Kettwiger Pfarrerin geht nach New York

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31.03.17: Pfarrerin Althaus bei der Aufstellung der Seelenbretter vor der Evangelischen Kirche am Markt zu Kettwig.

"Wann geht es denn los?", wollen die Kettwiger seit Wochen von ihrer Pfarrerin wissen. Und noch viel wichtiger: "Wann kommen Sie wieder?". Es hat sich herumgesprochen in der Gartenstadt: Silke Althaus geht nach New York. Jeder will deshalb noch einmal Hände schütteln und der allseits beliebten Kirchenfrau alles Gute wünschen.

Es ist nur ein Abschied auf Zeit, ein Auslandssemester, wie Silke Althaus verrät. Für einige Monate wird sie als sogenannte "Besuchsgelehrte" („visiting scholars“) ein Kontaktstudium am Union Theological Seminary (UTS) in Manhatten absolvieren. Vor rund einem Jahr hatte sie sich für einen der insgesamt vier Plätze, die weltweit vergeben werden, beworben. Mit Genehmigung der Rheinischen Landeskirche, versteht sich, die der Freistellung natürlich erst zustimmen musste. Im November 2016 war dann die Zusage da. "Damit habe ich großes Glück gehabt", weiß die Essenerin um die Exklusivität ihrer Exkursion.

Seit 13 Jahren in Kettwig

Für Silke Althaus ist es nicht der erste USA-Aufenthalt. 1999/2000 war sie schon einmal ein Jahr in Pennsylvania als Pfarrerin tätig. Dann verschlug es sie ins schöne Kettwig, wo sie seit 13 Jahren arbeitet, lebt und eine Familie gründete. "Jetzt ist es Zeit für eine Unterbrechung, einmal Abstand zu nehmen", ist sich Althaus sicher - und meint das im positivsten Sinne. "Auch die Gemeinde hat schließlich einmal eine Auszeit von mir verdient", lächelt sie. Von ihrer Mission zurückkommen will sie natürlich mit allerhand neuen Erfahrungen und Impulsen im Gepäck, die sie vielleicht schon am 24. Dezember mit den Mitgliedern teilen wird. "Ich leite nämlich direkt nach meiner Rückkehr den Weihnachtsgottesdienst am Heiligabend um 23 Uhr", lüftet Althaus das Geheimnis um die Dauer ihrer Unternehmung.
Am kommenden Samstag, 12. August, geht es aber erst einmal per Direktflug in den Big Apple. Zunächst sind zwei Wochen Familienurlaub geplant, bevor Mann und Sohn die Kettwigerin dann allein der Weltmetropole überlassen. Unterstützung findet Althaus aber noch in ihrer Gastunterkunft. "Ich habe ein Appartement direkt gegenüber dem UTS gefunden, bei einem Pfarrer im Ruhestand", ist sie über eine glückliche Fügung froh. "Ich habe über verschiedene Wege einen Wohnort gesucht, alle Angebote waren aber vor allem sehr teuer", erinnert sie sich. Über Bekannte habe sich der Wohnplatz dann schließlich ergeben. "Jetzt kann ich mit dem Kaffee rüber zum Seminar gehen", perfekter könne die Lage kaum sein. Für günstiges Geld und Anbindung an den normalen Alltag eines New Yorkers, inklusive putzen und kochen. "Bestimmt wird es klein sein und wegen der vorbeifahrenden U-Bahnen recht laut", spekuliert die Essenerin, dennoch kann sie sich den Ort als Quartier für ein paar Monate gut vorstellen.
Bezüglich ihrer Seminare hat sie online im Vorlesungsverzeichnis schon eine Vorauswahl getroffen. Einschreiben wird sie sich dann aber erst während der Orientierungstage. Die deutsche Pfarrerin weiß: Neben dem Fernsehprediger-Klischee gibt es in den USA auch eine ganz andere, sehr breit gefächerte Kirchenlandschaft. "Sie sind dort sehr politisch, sehr engagiert, sehr liberal", lobt Althaus. Gerechtigkeit, interreligiöser Dialog und soziale Herausforderungen seien - vielleicht noch stärker in der Trump-Ära - große Themen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In diese Richtung sollen auch ihre Studieninhalte gehen: "Religion in the city" (Wechselwirkungen mit buddhistischen / hinduistischen und anderen Gemeinschaften), "Resilienz der Gemeinschaft" (innere Potentiale entwickeln) oder auch andere Formen des Predigens (die Gemeinde als Partner) stehen auf der Wunschliste. Inwieweit sie Parallelen zum Kirchenleben in Deutschland ziehen kann, da lässt sie sich überraschen. "Aber die grundsätzlichen Fragen, vor allem die, wie man Zukunft gestaltet, sind doch auf der ganzen Welt ähnlich", weiß die Pfarrerin.


Auf dem Fahrrad durch New York

"Anfangs war es nur eine spannende – verrückte – Idee, dann ein Projekt, über das man ja mal intensiver nachdenken kann, und nun ist es Wirklichkeit geworden", schrieb Silke Althaus bereits im Frühjahr voller Vorfreude in den Gemeindebrief. Frei nach dem Motto "wenn, dann auch richtig", stürzt sie sich jetzt tatsächlich in das Abenteuer New York. Ihre Familie wird sie in der Zeit vermissen, "aber sie werden mich hin und wieder besuchen", muss sie nicht allzu viel Heimweh haben. Und auf einen treuen Begleiter wird Althaus ebenfalls nicht verzichten: "Ich radele garantiert auf dem Fahrrad durch New York, das verspreche ich, so kennen mich die Kettwiger", lacht sie. Zwar muss der eigene Drahtesel zu Hause bleiben, "aber New York ist in dieser Hinsicht ja perfekt ausgestattet". Wer den Trip von Silke Althaus verfolgen mag, kann dies in Kürze unter pastor-in-nyc.de im Internet. Ein persönliches Wiedersehen gibt es dann am Heiligabend.
Vertreten wird Althaus bis dato durch Petra Gunkel. Die Pfarrerin war als Krankheitsvertretung für Christiane Wittenschläger gekommen, ist der Gemeinde also bereits bekannt, und darf nun noch einige Monate in Kettwig verlängern.


UTS
- Das Union Theological Seminary (UTS) liegt in Manhattan und wurde 1836 gegründet.
- Mit einem klaren protestantisch, reformierten Profil sieht das Theologische Seminar seine Aufgabe darin, sich den Herausforderungen und Fragen unserer Gegenwart zu stellen.
- Homepage: www.utsnyc.edu
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