The Schönebeck-Air: Ommas letzte Radtour

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"Du, Omma ... Wo fährste denn jetzt mit dem Fahrrad hin?" "Zum Friedhof, mein Kind." "Du, Omma...und wer bringt das Fahrrad zurück?" - Ja, der Witz ist böse. Ich weiß. Doch wir haben es hier in Schönebeck mit Friedhöfen.

Neben dem Terrassen haben wir noch einen weiteren zu bieten. Für Ortsunkundige liegt er fast unsichtbar an der Heißener Straße. Unauffällig fristet er sein Dasein da am Südhang. Und gäbe es nicht diesen über 100 Jahre alten unter Naturschutz stehenden monumentalen Bergahorn im Eingangsbereich, würde man den kleinen und gepflegten Schönebecker Friedhof wohl noch leichter übersehen.
Seit Generationen beerdigen die Schönebecker Katholiken hier ihre Verstorbenen. Fast 100 Jahre lang fanden die "Aussegnungen" in der uralten Leichenhalle von 1902 statt. Diese Modell-Totenhäuschen gab es bis vor 40 Jahren überall in Groß-Borbeck. Doch als dann neue und moderne Trauerhallen gebaut wurden, verschwand eine nach der anderen von der Bildfläche.
Eine ist allerdings geblieben. YESSS! Wir haben sie! Nach der Einweihung der neuen Trauerhalle in den 90ern wurde sie behutsam restauriert und dient heute als Kapelle und Ort der Ruhe. Fast unvorstellbar, dass in dieser winzigen Behausung noch vor ein paar Jahren bis zu vier "Speckkisten" zeitgleich auch gerne mal offen neben einander standen.
Ich kann mich noch gut an die Beerdigung meiner Omma erinnern. Vor allem daran, dass mich am Abend vorher beim Betreten der Halle gleich zwei weitere fremde Augenpaare aus den Särgen angelinst haben. Das war schon extrem gruselig.
Heute kann man hier gut mal nen Augenblick verweilen. Ganz schön, um mal aus dem Alltagsstress runter zu fahren. Wenn man so die Friedhofswege entlang läuft, fallen einem eigentlich überall bekannte Namen auf und ruck zuck schwelgt man mit seinen Erinnerungen in vergangenen Zeiten. Eine traumhafte Aussicht aufs Buchenwäldchen und die umliegenden Äcker begleitet einen während der ganzen Runde und kurz vorm Verlassen des Friedhofs trifft man auf gleich drei Highlights. Die schönste Trauerhalle in Essen und Umgebung, eine von einem edlen Spender gestiftete Kreuzigungsgruppe und die handwerklich schön gestaltete Zaunanlage des Friedhofs. Na, wer erkennt die Zäune? Richtig! Ursprungs standen sie mal vor dem Kloster Emmaus. Während der Umbauarbeiten wurden sie vom verstorbenen Schönebecker Friedhofsgärtner Willi Holtwiesche vor dem Schrott gerettet, von den Nönnekes gespendet, dann aufbereitet und ihrer neuen Bestimmung übergeben. Recycling auf höchstem Niveau. Das wär ja auch ne Sünde und ne Schande gewesen. Also, wenn et dann irgendwann mal soweit ist, kann man et hier, glaub ich, ganz gut aushalten ...
Bis die Tage.
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2 Kommentare
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Gottfried (Mac) Lambert aus Goch | 24.04.2016 | 12:26  
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Anastasia-Ana Tell aus Essen-Ruhr | 24.04.2016 | 12:51  
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