baurichter hat sie nach Borbeck mitgebracht und alle drei sind begeistert von der klassischen Jahrmarktstradition, die schon seit 150 Jahren die Besucher in Staunen versetzt.

Ölgemälde gekonnt versteigert

Flöhe anderer Art waren bei der Eröffnung des Schlossparkfestes am Freitag gefragt. Auf Initiative des Essener Schaustellerverbandes hat der Künstler Gus Breuer aus Euskirchen den historischen Jahrmarkt im Schlosspark auf einem Ölgemälde verewigt und das wurde von Bürgermeister Rudolf Jelinek gekonnt versteigert. Der Auktionator feuerte mit launigen Sprüchen immer wieder das Publikum an und Bundestagsabgeordneter Arno Klare bekam nach dem Bieterduell den Zuschlag. 400 Euro kommen der Essener Elterninitiative zur Unterstützung krebskranker Kinder e.V. zugute und Klare nennt ein Schmuckstück sein Eigen, das ihn, vielleicht an seiner Bürowand hängend, an Borbeck erinnert.
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