Alte Direction in Kettwig wird modernisiert

Heinz Schnetger legt am alten Holzboden auch gerne selber Hand an.
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  • Heinz Schnetger legt am alten Holzboden auch gerne selber Hand an.
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Der erste Eindruck zählt. Was wir in den ersten drei, vier Sekunden einer Begegnung wahrnehmen, das bleibt. So war es auch bei meinen ersten Schritten in die „Alte Direction“ an der Ringstraße - also ins ehemalige Verwaltungsgebäude derScheidt‘schen Tuchwerke.

Okay, der Zugang durch ein Fenster war noch eher provisorisch. Kurz zuvor mussten Heinz Schnetger, Geschäftsführer der Kettwiger Grundstücksgesellschaft, Peter Marx von der Agentur Nordis und ich noch einen Bach, der sich von der Reifenwaschanlage der LKW am Eingang des Neubaugebiets „Seepromenade“ vergnügt Richtung Ringstraße schlängelte, überqueren. Aber diese kleinen, fast typischen Begleiterscheinungen einer Baustellenbesichtigung waren angesichts der fast kathedralenartigen Höhe und Weite im zukünftigen Eingangsbereich vergessen. Dass meine Schuhe in diesem Moment nicht mehr schwarz, sondern eher grau waren - geschenkt. So einen ersten Eindruck - Sie erinnern sich - bekommt man wahrlich nicht alle Tage geboten.
Genau auf so einen beeindruckenden ersten Eindruck können sich die zukünftigen Mieter der Alten Direction freuen. Genau aus diesem Grunde sind wir hier: Um einen Ausblick zu wagen, wie die neue „Alte Direction“ spätestens am 1. November aussehen soll. 1. November? Angesichst der dann doch noch zahlreichen offenen Arbeiten schleicht sich ein Fragezeichen in mein Gesicht. Heinz Schnetger hat in diesem Moment der Ausführungen von Architekt Frank Ahlbrecht meinen kritischen Blick dann richtig gedeutet zu haben. „Ich kann ihn verstehen, Herr Krause. Ich hatte während der Maßnahmen hier öfter mal Bauchschmerzen, wann und wie wir hier fertig werden.“ Sekundenbruchteile später nimmt Frank Ahlbrecht diesen Ball auf und schlägt die Brücke zur Vergangenheit der Alten Direction, die auch in der Zukunft eine große Rolle spielen wird. Zumindest ihre baugeschichtliche. „Wir haben hier eine Mischung aus drei verschiedenen Epochen vorgefunden. Das Directionsgebäude stammt aus den Jahren um 1908. Ab 1921 folgte dann die erste Erweiterung und abgerundet wurde das Konglomerat an Baustilen ab 1950. Diese drei Abschnitte und Stile, die aufeinander treffen, haben für uns einige Probleme aber mehr Möglichkeiten bereit gehalten.“

„Wir bauen viele historische Details in die moderne Gegenwart ein.“Frank Ahlbrecht

Einige davon springen einem bereits im zukünftigen Eingangsbereich entgegen, der abhängig von der Nutzung auch als Großraumbüro genutzt werden kann. Quasi mitten in der Wand zum Kern des Gebäudes prangt ein riesen Loch. Noch wirkt es eher wie zufällig vergessen und noch nicht zugemauert, doch für die Zukunft verspricht Ahlbrecht einiges. „Im Raum hinter diesem Panorama-fenster entsteht einer von zwei zukünftigen Kommunikationsräumen. Mit einer Küchenzeile, dazu passenden Sesseln, Tischen und Stühlen, wo man sich treffen und plaudern kann.“ Besonderes Schmuckstück: zwei große Lichtschächte in der Decke, die viel Tageslicht bei zukünftigen Pausen versprechen und dem Raum etwas Erhabenes, Einzigartiges geben.
Diesen Adjektiven werden Sie während der noch ausstehenden Beschreibung öfter begegnen. Immer mit Recht. Versprochen. Bereits ein paar Schritte weiter muss ich mir auf die Zunge beißen, um nicht schon wieder von erhaben und einzigartig zu reden. Das Treppenhaus mit seiner lichten Höhe von vier Metern, dem Stuck an der Decke und der in Entstehung begriffenen breiten Treppe bietet auch die Möglichkeit stilvoll einem Empfang oder einer schicken Eröffnungsgala entgegen zu schreiten. Aber genug der Träumereien, weiter geht es mit Architektenlogik. Frank Ahlbrecht erzählt, nein schwärmt, eher. „Wir haben so viele Details aus der Vergangenheit gefunden. Etwa Fenster, die nirgendwo mehr hinführen. Kunstvolle Holzschnitzereien, historische Träger oder Parkett und Holzböden oder Ornamente an den Wänden. Dies alles werden wir erhalten und auf eine besondere Art und Weise in den zukünftigen Stil der Räume einpassen und präsentieren.“
Klingt gut und langsam beginnt vor meinem Auge die zukünftige Alte Direction Gestalt anzunehmen. Noch etwas schneller steigt aber auch der Neid auf die potenziellen Mieter in mir hoch - in so einer Umgebung zu arbeiten, das ist wohl der Traum eines jeden kreativ denkenden und arbeitenden Menschen. Warum? Ganz einfach, kein Raum ist hier wie der andere. Während im obersten Stockwerk in einem Bereich der nüchterne, klar strukturierte Stil der 1950er-Jahre dominiert, empfängt einen nur ein paar Meter weiter im anderen Flügel ein Raum mit dunklem Parkett, dunkler Holzverkleidung bis zum Fenstersims und traumhaften Stuckarbeiten an der Decke. Heinz Schnetger erinnert sich in diesem Moment: „Ich habe ja lange in diesen Räumen gearbeitet und mir war die Geschichte dieser Räume und ihre Bedeutung immer bewusst. Aber was sich für architektonische Schätze hier verbergen, da wäre ich nicht im Traum drauf gekommen.“

"Welche architektonischen Schätze sich hier hinter Tapeten und Putz verbergen habe ich auch nicht gewusst." Heint Schnetger

Doch der Traum geht weiter, führt uns in einen Bereich, in dem Tischler in liebevoller Detailarbeit einen alten Holzboden restaurieren und ergänzen. Die Begeisterung spricht Heinz Schnetger in diesem Moment aus den Augen, als er erzählt: „Diese Dielen sind bestimmt 70, 80 Jahre alt. Und zum großen Teil noch in sehr gutem Zustand. Die Teile, die nicht mehr zu restaurieren waren, ergänzen wir durch neue, im gleichen Stil gearbeitete Materialien. Das sieht man sicherlich am Anfang, weil das Holz unterschiedliche Färbungen hat, gibt dem Raum dadurch aber auch wieder etwas Besonderes, Eigenes.“ Diese Attribute sind in der Alten Direction fast in jedem Raum mit den Händen zu greifen. Noch sind ein paar Monate Zeit bis zum offiziellen Fertigstellungstermin. Doch bereits jetzt strahlen die Räume einen Charme aus, dem sich nur die Wenigstens entziehen werden können.

Hintergrund:
Insgesamt entstehen in der Alten Direction 1000 Quadratmeter an Büro- und Tagungsräumen, die für einen großen oder bis zu sechs kleinere Mieter nutzbar sind. Um diese Möglichkeiten alltagstauglich zu machen, gibt es zwei Zugänge, mehrere Treppenhäuser, zwei Kommunikationsräume und eine Vielzahl an sanitären Einrichtungen.

Autor:

Sven Krause aus Mülheim an der Ruhr

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