Vor 60 Jahren holte der RWE die Meisterschale nach Essen

Anzeige
Das Meisterbild: Rot-Weiss Essen durfte sich nach dem Sieg über Kaiserslautern als Deutscher Fußballmeister 1955 feiern lassen. (Foto: privat)
 
Nach dem Abpiff kannte die Begeisterung unter den Rot-Weissen-Anhängern keine Grenzen. Mit dem RWE hatte erstmals nach dem Krieg wieder ein Verein aus dem Westen den Deutschen Meistertitel gewonnen. (Foto: privat)

Georg Schrepper hat das Datum genau im Kopf. Obwohl der inzwischen sechs Jahrzehnte zurückliegt. Es geht um Freitag, 26. Juni 1955. Bei eingefleischten Rot-Weiss-Fans fällt der Groschen sofort. Vor über 80.000 Zuschauern ging es im Niedersachsen-Stadion in Hannover um den Titel des Deutschen Fußballmeisters. Rot-Weiss Essen gegen den 1. FC Kaiserslautern. 4:3 besiegte der RWE die Roten Teufel und holte den Titel in den Pott.

Georg Schrepper kennt sich aus mit der Rot-Weissen-Meistersaison, mit der Mannschaft und dem damaligen dreifachen Torschützen Penny Islaker, der am Erfolg des Teams von der Hafenstraße maßgeblich beteiligt gewesen ist. Der Oberstudienrat aus Borbeck, begeisterter Hobbyfußballer und glühender Rot-Weiss-Fan, war als Sieberjähriger erstmals im Stadion an der Hafenstraße. Seine Begeisterung für den Club ließ ihn zum Buchautor werden.

Deutscher Meister ist nur dr RWE

Gemeinsam mit Uwe Wick hat Schrepper bereits mehrere Bücher über den RWE veröffentlicht. Im jüngsten Werk der beiden dreht sich alles um den Titelgewinn der Hafenstraßen-Kicker: „Deutscher Meister ist nur der RWE - Die goldenden 50er Jahre von Rot-Weiss Essen“.
Die Atmosphäre des Meisterschaftsfinales wird darin noch einmal lebendig: Rot-Weiss Essen gegen 1. FC Kaiserslautern. „Das deutsche Wunsch-Endspiel ist Wirklichkeit geworden!“, schrieb der Fußball-Kurier damals. Ein „populäreres Endspiel“ habe man sich nicht wünschen können. „Die Fußballexperten waren sich einig, dass hier die beiden besten deutschen Fußballmannschaften aufeinander trafen und sich Stärken und Schwächen beider Teams ausglichen“, so Schrepper.
Das Finale war ein echter Straßenfeger. Wer nicht mit Privatautos, einige in rot-weißen Farben bemalt, mit Bussen und in drei Sonderzügen mit nach Hannover fahren konnte, um die Mannschaft zu unterstützen, verfolgte das Spiel vor dem Radio. „Oder vor dem Fernsehbildschirm.“ Auf dem Parkplatz gegenüber des Stadions war ein großes Festzelt mit TV-Geräten aufgebaut. „Die Gastwirte der Borbecker Kneipen gaben sogar Sitzplatzkarten für die Plätze vor den aufgestellten Fernsehapparaten aus“, so Georg Schrepper.

Ganz Essen war im Fußballfieber

Ganz Essen war im Fußballfieber. Mit im Stadion war der damalige Oberbürgermeister Dr. Hans Toussaint, begleitet von 40 Ratsmitgliedern. „Essens Stadtoberhaupt unterbrach extra seine Kur in Bad Münstereifel“, weiß der RWE-Kenner.
Das Team lief mit Fritz Herkenrath, Joachim Jänisch, Willi Köchling, Paul Jahnel, Heinz Wewers, Willi Grewer, Helmut Rahn, Penny Islacker, August Gottschalk, Johannes Röhrig und Berni Termath auf. Das Stadion glich von Anfang an einem Tollhaus. Lautern ging früh mit 1:0 in Führung, dann kamen die Rot-Weißen, glichen aus und lagen zur Pause mit zwei Toren in Front (3:1).

Wer jetzt trifft, ist Deutscher Mesiter

Entschieden war die Partie damit noch nicht. Denn den Pfälzern gelang nach dem Seitenwechsel der Anschlusstreffer. Per Elfmeter glichen sie wenig später sogar zum 3:3 aus.
Wer das nächste Tor erzielt, ist Deutscher Meister - soviel stand fest. „Keine gute Ausgangsposition für den RWE. Herkenrath und Islacker waren verletzt, eine Wechselmöglichkeit gab es damals noch nicht“, so Schrepper. „Penny bewies seine Kämpferqualitäten, biss die Zähne zusammen.“ Und er wurde belohnt. In der 86. Minute gelang ihm das Meistertor. „Mit einem entschlossenen Hechtsprung warf er sich in die Flanke und köpfte zum 4:3-Siegtreffer ins Netz“, schildert der Experte die damalige Szene so genau, als wäre er dabei gewesen.

Essen holt als erster West-Verein nach dem Krieg den Titel

Rot-Weiss Essen war Deutscher Meister. „Erstmals nach dem Krieg hatte es wieder ein Verein aus dem Westen der Republik geschafft, den Titel zu gewinnen.“
Von 100.000 begeisterten Menschen wurden die neuen Deutschen Meister nach ihrer Rückkehr in der Heimat gefeiert. Die Stadt schenkte jedem Spieler als Anerkennung ein gerahmtes Mannschaftsbild und ein Buch über die Essener Gruga. Außerdem spendierte die Kurverwaltung Baltrum einen 14-tägigen Erholungsurlaub auf der Nordseeinsel.
1
1
1
5
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
2.055
Susanne Demmer aus Essen-Nord | 24.06.2015 | 09:17  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.