Nachwuchsschiris aus Borbeck

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Thiemo Bartsch, Daniel Schierok und Nico Burkowski haben als Fußballer bei der SG Essen Schönebeck angefangen, sind inzwischen als Schiedsrichter in den U19 Kader des Fußballverbandes Niederrhein gerückt. Fotos (2): cHER
 
Ein spezieller Koffer für Outfits und Equipment. Neben Pfeife und Karten dürfen eine Uhr sowie Trikots, Hose und Stutzen in verschiedenen Farben nicht fehlen. „Wir müssen als Schiedsrichter erkennbar sein und wissen ja nicht, in welchen Farben die Mannschaften auflaufen.“

Schon als kleine Jungs standen sie gemeinsam auf dem Fußballplatz. „Wir haben bei der SG Essen Schönebeck in einer Mannschaft gespielt“, erinnert sich Thiemo Bartsch.



Dass die drei Jungs gemeinsam auf dem Rasen auflaufen, das kommt auch heute ab und zu noch einmal vor. Noch immer tragen sie dann dasselbe Trikot. „Aber nicht mehr das der SGS“, erklären Daniel Schierok und Nico Burkowski.
Irgendwann haben sie das Fußballtrikot an den Nagel gehängt und die Seiten gewechselt. „Wir haben einen Schiedsrichterlehrgang absolviert und pfeifen heute regelmäßig Spiele der Herren Kreis- oder Bezirksliga.“ Regelmäßig, das bedeutet für die Jungs eine Spielansetzung pro Wochenende, nicht selten sogar zwei. Das mit Studium, Ausbildung oder dem Schichtdienst als FSJler beim Rettungsdienst der Feuerwehr unter einen Hut zu bekommen, erfordert gewisse logistische Qualitäten.
Zumal die drei damit ja noch nicht am Ende sind. Vom Kreis 13 wurden sie zur Sichtung gemeldet, haben inzwischen den Sprung in den U19 Kader des Fußballverbands Niederrhein geschafft. 20 Nachwuchsschiedsrichter sind dort zusammengefasst.
Für Thiemo, Daniel und Nico bedeutet das: Vier Wochenenden im Jahr sind fest für Schulungen in der Sportschule Wedau reserviert. Lauftests und Regelkunde, Referate von DFB-Trainern und Fitness-Coaches stehen dort für den Schiedsrichter-Nachwuchs auf dem Programm.
„Es macht uns einfach Spaß“. Eine simple Erklärung dafür, dass die drei kein Problem damit haben, über deutlich weniger Freizeit an Wochenenden und Abenden zu verfügen als viele ihrer Freunde. „Denn auch während der Woche kommt es zu Spielansetzungen.“
Unter den aktuellen Bundesliga-Schiris haben die drei ihre erklärten Favoriten. „Sicherlich wäre es toll, selbst einmal so hoch zu pfeifen“, räumt Thiemo ein. „Doch man muss realistisch sein. Wieviele Schiris aus der gesamten Bundesrepublik schaffen das letztendlich?“
Die drei Borbecker Nachwuchsschiris stecken ihre Ziele nicht ganz so hoch. „Wir wollen uns Schritt für Schritt weiterentwickeln, das nächste Ziel ist immer die nächst höhere Liga.“
Kaderbedingt laufen die drei regelmäßig bereits in der Regionalliga auf. „Wir pfeifen die C-Jugend Regionalliga und die U21 A-Jugend Niederrheinliga“, berichtet Daniel. Für die Jungschiedsrichter sind solche Spiele noch immer besondere Erlebnisse. „Da triffst du auf Mannschaften wie Borussia Dortmund, den MSV Duisburg oder Fortuna Düsseldorf, die über ein sehr professionelles Umfeld verfügen.“ Davon profitieren auch die Schiedsrichter.
„Der Ton auf dem Platz ist definitiv ein anderer“, räumen die drei ein. Und der kann - gerade in den unteren Ligen - durchaus auch schon mal ordenlich ruppig sein. „Da muss man durchgreifen, souverän sein, die Führung in der Hand behalten“, sind sich die drei einig. „Zumal du ja die meisten Spiele in den unteren Ligen ohne Assistenten pfeifst und als Schiedsrichter allein auf dem Platz stehst.“
Angst vor gewalttätigen Übergriffen haben sie keine. „Das kann dir ja überall passieren“, lassen sie sich auch nicht von den Vorfällen der jüngsten Vergangenheit schocken.
Da ist Persönlichkeit gefordert. „Da entwickelst du dich enorm weiter, durch die Begleitung, das Feedback, das man nach einer Beobachtung bekommt.“
Auch für das normale Leben, erklären die Nachwuchsschiedsrichter unisono, profitierten sie von diesen Entwicklungen. „Ich bin beispielsweise viel organisierter“, erklärt Nico. „Das hat sich auch auf die Schule positiv ausgewirkt.“ Kritikfähigkeit, Pünktlichkeit, Selbstbewusstsein, eine gute sportliche Konstitution und die Fähigkeit, sich selbst und die anstehenden Aufgaben organisieren zu können - das muss ein Schiedsrichter mitbringen. „Egal, wie alt oder jung er ist.“
Das sind nicht bloß große Worte. „Wir müssen in einer halben Stunde am Platz sein, haben heute Abend noch ein Freundschaftsspiel zu pfeifen.“ Die Jungs haben die Uhr fest im Blick. Gott sei Dank ist die Anreise diesmal nicht allzuweit. Eine Sportanlage in Altenessen.
Ein letzter Blick in die kleinen Schiedsrichterköfferchen und dann kann´s los gehen. „Das Spiel beginnt zwar erst um 20 Uhr, doch als Schiedsrichter hast du vor dem Anpfiff noch eine Menge zu erledigen“, erklärt Daniel.
Platzbegehung mit Kontrolle der Netze und Markierungen sowie Paßkontrolle gehören zu den Aufgaben der Referees. „Ist aber halb so wild“, winken die drei ab. „Das hat man ganz schnell drauf.“

Lehrgang:
Ab Donnerstag, 5. Februar, 19 Uhr, beginnt beim ESPO an der Steeler Straße 38 (Hauptbad) ein neuer, gemeinsamer Schiedsrichter-Anwärterlehrgang der Fußballkreise 12 und 13. Teilnahme ab 14 Jahre. Insgesamt stehen sechs Lehrgangsabende (Dienstag und Donnerstag) auf dem Programm, am 26. Februar, 18.30 Uhr, findet die Prüfung auf der BSA Überruhr statt. Die Teilnahme an dem Lehrgang ist kostenlos. Info und Anmeldung bei Christian Sorgatz, Tel. 0163/8261054, oder Christian Kloppenburg, Tel. 0177/6162119.

Von Christa Herlinger
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