Energie: Essen von oben

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Rund 50 Prozent der Essener Gebäude könnten eine energetische Sanierung vertragen. (Foto: RWE)

Der energetische Fußabdruck der Stadt Essen ist geschafft. Mit dem Ergebnis sind alle Beteiligten zufrieden. Nun gilt es, die Ergebnisse der Flug-Thermografie weiter zu nutzen.

„Die Überfliegung ist ein großer Erfolg“, wertet Oberbürgermeister Reinhard Paß die Ergebnisse. Danach sind rund 50 Prozent der Essener Dächer, bis auf Kleinigkeiten, energetisch in Ordnung.
Zusammen mit Dr. Arnd Neuhaus, Vorstandsvorsitzender der RWE Deutschland AG, stellte Paß den weiteren Weg vor.
In rund 1000 Metern Höhe fotografierte eine Spezialfirma im März/April vergangenen Jahres die Gebäude der Stadt. Bei rund 140.000 Eigentümern fragte die Stadt im Vorfeld der Aktion um Erlaubnis. Der Auswertung der thermografischen Daten stimmten 38.000 zu. Dafür gab es im Anschluss kostenlos ein Thermobild und kurze Erläuterungen zum Energiestatus des eigenen Daches. Zusätzlich hatten 5000 Eigentümer ihre Energiedaten der Stadt freiwillig zur Verfügung gestellt.
Weitere 175 Freiwillige nahmen während der Überfliegung Messungen in ihren Häusern vor. Damit sicherten die Macher ihre Daten zusätzlich ab. Denn die Thermografie aus der Luft ist nicht unumstritten.
„Unser Ziel, die Eigentümer für die Energieeffizienz zu sensibilisieren, ist uns gelungen“, erklärt Dr. Neuhaus. Nach Zusendung der Thermobilder setzte ein kleiner Run an. „Rund 500 Eigentümer vereinbarten bei uns um eine ganzheitliche Energieberatung.“ Das erklärte Dr. Silke Katharina Berger, Leiterin des Bereiches Kommunale Produkte der RWE Deutschland AG.
Rund die Hälfte aller Essener Dächer verliere soviel Wärme, dass eine Modernisierung nötig wäre.
Die Kopplung der jetzigen Ergebnisse mit Bestandsdaten (Kataster, Energieverbräuche) stellt den nächsten Schritt in Richtung Energienutzungsplan für Essen dar. Dafür unterzeichneten RWE und Stadt einen entsprechenden Kooperationsvertrag. Er bietet eine zusätzliche Grundlage für energetische Beratungen von Immobilienbesitzern sowie für die Stadtentwicklung.

30 Prozent der Wärme geht übers Dach verloren


Die Stadt strebt an, bis 2020 40 Prozent weniger Energie zu verbrauchen als 1990. Und ohne die privaten Eigentümer lässt sich das nicht erreichen.
„Rund 30 Prozent der Energie eines Hauses gehen über das Dach verloren“, fährt Dr. Berger fort. Mit Energieverlusten von je 20 Prozent schlagen Fenster/Türen und die Fassade zu Buche. Da lasse sich schon einiges einsparen.
Das sieht auch der Leiter des Amtes für Geoinformation, Vermessung und Kataster, Dr. Frank Knospe, so.
Neben dem Energienutzungsplan strebt er eine Internetseite an, auf der Interessierte alles zur Energieeinsparung finden. Das können allgemeine Informationen sein. Aber auch Angebote von Handwerk, Gewerbe und Industrie sowie Infos zu Fördermitteln soll die Plattform, der E-Marktplatz, bieten.
„Beim Energiesparen und der Finanzierung sollten wir neue Wege gehen.“ Nicht jeder Eigentümer sei in der Lage, sein Haus komplett zu sanieren. Über den E-Marktplatz stünden dann andere Wege zu Verfügung.
Planerisch könnte leichter der Bedarf nach lokaler Energieerzeugung ermittelt werden. Auch in Gebieten mit Ein-oder Mehrfamilienhäusern stelle sich die Frage, ob jeder seine eigene Heizung benötige.
Dezentrale Energieerzeugung, auch mit entsprechenden Netzen, könnte künftig interessant werden. Das gelte auch für Contracting-Verfahren bis hin zur Vermietung von Dachflächen für Solarthermie oder Photovoltaik.
Der Energienutzungsplan inklusive E-Marktplatz stehe nach den jetzigen Planungen 2015 zur Verfügung.
In kleineren Quartieren erprobe die Stadt dann die neue Plattform, die ab 2018 flächendeckend genutzt werden kann.
Essen ist die erste deutsche Großstadt, die über ein flächenmäßiges „Thermografieraster“ verfügt. In zehn Jahre folge eine Überprüfung, um die Daten zu vergleichen. „Wir überprüfen dann, ob die Fördergelder zur Verminderung ihren Effekt zur CO2-Einsparung erbracht haben.“


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Wer sein Thermobild noch nicht angefordert hat, kann dies per Mail an thermografie@essen.de oder unter Tel.: 0201 8859058 kostenfrei nachholen.
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1 Kommentar
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Klaus Sauer aus Balve | 18.11.2014 | 21:54  
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