Der Herr der Schiedsrichter: Torsten Schwerdtfeger ist KSO in Essen

Anzeige
Torsten Schwerdtfeger, Stefan Niehüser und Justin Kersten mit den letzten technischen Vorbereitungen für den Lehrabend der Essener Schiedsrichter im Chorforum. (Foto: Debus-Gohl)
 
"Wenn wir 50 Schiedsrichter mehr hätten, würde uns das auch nicht weh tun", sagt KSO Torsten Schwerdtfeger. Im Frühjahr beginnt ein neuer Vorbereitungslehrgang. (Foto: Debus-Gohl)

Torsten Schwerdtfeger ist Realist. "Gewalt ist immer ein Thema im Fußball. Dafür passiert einfach zu viel." Doch der Essener Kreisschiedsrichter-Obmann sieht gute Ansätze. Der Appell des Kreisvorsitzenden Thorsten Flügel nach den Gewaltausbrüchen im vergangenen Jahr habe Wirkung gezeigt. "Es wurden nicht alle Probleme gelöst. Aber die flankierenden Maßnahmen greifen."

Dennoch, hätte der 31-Jährige, der seit der Fusion der beiden Essener Fußballkreise erst der zweite gemeinsame KSO ist, drei Wünsche frei, stünde mehr Respekt gegenüber den Schiedsrichtern ganz oben auf der Liste. "Emotionen gehören im Sport dazu. Aber es macht nicht immer Spaß, was man sich als Spielleiter anhören muss." Schwerdtfeger weiß, wovon er spricht. Seit 16 Jahren steht er selbst als Referee auf dem Platz. Er gehört zu den drei Essenern, die in der Regionalliga assistieren. Sein letzter Einsatz in der RL: Die Partie SV Rödinghausen gegen SC Wiedenbrück. Da hat er an der Linie gestanden.
"Die Schiedsrichterrei hat sich verändert", räumt er ein. "Es ist nicht mehr so wie zu meinen Anfängen." In Ausbildung und Schulungen versucht man im Kreis, den Nachwuchs auf die neuen Töne auf dem und neben den Plätzen vorzubereiten. Deeskalationsfähigkeiten, auch über die muss ein Schiedsrichter heute verfügen.
Die Pfeife aus diesem Grund an den Nagel zu hängen, das kommt für Torsten Schwerdtfeger nicht in Frage. "Ich mache das sicher keine hundert Jahre mehr, aber momentan bin ich einfach zu gerne Schiedsrichter." Für seine Leidenschaft opfert er einen Großteil seiner Freizeit. An den Wochenende ist er als Schiedsrichter im Einsatz, 40 bis 50 Spiele pro Jahr. Und das neben einem Fulltime-Job. Da müssen die KSO-Aufgaben oftmals auch schon mal in die Woche verschoben werden. Unter zehn Stunden Arbeitsaufwand, an PC oder Telefon, kommt der Projektkaufmann in Diensten der Bahn selten weg. Zusätzlich zum Job. "Aber gegen 20 Uhr ist in der Regel Schicht im Schacht, das musste ich meiner Frau versprechen."
Die hat eine Menge Verständnis für das Ehrenamt ihres Gatten. Schließlich pfeift sie seit langen Jahren selbst. In der Oberliga bis heute aktiv, früher auch in der zweiten Frauenbundesliga und als Assistentin war sie sogar im Oberhaus aktiv. Dass sie kurz nach dem Jahreswechsel wenig von ihrem Mann haben wird, ist ihr bewusst. Denn die anstehenden Hallenstadtmeisterschaften sind auch für die Schiedsrichter eine Mammutaufgabe. 30 von ihnen werden die an vier Wochenenden angesetzten Paarungen leiten. "Ohne mein Team würde vieles nicht so rund laufen", räumt Schwerdtfeger ein. Auf insgesamt neun Schultern verteilen sich die Aufgaben im Kreisschiedsrichterausschuss. Im März 2019 wird im Kreis neu gewählt. "Stand jetzt", so erklärte der amtierende KSO, "mache ich weiter."
Durchhaltevermögen und starke Nerven, dazu eine gehörige Portion Organisationstalent und ein starkes Team - das sind für den 31-jährigen Essener die Dinge, die er als Kreisschiedsrichterobmann braucht. 270 Schiedsrichter - der älteste ist über 80 - sind im Kreis Essen aktiv. Mit Christian Bandurski und Sven Waschitzki assistieren zwei sogar in der ersten Bundesliga. "Dann geht es runter bis in die Kreisliga C", so Schwerdtfeger. Und auch bei Jugendspielen sind die Referees aktiv. "Ab der D-Jugend werden Spiele geleitet. Im Juniorenbereich können wir längst nicht mehr alle Partien besetzen." Über Nachwuchs würden sich die Essener in jedem Fall freuen. Im März beginnt beim Fußballverband Niederrhein ein neuer zentraler Ausbildungslehrgang, im Sommer wird auf Kreisebene ausgebildet.
Für die angehenden Nachwuchsschiedsrichter werden die Fusion und die Bemühungen um ein Zusammenwachsen der ehemaligen Kreise Nordwest und Südost kein Thema mehr sein. "Wir sind auf einem guten Weg", erklärt Schwerdtfeger auf den Prozess angesprochen. "Die Grenzen in unseren Köpfen sind abgebaut. Wir wachsen als Gemeinschaft zusammen." Neue zentrale Treffpunkte für Lehr- und Infoabende tragen mit dazu bei. 
1
Einem Mitglied gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.