Mehr Platz auf dem Rathausplatz

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Der Architekt Peter Fütterer hat zusammen mit Kollegen "einen realistischen Plan für die Belebung des Rathausplatzes" erstellt.
 
Die Skulpturen auf dem Rathausplatz führen ein Schattendasein.

Die Neugestaltung des Kettwiger Rathausplatzes bleibt weiter Thema in der Bürgerschaft. „Wir haben zu Beginn des Jahres eine große Chance vertan“, sagt Peter Fütterer mit Blick auf den Rathausplatz. Der Architekt und einige seiner Kollegen bedauern, dass bei der Umgestaltung die Strukturen des Platzes nicht optimiert worden sind. Deswegen erstellten sie einen eigenen Entwurf.

„Unser Ziel ist es, einen lebendigen Platz zu schaffen, der von allen Seiten erreichbar ist.“ Das sei derzeit nicht der Fall.„Im Südosten schottet sich der Platz durch Betonmauern ab. Man wird um den Platz herum geführt. Für Kinderwagen und Gehbehinderte ist er von dieser Seite wegen der Treppen nicht erreichbar“, erläutert Fütterer. Zusätzlich behinderten Pflanzkübel und Infotafeln den Zugang.

„Damit bleibt nur der Weg entlang der Straße. Für eine Unterhaltung ist der aber zu schmal. Und der Weg hinter der Bushaltestelle auf den Platz ist viel zu steil für Menschen mit Rollatoren, Rollstühlen oder Eltern mit Kinderwagen.“ Auch aus Richtung der Sparkasse werde der Weg auf den Platz durch Hundewiesen und Bänke blockiert. Man werde wieder an den Rand des Platzes geleitet.

„Hier könnten schon kleine Veränderungen große Wirkung zeigen“, sind der Architekt und seine Kollegen überzeugt. Vor der Erarbeitung ihrer Pläne habe das Architektenteam die Aufmaße genommen und Bürger nach ihrer Meinung gefragt.

„Die Ergebnisse sind dann in unsere Planungen eingeflossen. „Als zentraler Platz sollte eine freie, kinderwagen- und behindertenfreundliche Querung möglich sein“, meint Fütterer. Das Team empfiehlt außerdem, eine freie Sicht auf das alte Rathaus mit dem Türmchen und dem Balkon zu schaffen.

Passiert sei aber etwas anderes: „Durch das Abholzen der Bäume ist stattdessen der Blick auf die unschöne Fassade des neuen Ratstraktes freigelegt worden. Die Pflanzung neuer Bäume, die nicht so hoch werden, könnte da Abhilfe schaffen“, sind Fütterer und seine Kollegen überzeugt.

Die ehemaligen Rasenflächen sind inzwischen durch die bepflanzten Schotterflächen nicht mehr für Veranstaltungen nutzbar, bedauert das Team.

Für eine bessere Nutzung empfehlen die Fachleute auch, die bestehenden Barrieren zu entfernen, die die Querung der Straße zu den angrenzenden Plätzen verhindern. „Man darf nicht nur den Rathausplatz allein betrachten, sondern muss auch das Ensemble der angrenzenden Plätze und Freiflächen mit einbeziehen“, sagt Fütterer. Dabei dürfe die variable Nutzung nicht aus dem Blickfeld verschwinden. „Die Fläche soll natürlich auch für Veranstaltungen nutzbar sein.“ Eine Wasserfläche, die bei Veranstaltungen überbaut werden kann, könne die Attraktivität ebenso steigern wie eine gastronomische Nutzung auf dem Platz.

Fütterer bedauert, dass die Bezirksvertretung (BV) dem Heimat- und Verkehrsverein Kettwig (HVV) die Koordination der Neugestaltung überlassen habe. „Der entsprechende HVV-Ausschuss ist nicht neutral“, erklärt Fütterer.

Ein Ausschuss, der sich selbst als Planer verstehe, können aber nicht gleichzeitig Entscheidungsgremium für den angestrebten Wettbewerb sein. Die Tatsache, dass der Ausschuss im Mai jedwede Kooperation mit dem Team um Fütterer ablehnte, zeige dies deutlich.

"Leider" seien in dem HVV-Gremium auch keine aktiv planenden Architekten vertreten. „Am Anfang jeder Planung steht die Ermittlung der Ziele unter Einbeziehung der Gegebenheiten vor Ort. Der HVV hatte ein halbes Jahr Zeit, diese zu veröffentlichen. Passiert ist aber bislang nichts.“

Stattdessen habe man drei Vorschläge auf den Tisch gelegt, die ohne Bürgerbeteiligung erstellt wurden. Einer davon stamme aus den 70er-Jahren. Bei allen Plänen sei unterlassen worden, die technische und wirtschaftliche Realisierbarkeit zu untersuchen. „Es ist unwahrscheinlich, dass die Stadt Essen einen höheren sechs- oder siebenstelligen Betrag für die Umgestaltung des Platzes zur Verfügung stellt.“ Die HVV Vorschläge nennt er deswegen populistisch und „bringen den Organisator in die Schlagzeilen, das Projekt aber nicht voran.“

Der Vorschlag des Kettwiger Architektenteams sei hingegen „technisch und finanziell realisierbar, eine Grundlage für weitere Diskussionen und offen Anregungen durch die Bürger", sagt Fütterer. "Der HVV sollte sich entscheiden, ob er sich damit fachlich produktiv auseinandersetzt oder das Projekt einer Partei oder einem Verein überlässt, der es zu einem Ergebnis führen kann“, fordert das Architektenteam.
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1 Kommentar
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Martin Schlautmann aus Essen-Kettwig | 21.07.2016 | 10:09  
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