In der Alten Cuesterey in Borbeck dreht sich alles ums Brauchtum

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Dass der Kultur-Historische Verein Borbeck am Jahresende eine große mehrwöchige Ausstellung in den Räumen der Alten Cuesterey präsentiert, ist guter Brauch. Dass die diesjährige Jahresausstellung mit diesem Titel überschrieben ist, mehr als nur Zufall. Am Samstag, 15. November, 15 Uhr, wird die Präsentation am Weidkamp 10 in Borbeck eröffnet

„In der Vergangenheit sind in der Cuesterey verschiedene historische Ausstellungen mit großem Erfolg gelaufen“, erinnert Dr. Baldur Hermans, Mitglied des Kultur-Historischen Vereins, an die Präsentationen über die Dionysiuskirche, das 150-jährige Jubiläum der Matthäuskirche oder die Ausstellung zu Borbecker Familiengeschichten. Da lag es auf der Hand, dem breiten Feld des Brauchtums eine eigene Ausstellung zu widmen. Wie bei der Engelausstellung im vergangenen Jahr waren auch diesmal wieder Borbecker dazu aufgerufen, die aktuelle Präsentation mit dem Untertitel „von Erntedank bis Lichtmess“ mit eigenen Exponaten zu bestücken. „Und die Resonanz war auch diesmal groß“, freuen sich Hermans und die anderen Mitglieder des Ausstellungsteams. „Es wurden eine Menge Stücke abgegeben, andere Bürger kamen mit interessanten Hinweisen auf Exponate und deren Besitzer.“

Von Hoppeditz bis zum Reformationstag

Die haben die Ausstellungsmacher kontaktiert und so eine bunte Mischung von Hoppeditz bis Reformationstag zusammengetragen. Auf einige Ausstellungsstücke sind die Organisatoren besonders stolz. Dazu gehört die bronzierte Lutherfigur aus dem CVJM-Haus an der Wüstenhöfer Straße. „Die ist zuvor noch niemals vor die Tür gekommen“, freut sich Andreas Koerner darüber, die Gipsfigur als Leihgabe in der Alten Cuesterey präsentieren zu können.

Familienkrippe vom Hotzenplotz-Schöpfer

Ein weiteres ganz besonderes Schmuckstück ist die Familienkrippe der Familie Kleine-Möllhof. Elmar Klein-Möllhoffs Vater Fredy hat diese gemeinsam mit Kinderbuchautor und Hotzenplotz-Schöpfer Otfried Preußler in russischer Gefangenschaft aus Butterbrotpapier und Dachpappe gefertigt und 1949 aus der Wolga-Stadt Kasan nach Essen geschmuggelt. In der Ausstellung ist nicht nur die mehrteilige Krippe (entstanden in den Gefangenschaftsjahren 1946-48) zu sehen. „Es gibt auch einen Brief meines Vaters an Otfried Preußler, in dem er ihm in den 70er Jahren von der erfolgreichen Rettung der Krippe berichtet“, erzählt Elmar Kleine-Möllhoff.

Donatus - Schutzpatron gegen Unwetter

Ein weiteres Schmuckstück der Brauchtumsausstellung begrüßt die Besucher direkt bei ihrer Ankunft im Obergeschoss der Cuesterey: In den Museumsräumen am Weidkamp ist der heilige Donatus, Schutzpatron gegen Unwetter, Blitz und Hagel, in Form einer Büste zugegen. „Diese ist normalerweise in der Dauerausstellung von Schloß Borbeck zu sehen“, freut sich der Vorsitzende des Kultur-Historischen Vereins Jürgen Becker über die Leihgabe.
Seit Oktober laufen die Vorbereitungen zum Aufbau der umfangreichen Ausstellung. Traditionelle Feste wie St. Martin, Nikolaus oder Weihnachten werden dargestellt.

Bohnenkönig und Laubhüttenfest

Weniger bekannt als das Brauchtum in Verbindung mit den Schutzheiligen dürfte das Fest des „Bohnenkönigs“ sein. Gefeiert wird das am 6. Januar. „Die Köngiswürde erhält derjenige, der die Bohne im gemeinsam verzehrten Kuchen findet“, weiß Andreas Körner um den auch in Essen vor dem Krieg weit verbreiteten Brauch. Zur Erinnerung daran zeigt die Ausstellung eine Königskette, die der Bohnenkönig bei Inthronisierung tragen durfte. Auch jüdische Brauchtumsfeste werden in der Cuesterey vorgestellt. Die Ausstellung erinnert an Chanukkah und das Laubhüttenfest. Die Präsentation macht sogar einen Blick in eine solche Laubhütte möglich.

Feldpostbriefe und solche aus der Gefangenschaft

„Die Ausstellung ist ein spannender Streifzug durch die Geschichte des Brauchtums“, sind sich die Macher einig. Erinnerungen werden wach, Geschichte greifbar. Das vor allem bei der Lektüre der Feldpostbriefe und Postkarten, die Soldaten aus der Kriegsgefangenschaft an die Familien in Borbeck geschickt haben. Deshalb hofft der Verein auf ein breit aufgestelltes Publikum. „Wir möchten auch in diesem Jahr wieder Schulklassen die Gelegenheit zum Besuch der Ausstellung geben.“ Termine - auch außerhalb der Öffnungszeiten - können interessierte Schulen direkt mit dem Kultur-Historischen Verein vereinbaren.
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