Altbergbau legt S 6 lahm

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Derzeit lässt die Bahn in über 100 Bohrlöcher (rosafarbene Schlauchenden) Spezialflüssigbeton fließen. Ist er abgebunden, erfolgt eine weitere Druckverfüllung. Fotos: Heuer
 
Rund um die Uhr suchen die Trupps nach weiteren Hohlräumen in dem ehemaligen Kohleschächten.

Der Altbergbau legt die S-Bahnstrecke Köln-Essen vermutlich noch bis April kommenden Jahres lahm. Seit dem 18. Oktober fährt die S 6 aus Sicherheitsgründen nur noch bis zum Bahnhof Kettwig.

Von dort geht es per Bus weiter in Richtung Essen Hauptbahnhof. Betroffen sind täglich 10.000 Fahrgäste. Der eingesetzte Schienenersatzverkehr verlaufe inzwischen reibungslos, erklärte Bahnsprecher Dirk Pohlmann. Zu den Stoßzeiten seien zwei Busse im Einsatz.

"Im Rahmen der regelmäßigen Begutachtung unserer Bauwerke haben wir die Wölbung an der Stützmauer nahe der Station Hügel festgestellt. Da wir wissen, dass es sich hier um eine Risikostelle handelt, haben wir die Strecke sofort gesperrt." Das erklärt Gerd Matscke, Leiter der Produktionsdurchführung Duisburg, am Dienstag, im Rahmen einer Presseinformation zum Sachstand des Bergschadens. Nach über 40 Sondierungsbohrungen steht fest, dass der Schaden größer ist als vorher gedacht. Matschke rechnet damit, dass die Sanierung des Streckenabschnitts inklusive aller weiteren Kosten rund eine Million Euro verschlingen wird.

Beginnend unter der Brücke direkt an der Station Hügel bis 350 Meter in Richtung Essen sind inzwischen über 100 Verfüllungsbohrungen, rund 30 bis 35 Meter tief, entstanden. Sie führen in die sieben festgestellten Hohlräume in den elf Flözen, darunter Girondell I und II. Die unterirdischen Löcher in Girondell I sind inzwischen mit 900 Kubikmetern Flüssigbeton verfüllt. Weitere 500 Kubikmeter sind bislang in Girondell II geflossen. Und täglich verbauen die Mitarbeiter weitere 100 Kubikmeter.

Doch die Bauarbeiter kämpfen mit einem Problem: Die benötigten vier Kubikmeter Wasser pro Tag zur Kühlung der Bohrgeräte kann der örtliche Hydrant nicht liefern. Deswegen steht immer ein Tankwagen mit Wasser bereit. Würde bei Frost das Wasser frieren, könnte nicht weiter gebohrt werden - die Arbeiten zögen sich hin.

Auch die Suche nach weiteren Hohlräumen ist noch nicht abgeschlossen. "Niemand kann weitere Überraschungen ausschließen", erläutert Matschke.

Unter dem Schienenbereich begann der Kohleabbau um zirka 1750 und dauerte bis 1850. Zuletzt ließen die Bergbaubetriebe Kämpgesbank und Schwalke, beide heute nicht mehr existent, dort Kohle fördern.

Für Altbergbau-Dezernent Peter Hogrebe von der Bezirksregierung Arnsberg ist der Kohleabbau für die Region normal. "Das ist hier nichts Besonderes." Für die Sanierung sei die Bahn zuständig.
"Wir werden sehr sorgfältig arbeiten", kündigt Matschke an. Der jetzt verfüllte Spezialbeton binde auch unter Sauerstoffmangel ab. Wenn das passiert sei, folge eine Druckverfüllung mit Flüssigbeton, um dann auch die letzten Hohlräume zu verschließen. "Das ist ein gängiges Verfahren", ergänzt Hogrebe.

Bereits im März 2015 sperrte die Bahn die Strecke der S 6 nahe der Werdener Eschenstraße. Unter den Gleisen drohte in einer Tiefe von zirka 25 Metern ein ehemaliger Schacht abzusacken. Rund 800 Kubikmeter Flüssigbeton flossen seinerzeit in den löchrigen Untergrund. Im Jahr 2013 legte ein Bergbauschaden den Essener Hauptbahnhof lahm.
Auch in Steele erwartet die Bahn über kurz oder lang Probleme. Dort hat das Risikomanagement der Bahn auf dem Streckenverlauf von S1, S3 und S9 drei weitere Risikostellen ermittelt. Noch ist das gesamte Ausmaß der Schäden nicht bekannt. Die Experten arbeiten rund um die Uhr.
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