Peter Eisold und Sven Piayda erhalten Ruhrpreis

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Musiker Peter Eisold (r.) erhält den Hauptpreis des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft. Der Förderpreis geht an Sven Piayda. (Foto: PR-Foto Köhring/SM)

Die Ruhrpreisträger 2016 stehen fest: Das Mülheimer Urgestein, der Musiker Peter Eisold erhält den Hauptpreis des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft. Der Förderpreis geht an Sven Piayda.

Der Kulturausschuss beschloss die Vergabe während der nichtöffentlichen Sizung Ende Mai, teilte die Stadt mit. Der Ausschuss folgte damit den Empfehlungen des Gremiums zur Vorbereitung der Vergabe des Ruhrpreises.

„Das zehnköpfige Vorbereitungsteam tagte zweimal“, verriet Martin Weck während der Vorstellung der Preisträger im Mülheimer Rathaus. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse gehört ebenso zu dem Team wie der Kulturdezernent Ulrich Ernst. Die Sparkasse sponsert die Preise.

„Es gab sehr intensive Diskussionen innerhalb der Jury“, fuhr Weck während der Pressekonferenz fort. „Der Entscheidungsprozess ist immer wieder spannend und die Jurymitglieder ergänzen sich hervorragend“, erklärte Weck. Es sei schön, wenn man über den eigenen Tellerand hinwegschauen könne.

„Das Potential für weitere Preisträger ist längst noch nicht erschöpft“, meinte der Kulturdezernent. „Es gibt innerhalb des Gremiums schon jetzt Ideen, in welche Richtung es im kommenden Jahr gehen könnte.“

Preisträger Eisold kommentierte die Nominierung mit „Klasse.“ Er erhielt die Nachricht während einer Pause beim Musikuntericht an der Musikschule. „Der Rest des Tages verlief dann sehr beschwingt“, erinnerte sich Eisold. Er gehört zu den sechs von 117 Preisträgern, die zuvor den Förderpreis erhielten. Eisold bekam ihn 2002.

Die Jury ehrte ihn für seine „herausragenden Leistungen bei seinem musischen Schaffen. Als Musiker und Komponist des Fusion-Jazz überschreitet Peter Eisold mit seinen zahlreichen Projekten, Medienperformances und Konzerten die Grenzen des eh schon weiten Genres und begibt sich zusammen mit seinen zahlreichen Partnern immer wieder neu auf die Suche nach den Klängen, Geräuschen, den Harmonien und Disharmonien des Urbanen“, heißt es in der Begründung der Jury. Sie würdigt damit auch Eisolds zahlreiche Projekte die „weit über die Grenzen unseres Gemeinwesens hinaus Anerkennung erfahren“ haben. Der Hauptpreis des Ruhrpreis ist mit 3000 Euro dotiert.



Der Musiker besuchte nie ein Konservatorium. „Ich bin Autodidakt.“ Mit „16 oder 17 Jahren lernte ich Helge Schneider kennen. Wir spielten zusammen – das war eine andere Ausbildung. Helge ist also nicht so ganz schuldlos an der Ehrung“, meinte Eisold. Von der Musik habe er sich in den vergangenen Jahren etwas entfernt. Der Weg ging in Richtung interdisziplinäre Kunst. „Ich war immer ein Teamplayer und gestaltete gern mit andern Künstlern audiovisuelle Projekte.“ Derzeit arbeite er an einem Projekt mit Jugendlichen im Essener Norden.

„Installationen an den Kunstmarkt zu bringen, ist allerdings schwierig“, meinte Eisold. Auch der Versuch mit einer APP trage noch nicht so recht Früchte. Derzeit orientiere er sich zurück zur Musik. Es könnte aber auch ein Hörspiel werden.

Preisträger Piayda reagierte zunächst zurückhaltend, als der Anruf von Kulturdezernent Ernst kam. Er sei gerade vom Sport gekommen und stand auf der Straße. „Aber wenn es um einen Preis geht, der mit 2500 Euro dotiert ist, hört man schon mal genau hin.“ Etliche Gedanken schossen ihm kurz danach im Kopf herum. „Und als ich nach Hause kam, stellte ich fest, dass kein Sekt da war“, erinnert sich der 1977 in Gelsenkirchen geborene Künstler. „Es war so überraschend, dass ich einen Preis bekommen habe, auf den ich mich gar nicht beworden habe“, plauderte er fröhlich weiter. Bei anderen Bewerbungen auf Preise, habe er auch schon mal Absagen erhalten. „Darum ist es umso schöner, diesen Preis zu erhalten.“

Das „Arbeiterkind“ studierte von 1998 bis 2003 Gestaltungstechnik an der Universität Essen. Über diesen Weg kam er zur Kunst - „der Weg dahin stand aber schon vorher fest. Kunst zu studieren kam allerdings für mich nicht in Betracht, weil man damit kein Geld verdienen kann. Außerdem konnte ich weder gut zeichnen noch malen.“
Gestaltungstechnik komme in zahlreichen Gebieten zu Anwendung: „Wie soll beispielsweise die Kaffekanne oder die Schrift auf dem neuen Briefbogen aussehen“, erklärte er auf Nachfrage.

Seit 2012 lebt Piayda in Mülheim. „Es ist schön grün hier, der Fluß und die Altstadt sind toll und es gibt viel Kultur vor Ort.“ 2006 gründete er die Künstlergruppe Aestatevisual. Seit 2006 ist er zudem festes Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Mülheimer Künstler.

Die Jury ehrte ihn, weil er „stets die Grenzen medialer Darstallungsformen“ auslote. „Konzeptionell und experimentell arbeitet er im Bereich der neuen Medien, an der Schnittstelle von Fotografie, Video- und Klangkunst“, heißt es in der Begründung. Piayda verwende computermanipuliertes und generiertes Bildmaterial und setze sich mit dem Phänomen der Wahrnehmung auseinander. „Reich an Verweisen auf die Kunstgeschichte und traditionellen Bildgattungen fordern seine Werke den Betrachter auf zu einem kritischen Sehen.“

Die öffentliche Verleihung des Preises findet im Spätherbst in den Räumen der Sparkasse statt.
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