Borbeck: Spielgruppen-Raum im Grünen Haus konnte mithilfe von Spenden renoviert werden

Anzeige
Silas, Louis, Julian und Kalle (v.l.) mit ihren Müttern; Annette Höfer (mit grünem Pullover) sitzt in ihrer Mitte. Pressefoto: Kirchenkreis Essen/Stefan Koppelmann
 
Erzieherin und plus-Kita-Kraft Annette Höfer mit dem neu angeschafften Puppenwagen, der der Renner bei den Kindern ist. Pressefoto: Kirchenkreis Essen/Stefan Koppelmann
Essen: Grünes Haus der Evangelischen Kirchengemeinde Borbeck-Vogelheim |

Der Spielgruppen-Raum im Grünen Haus der Evangelischen Kirchengemeinde Borbeck-Vogelheim ist fertig renoviert! Wie Annette Höfer vom „Müttercafé Kinderkram“ mit großer Freude berichtet, konnten die dringend nötigen Arbeiten dank mehrerer Spenden endlich abgeschlossen werden – Anstrich, Gardinen und Lampen waren deutlich in die Jahre gekommen.

Für das leibliche Wohl ist gesorgt - und fürs Aufräumen auch

Dienstagvormittag, kurz nach halb zehn: Silas, Louis, Julian und Kalle spielen auf dem großen roten Teppich miteinander: sie rutschen, bauen etwas oder ziehen mit dem Puppenwagen los, sie lachen, sind fröhlich und fidel. Da finden sogar ihre Mütter die Gelegenheit, sich fast ohne Unterbrechung über das Heranwachsen ihrer Sprösslinge auszutauschen! Ob das vielleicht am neuen, gelben Anstrich des Spielgruppen-Raumes liegt? „Eher nicht“, schmunzelt Annette Höfer: „Normalerweise kommen acht oder sogar zehn Kinder ins Müttercafé. Da wird es dann auch schon mal lauter und die eine oder andere Träne fließt.“ Als plus-Kita-Kraft der Evangelischen Kindertagesstätte Regenbogen, die in unmittelbarer Nachbarschaft liegt, kümmert sich die 52jährige, erfahrene Pädagogin immer dienstags von 9 bis 11 Uhr um das Müttercafé Kinderkram, besorgt Getränke und Brötchen, deckt den Frühstückstisch und räumt hinterher alles wieder auf. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie anstrengend und belastend der Alltag als Mutter ist“, sagt sie. „Deshalb sollen die Mütter, die mit ihren Kindern hierher kommen, das Gefühl erleben wie es ist, wenn sie einmal nicht für die Vorbereitung und Organisation verantwortlich sind.“

Schwerpunkt der Spielgruppen hat sich verändert

Zwischendurch bleibt immer noch viel Raum, um mit den Müttern ins Gespräch zu kommen. Weil Annette Höfer früher mit ihrem eigenen Sohn – er ist heute 19 Jahre alt – selbst eine Spielgruppe im Grünen Haus besucht hat, kann sie sehr gut beurteilen, was sich seitdem verändert hat. „Früher lag der Schwerpunkt ganz eindeutig auf der Beschäftigung mit Kindern – Fingerspiele ausprobieren und Kinderlieder lernen, die dann zuhause mit den eigenen Kindern weiter geübt werden konnten. Das gibt es natürlich auch noch heute. Zusätzlich geht es den Müttern aber um andere Fragen: Wie schaffe ich es, Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen? Wo finde ich als alleinerziehende Mutter Unterstützung? Welche Rechte habe ich als Arbeitnehmerin, wenn mein Kind krank wird?“ Natürlich beobachtet Annette Höfer auch, wie sich die Kinder entwickeln und ob es eventuell Anzeichen für Entwicklungsverzögerungen gibt. Meistens sind es aber die Eltern, die sich Sorgen machen, weil ihr Kind vielleicht noch nicht so schnell und gut laufen kann wie die anderen – vor allem, wenn es ihr erstes ist. „Ich kann dann in den meisten Fällen Entwarnung geben und die Mütter beruhigen: Kinder entwickeln sich ganz unterschiedlich und fast immer besteht kein Grund zur Besorgnis.“

Vernetzung ist das wichtigste ziel

Das wichtigste Ziel des Müttercafés besteht in ihren Augen ohnehin in der Vernetzung: Die Mütter lernen sich kennen, besuchen auch an anderen Tagen gemeinsam den Spielplatz und tauschen elterliche Erfahrungen untereinander aus. „Ein Kind, das zurzeit oft ins Müttercafé kommt, hat eine Behinderung und erhält eine Reittherapie. Eine andere Mutter besitzt zufällig ein Pferd – schon gibt es eine Gemeinsamkeit, die zu einer ganz praktischen Verabredung außerhalb des Müttercafés führt“, berichtet Annette Höfer von einem besonders eindrucksvollen Beispiel. Aber auch die Evangelische Kirchengemeinde Borbeck-Vogelheim ist sich bewusst, was dieses Angebot für sie bedeutet: „Eine ganze Reihe der Mütter sehe ich mit ihren Kindern im Krabbelgottesdienst wieder“, erläutert Pfarrerin Ulrike Schreiner-Menzemer. Aus diesem Grund beteiligt sich die Kirchengemeinde auch in einem kleinen Umfang an der Finanzierung der Arbeitsstunden für das Müttercafé. „Insgesamt ist das Angebot aber bewusst niederschwellig konzipiert“, fügt Annette Höfer hinzu. „Jede Mutter kann hierherkommen, unabhängig von ihrer Religion oder Konfession.“ Insgesamt besuchen derzeit etwa zehn Mütter das Müttercafé – manchmal kommen mehr, manchmal weniger; eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Besuch ist zudem kostenlos – jede tut einen kleinen Betrag als Spende für das Frühstück in den Spar-Elefanten auf dem Tisch, je nach Vermögen. Neue Gesichter sind gern gesehen: Nach den Sommerferien kommen einige der Kinder in den Kindergarten, so dass wieder Plätze frei sind.

Finanzielle Unterstützung durch die Deichmann-Stiftung, die Sparkasse Essen und durch eine private Spende

Außer dem Müttercafé nutzen derzeit noch zwei weitere Spielgruppen von Tagesmüttern, die spanisch-deutsche Kindergruppe „Mi casita verde“ und eine Gruppe von Rucksackmüttern (Frauen mit Migrationshintergrund und ihre Kinder vor dem Kindergartenalter) den Raum; sie alle profitieren nun von der Renovierung. Jeweils 500 Euro spendeten die Deichmann-Stiftung und die Sparkasse Essen; hinzukam eine private Spende über 200 Euro. „Den größten Teil des Betrages haben wir für den neuen Anstrich ausgegeben“, berichtet Annette Höfer. „Eine Wand musste gleich dreimal gestrichen werden.“ Weil noch etwas übrig war, konnte sie zusätzlich einen neuen Spielteppich, einen Puppenwagen und ein Rutschauto, einige Spielzeugautos, neue Lampen, Gardinenstangen und diverse Kisten zum Aufbewahren anschaffen. – Der Spielgruppen-Raum im Grünen Haus hat übrigens eine interessante Geschichte: Als die benachbarte Matthäuskirche im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe unbenutzbar wurde, feierte die Gemeinde hier ihre Gottesdienste; später hatten hier eine Nähgruppe und die Gemeindebücherei ihr Domizil. Aber das steht nun wieder auf einem anderen Blatt.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.