Abgasfrei durch den Tag fahren

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Werkstattleiter Michael Drescher gehört bei Ford Kneifel zu denen, die denn Elektrowagen warten dürfen. (Foto: Bangert)
 
Der Kofferraum ist kleiner als bei Normalmodellen: Aber im Sommer ist er gekühlt und Einkaufstüten fallen nicht so schnell um (Foto: Bangert)

Kettwig. Leise und völlig abgasfrei rolle ich des Weges - natürlich nicht ich, sondern der elektrische Ford. Über allem schwebt die Frage: Ist das Auto für mich alltagstauglich?


Ein 145 PS (107 Kw)- Elektromotor treibt meinen Testwagen an. Der Focus-Electric hat alles an Extras, was Ford so zu bieten hat. Viel Schnickschnack, den ich persönlich nicht benötige - ebenso wie den leistungsstarken Motor. Soviel Power brauche ich im Stadtverkehr eigentlich nicht, aber sie stört auch nicht. Man muss halt nur aufpassen, dass beim Anfahren die Räder nicht durchdrehen.

Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Stille, selbst wenn der Motor im „Stand“ läuft. Man hört nix und beim Fahren ist lediglich ein fernes Rauschen vernehmbar. Das irritiert zunächst, weil man ja gewohnt ist, den Motor zumindest etwas zu hören. Je älter das Modell, desto eher weiß man, dass man zu schnell unterwegs ist oder aber schalten muss.
Das Schalten fällt aber im E-Focus weg - ist ja ein Automatikwagen mit Elektromotor. Da ruckt beim Gasgeben nichts - der Wagen mit seiner 1-Gang-Automatik zieht einfach los. Es ist erstaunlich, wie schnell man den linken Fuß beim Fahren vergisst. Das hätte ich als überzeugter Schaltwagenlenker nicht gedacht.
Wer will, ist ziemlich fix vom Stand auf 50 Stundenkilometer. Das „Gaspedal“ reagiert sofort. Da machen sich die 107 Kw bemerkbar - auch beim Verbrauch. Der wird zwar nicht in verbrauchten Litern angezeigt, aber dafür die noch möglichen zu fahrenden Kilometer, bevor es an die Steckdose geht. Das bremst Übermut schnell aus. Als ohnehin Spritsparfahrer macht mir das nichts aus. Eigentlich ist die Information, wie viele Kilometer man noch fahren kann, irgendwie sinnvoller als die schnöde Tankanzeige.

Wenig später genieße ich die wenigen Kilometer bergab: Das belohnt der Wagen mit dem Wiederaufladen der Batterien. Auch Bremsen schlägt sich positiv auf den Stromverbrauch aus: mit der Rückführung von Energie.
Okay, man muss erst einmal auf den Berg fahren, um in den Genuss der blau flackernden Ladeanzeige zu kommen. Aber Spaß macht es trotzdem ... .
Gewöhnungsbedürftig ist, dass der Autoschlüssel nicht mehr ins Schloss kommt. Er liegt in der Mittelkonsole und wird nur zum Abschließen benutzt. Fehlt er allerdings im Wagen,funktioniert der Start/Stop-Knopf zum Anlassen nicht.

Der Elektro-Focus ist für fünf Personen zugelassen - ich musste wirklich überlegen, wann ich das letzte Mal so viele Personen im Wagen hatte - es ist Wochen her. Im Normalbetrieb brauche ich diesen Platz nicht.

Das erste Rückwärtseinparken im Echtmodus ist, wenn man es nicht gewohnt ist, ein kleines Highlight: die serienmäßige Rückfahrkamera im Display ist witzig. Nur der immer hektische werdende Warnton nervt. Vor allem, wenn noch reichlich 30 Zentimeter Abstand zum Hindernis sind. Nur mit Außenspiegeln kann man - zugegebenermaßen - nicht besser einparken.

Aber wie ist das mit dem „Tanken“ zuhause?, frage ich mich. Es hat beim ersten Mal knapp drei Minuten gedauert und der Wagen hing am Netz. Die Suche nach dem Verlängerungskabel ist dabei bereits eingeschlossen. Vier Stunden später waren die Batterien wieder für 50 Kilometer aufgeladen.

Am nächsten Morgen stellte ich eine Gemeinsamkeit zwischen E-Auto und mir fest: Wir sind keine Kältefans. Die derzeit niedrigen Temperaturen mögen die Batterien nicht. Die Anzahl der noch möglichen Kilomter sinkt ab, vor allem wenn man die Klimaanlage betätigt. Aber die kostet auch beim „normal“ betriebenen Auto Energie - nur merkt man das an der Anzeige nicht sofort. Da ist der Computer beim E-Auto gnadenlos ehrlich - hat man ja auch nicht immer.

Weiter geht es zum allwöchentlichen Einkauf. Die große Frage: Passen die diversen Einkaufstüten samt Wasser -Six-Pack in den Kofferraum? Der ist im Vergleich zu den konventionell betriebenen „Kollegen“ seiner Klasse kleiner. Eine der beiden großen Batterien ist hier quer über die gesamt Breite untergebracht.
Im Vergleich zur meiner normalen Kofferaumfläche erweist sich das als Vorteil: Munter hintereinander gestellt kippen die Tüten nicht mehr um. Das sonst bisweilen lästige Zusammensuchen des Tascheninhalts unterbleibt, trotz einer schärferen Bremsung.
Zurück im trauten Heim geht es abwärts in den Keller. Keine 60 Sekunden vergehen, dann ist das Fenster geöffnet, das Ladekabel nach aussen geschoben und wenig später in den Wagen gestöpselt. Man gewöhnt sich schneller daran als man glaubt.

Mein Fazit: Als Zweitwagen ist der Focus elektrik voll alltagstauglich - zumindest für meine Bedürfnisse. Die entsprechen allerdings dem normalen Alltag vieler Menschen. Denn die Mehrheit aller Fahrten findet im Umkreis von 80 Kilometern statt. Bei einer Reichweite von 160 Kilometern also völlig ausreichend - aber ein wenig mehr wäre natürlich schön. Aber die Tatsache, dass man derzeit an etlichen Stromtanken - wie bei mir ums Eck - kostenlos „Kilowattstunden zapfen“ kann, macht das Auto attraktiv. Für das E-Auto sprechen zudem die erheblich geringeren Wartungskosten. Auch der Verschleiß am Wagen ist geringer. Und Steuern kostet er auf Dauer auch nicht.
Einziges Manko: Der noch sehr hohe Anschaffungspreis. Batterien sind halt teuer. Aber ansonsten ist das E-Mobil als Zweitwagen eine echte Alternative. Und noch besser ist es, wenn man das Elektrovehikel in der Garage über Nacht aufladen kann.
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