Eine Fußball-Legende

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Manfred Rummel verstarb im Alter von 79 Jahren. Foto: Archiv
 
1958 wurde die Schülermannschaft des FSV Kettwig mit Trainer Manfred Rummel ungeschlagen Meister im Fußballkreis Essen. Foto: Archiv
Essen: Kettwig-Kurier |

Der FSV Kettwig trauert um den Ausnahmefußballer Manfred Rummel

Der FSV trauert um Manfred Rummel. Am Donnerstag verstarb der Ur-Kettwiger nach schwerer Krankheit im Alter von 79 Jahren. Rummel war ein großer Sportsmann, brachte internationales Fußballflair ins Gartenstädtchen.

Überall wurde gekickt, auf der Straße, auf Bolzplätzen. Vom Metzger gab es Schweinsblasen, die aufgepumpt wurden. Von denen gingen bestimmt drei pro Spiel drauf. Straße trat
gegen Straße an, das waren heiße Duelle. Am 14. Dezember 1951 trafen sich 70 fußballbegeisterte Kettwiger und beschlossen die Gründung eines neuen Vereins, der den Namen „Fußball Sport Verein“ erhalten sollte. Zum 1. Vorsitzenden wurde der Unternehmer Ernst Rummel gewählt, der eigentlich das Amt nach drei Monaten abgeben wollte, aber bis in die 70er Vorsitzender blieb. In den ersten Jahren spielte der FSV mit mäßigem Erfolg in der Kreisklasse. Doch dann ging ein Stern auf: Mit dem Auftreten der Kettwiger Fußball-Legende Manfred Rummel, Sohn des Präsidenten, wurde alles anders. Rummel wurde mit der Kettwiger A-Jugend Kreismeister, dann sogar Niederrheinmeister, stand im Finale um die westdeutsche Meisterschaft dem FC Schalke 04 gegenüber. Kettwig verlor zwar mit 0:2, hatte aber die Herzen der Fans gewonnen. Nun ging es zu den Senioren, 1957 schoss der flinke Stürmer den FSV Kettwig mit unzähligen Toren zum Aufstieg in die Bezirksliga, nur ein Jahr später stieg der junge Verein nach einem 2:0 gegen Rot-Weiss Essen sogar in die Landesliga auf. Rummel war auch erfolgreicher Trainer einer Schülerelf, die ungeschlagen blieb und Meister im Fußballkreis Essen wurde.

Bundesligaspieler

Das 20-jährige Talent wechselte in die 2. Liga West zum ETB Schwarz-Weiß-Essen, wurde dort direkt deutscher Pokalsieger. Rummels Tore verhalfen der Mannschaft zur Vizemeisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg in die Oberliga West. Es waren erlebnisreiche Jahre, ein Höhepunkt die dreiwöchige Reise in die Sowjetunion. 1960 stand er im deutschen Olympiaaufgebot für die Spiele in Rom, durfte aber als  Vertragsspieler dann doch nicht mitmachen. Rummel wechselte zu Preußen Münster, stand am ersten Spieltag der neu gegründeten Bundesliga auf dem Platz. Am 24. August 1963 sahen 30.000 Zuschauer das Heimspiel der Preußen gegen den Hamburger SV. Rummel erlebte eine fünfwöchige Weltreise, mit den Stationen Hongkong, Tahiti, Australien, Fidschi, Hawaii. Später nahm Manfred Rummel das Angebot des 1. FC Kaiserslautern an und wechselte in die Bundesliga an den Betzenberg. Unter Trainer Gyula Lorant erzielte der flinke Stürmer im Weltmeisterschaftsjahr 1966 für die „Roten Teufel“ elf Tore und trug damit dazu bei, dass die Lauterer den rettenden 15. Rang erreichten. Manfred Rummel beendete seine Bundesligalaufbahn und wechselte in die USA. Er spielte bei den Pittsburgh Phantoms und den Kansas City Spurs an, bevor er wieder nach Deutschland zurückkehrte.

Fußballfamilie

Als Trainer führte der Kettwiger dann Bayer Leverkusen in die 2. Fußball-Bundesliga. Auch mit Rot-Weiß Oberhausen gelang Rummel später der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Der Sportlehrer an einer Vogelheimer Schule für Lernbehinderte fungierte bei RWO zeitweise als Vizepräsident und als Manager. Danach folgten Jahre beim ETB Schwarz Weiß Essen, bevor sich Manfred Rummel aus freien Stücken in den „Unruhestand“ zurückzog. Manfred Rummel wohnte zwar in Mülheim-Saarn, nahm aber weiterhin regen Anteil am Geschehen rund um den Kettwiger Fußball: „Der FSV bleibt mein Verein!“ Schwester Rosi hatte auch vom Vater die Fußballgene geerbt, rief den Bruder immer an, berichtete über die Spiele des FSV. Neffe Frank Littmann kickte ebenfalls an der Ruhrtalstraße, sein Sohn Robin Littmann ist Kapitän der Ersten. Ein großes Anliegen war Rummel stets die Gerechtigkeit für seinen FSV: „Es wird Zeit, dass auch Kettwig einen Kunstrasen bekommt. Das sollte heutzutage Pflicht sein, gerade für die Jugendmannschaften. Sonst hat man keine Chance, das ist doch Wettbewerbsverzerrung!“
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